Artenwissen als Basis für Handlungskompetenz zur Erhaltung der Biodiversität : analysiert am Beispiel repräsentativer Biologieschulbücher in Baden-Württemberg (Zeitraum 1950 - 2004)

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Bezogen auf den Rückgang der Biodiversität und das mangelnde Artenwissen in der Bevölkerung wurde der Frage nachgegangen, ob es einen ursächlichen Zusammenhang zwischen der Darstellung der Arten und dem damit zu vermittelnden Artenwissen in Biologieschulbüchern und der mangelnden Handlungskompetenz in der Bevölkerung gibt und inwieweit lernpsychologische Aspekte hierbei eine Rolle spielen. Um Handlungskompetenz für die Erhaltung heimischer Kulturlandschaft zu erlangen, genügt es nicht, Wissen über Wildpflanzen und Wildtiere, sondern auch Wissen über Nutzpflanzen und Nutztiere zu erlangen sowie die Zusammenhänge zwischen Landbewirtschaftung und Kulturlandschaft, Verbraucherverhalten und Lebensstil, Ernährung und Gesundheit aufzuzeigen. Innerhalb des Lernprozesses zur Erlangung von Handlungskompetenz für die Erhaltung von Biodiversität ist das Artenwissen ein wichtiger Teil, in dem am Anfang das Kennen lernen der Arten, am Ende das Wissen um den ökologischen, ökonomischen und gesellschaftlich kulturellen und sozialen Wert von Ökosystemen und die notwendige Handlungskompetenz zur Erhaltung von Biotopen und deren Biodiversität steht. Mit der Untersuchung wird aufgezeigt, dass die Grundlagen der Lernpsychologie weder in den Lehr- und Bildungsplänen, noch in den Biologieschulbüchern der Sekundarstufe I umfassend Berücksichtigung fanden bzw. finden. Die Identifikation lernpsychologischer Schritte in den Lehr- und Bildungsplänen für das Fach Biologie ist jedoch schwierig, denn sie überlappen sich mit naturwissenschaftlichen Arbeitsweisen, die im Biologieunterricht auch vermittelt werden sollen. Unter Anwendung einer Vielzahl von Einzelparametern wurde am Beispiel Arten in Biologieschulbüchern aufgezeigt, dass sich die Darstellung der Arten im Untersuchungszeitraum (1950 - 2004) verändert hat. Besonders auffällig ist die Abnahme der Artennennungen und Darstellungen um mehr als 50%. Doch zur Erlangung von Handlungskompetenz für den Schutz der Biodiversität ist nicht allein die Anzahl der dargestellten Arten entscheidend, sondern die Form der Darstellung im ökosystemaren Kontext. Auf der Basis des Kompetenzstufenmodells der PISA - Studie kann mit der Darstellung der Arten in den Biologieschulbüchern nur Kompetenzstufe I und II partiell Kompetenzstufe III - erlangt werden, für Handlungskompetenz sind jedoch die Kompetenzstufen IV und V erforderlich. In Bezug auf Artenwissen bedeutet dies: Die Schüler erlangen hauptsächlich Kenntnisse über Tier- und Pflanzenarten. Zudem werden vereinzelt Informationen über ökologische Zusammenhänge, Ordnungskriterien und lebensräumliche Aspekte vermittelt (nominelle und funktionale Grundbildung; zum Teil unter Verwendung von naturwissenschaftlichem Grundwissen). Bewertung und Beurteilung von Arten im lebensräumlichen Kontext sowie Anwendungsbeispiele (konzeptuelle und prozedurale naturwissenschaftliche Grundbildung) finden sich nur selten. Somit ist eine durchgehende Darstellung von Arten zur Vermittlung von konzeptueller und prozeduraler naturwissenschaftlicher Grundbildung in Bezug auf Artenwissen nicht gegeben. Besonders deutlich wird dieser Sachverhalt am Beispiel des Lebensraums Wiese - einem durch Veränderungen in der Landwirtschaft hochgradig gefährdeten Lebensraum der Kulturlandschaft. In dieser Arbeit werden Vorschläge entwickelt, welche Aspekte bei der Vermittlung von Wiesenkompetenz unabdingbar sind, der lernpsychologischen Schrittfolge entsprechen und sich am systemischen Lernen orientieren. Denn systemisches Lernen und Denken ist die Voraussetzung für dauerhaften Lernerfolg und die Erlangung von Handlungskompetenz für den Schutz unserer Biodiversität. Weiterhin werden Forderungen sowohl an die Bildungsforschung, die Lehrerausbildung und die Lehrplankommissionen, als auch die Schulbuchverlage und Schulbuchautoren sowie an Schulen und Lehrkräfte gestellt, wie systemisches Lernen und Denken auf allen Bildungsebenen zu verankern ist.

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