In der vorliegenden Studie sollte die Frage geklärt werden, welchen Einfluss Häufigkeit und Zeitpunkt des Zähneputzens, zahnbürstehaltende Hand, Ansatzfläche zu Beginn des Putzvorgangs, Putztechnik, Putzdauer und Putzdruck auf das Vorliegen nicht-kariesbedingter Zahnhartsubstanzdefekte haben. Eine von unserer Arbeitsgruppe entwickelte Apparatur, mit der es möglich ist, den Bürstdruck während des Zähneputzens kontinuierlich aufzuzeichnen und den Bürstvorgang gleichzeitig mit einer Videokamera zu dokumentieren, sollte im Sinne eines Pilotprojekts erstmals an einer Gruppe von 103 Probanden (20-55 Jahre) zur Anwendung kommen.
26,2% der untersuchten Probanden wiesen Zahnhartsubstanzdefekte auf (keilförmige Defekte: n = 18, amorphe Defektformen: n = 7, Erosionen: n = 2). Der Vergleich von Probanden ohne und mit Zahnhartsubstanzdefekten ergab keinen signifikanten Einfluss von Alter (31,0 ± 6,4 vs. 32,0 ± 5,5 Jahre) oder Geschlecht (Frauen: 63,2% vs. 48,1%). Ebenso wenig unterschieden sich Probanden ohne und mit Zahnhartsubstanzdefekten statistisch signifikant in Hinblick auf die Häufigkeit des Zähneputzens (1 x täglich: 10,5% vs. 14,8%; 2 x täglich: 77,6% vs. 85,2%, 3 x täglich: 11,8% vs. 0%), Zeitpunkt des Zähneputzens ("meistens im Anschluss an die Mahlzeiten": 7,9% vs. 11,1%), zahnbürstehaltende Hand (rechts: 93,4% vs. 92,6%), Ansatzfläche bei Beginn des Putzvorgangs (vestibulär: 80,3% vs. 92,6%), Putztechnik (horizontale Schrubbtechnik: 10,5% vs. 11,1%), Putzdauer (97,8 ± 38,9 sec vs. 93,4 ± 26,6 sec) und Putzdruck (Gesamtputzdruck: 2,29 ± 0,73 N vs. 2,34 ± 0,78 N).
In der vorliegenden Studie zeigte keine der untersuchten Kenngrößen des Zahnputzverhaltens einen Einfluss auf das Auftreten nicht-kariesbedingter Zahnhartsubstanzverluste, so dass die ätiologische Hypothese des mechanischen Substanzabtrags durch den Zahnputzvorgang von unseren erstmals experimentell erhobenen Daten zur Zahnputztechnik und zum Putzdruck nicht gestützt wird.
Die Abwägung der bislang aufgestellten Hypothesen lässt ein multifaktorielles Geschehen vermuten, bei dem okklusale Belastungen als Auslöser dazu führen, dass Schmelzkristalle aus der in Richtung Zahnhals immer dünner werdenden Schmelzschicht herausbrechen und so das freiliegende Dentin für chemische oder mechanische Erosionen prädisponiert wird. Dem Mundhygieneverhalten kommt im Rahmen dieses multifaktoriellen Erklärungsansatzes die Bedeutung eines Kofaktors zu.
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