Swine Inflammation and Necrosis Syndrome (SINS) ein neues Syndrom beim Schwein
Lade...
Datum
Autor:innen
Betreuer/Gutachter
Weitere Beteiligte
Beteiligte Institutionen
Herausgeber
Zeitschriftentitel
ISSN der Zeitschrift
Bandtitel
Verlag
Lizenz
Zitierlink
Zusammenfassung
Schwanz- und Ohrbeißen sind wichtige tierschutz- und wirtschaftsrelevante Probleme in der Schweinehaltung. Die aktuelle Praxis des Schwanzkupierens verstößt gegen geltendes EU-Recht. Dennoch werden in der EU bei 95 % der Ferkel die Schwänze in einem Verfahren ohne Schmerzausschaltung gekürzt. Im Fokus der Tierhaltung stehen Maßnahmen, die das Beißen der Tiere unterbinden sollen. Neben primärem und sekundärem Beißen werden dabei vermehrt auch Akrennekrosen beobachtet, die ohne jedes Zutun anderer Schweine zustande kommen. Gleichzeitig treten parallel zu Entzündungen und Nekrosen an Ohren und Schwänzen auch Veränderungen im Bereich der Klauen auf. Als Ursachen werden zu energiereiches und rohfaserarmes Futter, gestörte Thermoregulation sowie inadäquate Tränkesysteme vermutet. Sie begünstigen Koprostase und damit die überschießende Vermehrung von Darmbakterien und den verstärkten Übertritt bakterieller Abbauprodukte (z.B. Endotoxine) durch die geschwächte Blut-Darm-Schranke. Eine Überlastung der Leber durch zu hohen metabolischen Umsatz und die anflutende Menge von Endotoxinen begünstigen den Übertritt in den Körperkreislauf. Es kommt zu einer Aktivierung des Immunsystems. Lokale und systemische Entzündungsprozesse ziehen Schädigungen und Verlegungen terminaler Blutgefäße an Akren und Klauen nach sich. Daraus resultieren Entzündungen und Nekrosen an Schwänzen, Ohren und Klauen. Dieser Komplex wurde unter dem Swine Inflammation and Necrosis Syndrome (SINS) zusammengefasst.Ziel der Arbeit war es, einige wesentliche Hypothesen zur Ausprägung und Entstehung von SINS zu untersuchen: i) Entzündliche Veränderungen an Schwanz, Ohren, Klauen und anderen Organsystemen kommen mit erheblichen Prävalenzen vor. ii) Die Entzündungen und Nekrosen treten syndromartig auf, indem mehrere Organsysteme (Schwanz, Ohren, Klauen) gemeinsam betroffen sind. iii) Es zeigen sich Unterschiede in der Empfindlichkeit zwischen Organsystemen und Organbefunden. Diese Unterschiede können als Tiersignale zur Früherkennung des Syndroms verwendet werden. iv) Die klinisch bonitierbaren Befunde lassen sich histologisch absichern und dokumentieren. v) Tiere mit höherer Leistung sind stärker betroffen als Tiere mit weniger hoher Leistung. vi) Es zeigt sich ein Zusammenhang zwischen bonitierbaren Entzündungs- und Nekrosesymptomen, sowie dem Stoffwechsel der Tiere (Klinische Chemie, Hämatologie, Entzündungswerte und Akute-Phase-Proteine). vii) Aus den untersuchten Stoffwechselfaktoren lassen sich Parameter mit diagnostischem Potential hinsichtlich SINS etablieren. viii) Die Assoziation zwischen SINS und Stoffwechsel zeigt sich auch bei Betrachtung des Leber-Transkriptoms und des Metaboloms. ix) Die Problematik kann durch Optimierung des Zustandes der Sau und der Haltung verbessert werden.Die Ergebnisse bestätigen das Swine Inflammation and Necrosis Syndrome. Es zeigte sich, dass Leberstoffwechselstörungen und Entzündungsprozesse mit SINS assoziiert waren. Mit der Aufarbeitung von SINS wurden erstmals generalisierte Entzündungsprozesse im Zusammenhang mit Akrennekrosen nachgewiesen. Eine Früherkennung durch klinische Tiersignale und eine Bestätigung anhand von Blutparametern war möglich. Vor einer Übertragung in die Praxis muss eine Validierung der Parameter in weiterführenden Studien als Voraussetzung zur Erarbeitung einer standardisierten Diagnostik und Prophylaxe durchgeführt werden. Mit der Berücksichtigung von SINS steht für Tierarzt und Landwirt ein wichtiges Werzeug zur Verbesserung des Tierwohls beim Schwein zur Verfügung.Verknüpfung zu Publikationen oder weiteren Datensätzen
Beschreibung
Anmerkungen
Erstpublikation in
Giessen : VVB Laufersweiler Verlag
