Biochemische und immunhistochemische Untersuchungen zum Vorkommen von Östrogen- und Progesteronrezeptoren im caninen Uterus im Verlauf des Diöstrus und frühen Anöstrus
Ziel vorliegender Arbeit war es, mögliche Wechselwirkungen zwischen Ovar- und Uterusfunktion durch Erfassung der Östrogen (ÖR) - undProgesteronrezeptoren (PR) im caninen Uterus parallel zur ovariellen Östrogen- und Progesteronsekretion im Verlauf des Diöstrus undfrühen Anöstrus näher darzustellen.
Nach Entnahme von Blutproben für die Bestimmung von Estradiol-17b und Progesteron wurden jeweils 3 bis 4 Hündinnen (19 Beagle, 1Cocker Spaniel) am 15., 30., 45., 60., 75. und 110. Tag nach der Ovulation (p.ov.) ovariohysterektomiert. Jeweils definierte Abschnitte derbeiden Uterushörner wurden sowohl für die biochemische als auch immunhistochemische Darstellung der Östrogen- undProgesteronrezeptoren konserviert. Die biochemische Erfassung erfolgte nach Gewinnung des uterinen Zytosols mittels einesRadioligand-Bindungs-Tests, wobei nicht zwischen Endometrium und Myometrium differenziert wurde. Die Berechnung derRezeptorkonzentrationen und Assoziationskonstanten erfolgte mittels Scatchard Plot. Anhand von Gefrierschnitten wurden die Östrogen- und Progesteronrezeptoren immunhistochemisch dargestellt (monokl. Maus IgG antihum. ER: 6F11, LOXO; monokl. Maus IgG2a anti hum. PR: 1408, IMMUNOTECH) und deren Verteilung im Endometrium und Myometriumanalysiert. Die Auswertung erfolgte durch Auszählen der Rezeptor-positiven und -negativen Zellen im luminalen Epithel, in denoberflächlichen und tiefen Drüsenepithelien sowie semiquantitativ im Myometrium, in der Gefäßschicht und in der Serosa.
Die im Ligand-Bindungs-Test gemessenen Östrogen- und Progesteronrezeptor-konzentrationen zeigten vom Tag 15 auf Tag 30 p.ov.einen starken Rückgang. Vom 30. bis zum 45. (PR) bzw. 60. (ÖR) Tag p.ov. wiesen die Rezeptorgehalte bei fallenden, aber im Vergleichzum Anöstrus noch erhöhten Progesteronwerten einen Tiefststand auf. Parallel zu den im späten Diöstrus auf Basalniveau sinkendenProgesteronspiegeln fand ein bis zum Anöstrus fortdauernder Anstieg der Rezeptorkonzentrationen statt; sie erreichten hier maximaleWerte. Die Konzentrationen der Östrogen- und Progesteronrezeptoren verliefen im Untersuchungszeitraum gleichsinnig und waren mit denProgesteronkonzentrationen im Plasma negativ korreliert.
Am 15. Tag p.ov. ließen sich lediglich in den tiefen Drüsenepithelien des Endometriums Östrogenrezeptoren immunhistochemisch ingroßer Zahl nachweisen; ihr Anteil ging im mittleren Diöstrus deutlich zurück. Im Gegensatz dazu war an den gleichen Tagen im luminalenEpithel und im Epithel der oberflächlichen Drüsen der Anteil Östrogenrezeptor-positiver Zellkerne deutlich niedriger. In Übereinstimmungmit den Ergebnissen des Ligand-Bindungs-Tests stieg die Zahl der Östrogenrezeptoren am Tag 60 p.ov. in den oberflächlichen und tiefenDrüsen an, im luminalen Epithel erfolgte ein entsprechender Anstieg am Tag 75 p.ov.. Am 75. und 110. Tag p.ov. waren bei maximalerFärbeintensität in allen Epithelzellen die Unterschiede zwischen den Lokalisationen weitgehend aufgehoben. Die Fibrozyten desendometrialen Stromas erwiesen sich an den Tagen 30, 45 und 60 p.ov. als Östrogenrezeptor-negativ. Hinweise auf das Vorkommen vonÖstrogenrezeptor-positiven Fibrozyten ergaben sich an den Tagen 15, 75 und 110 p.ov. vor allem in unmittelbarer NäheÖstrogenrezeptor-positiver Endometriumdrüsen. Für das Myometrium fanden sich geringe Mengen Östrogenrezptoren in der äußerenLängsmuskelschicht und bei den Proben vom 75. und 110. Tag p.ov. auch in der Ringmuskelschicht, während sie in der Gefäßschicht bisauf wenige Ausnahmen nicht nachweisbar waren.
Die Immunfärbung der Progesteronrezeptoren fiel insgesamt stärker und differenzierter aus. Qualitativ war jedoch in den Drüsenepitheliendes Endometriums eine mit den Östrogenrezeptoren nahezu identische Verteilung feststellbar. Von den Fibrozyten gingenProgesteronrezeptor-positive Signale im gesamten Untersuchungszeitraum aus, sie waren jedoch am 60., 75. und 110. Tag p.ov. stärkerausgeprägt. Im Myometrium waren bei allen Proben Progesteronrezeptoren zu verzeichnen, in der Gefäßschicht konnten sie in erster Linieden Arterien zugeordnet werden.
Die vorliegenden Ergebnisse belegen die hormon- bzw. zyklusabhängige Regulation der Östrogen- undProgesteronrezeptorkonzentrationen. Sie zeigen darüber hinaus, daß die Aufregulierung der Steroidhormonrezeptoren am Ende desDiöstrus und Beginn des Anöstrus unter einer anderen hormonellen Konstellation erfolgt als im Östrus.
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