Eine Metaanalyse von Datenbankauszügen der Landesanstalt für Umweltschutz Baden-Württemberg wurde vorgenommen über die 1985-93 auf 63 Wald-Dauerbeobachtungsflächen des Ökologischen Wirkungskatasters gefangenen streu- und bodenbewohnenden Collembolen. Die Untersuchung erstreckte sich auf für die Naturräume des Landes repräsentative, naturnahe Altwälder in ganz Baden-Württemberg. Mit Bodenproben waren über 111.000 Springschwänze aus ca. 120 Arten erfasst worden.
Die Collembolenzönosen der baden-württembergischen Waldböden bilden ein Kontinuum entlang mehrerer Gradienten: Waldgesellschaft, Boden (Bodenart, Basen- und Nährstoffgehalte), Klima (vermittelt vor allem durch die Höhe ü. NN) und geographische Lage. Eine deutliche Differenzierung ergibt sich zwischen eu- und oligotraphenten Waldgesellschaften, besonders zwischen eutraphenten Laubwäldern und den oligotraphenten Nadelwäldern. Die Ursachen hierfür dürften neben der vertikalen Zonierung Unterschiede der Streuzusammensetzung und der Abbauwege (bakterielle bzw. pilzliche Zersetzung) sein. Differenzen zeigen sich auch in der Collembolenfauna der Landesteile. Dies kann einerseits auf die naturräumliche Gliederung zurückgeführt werden, andererseits sind historische Faktoren zu vermuten wie die unterschiedliche Herkunft der einzelnen Arten und die Kolonisation des Gebietes seit der letzten Eiszeit.
Die mittlere Artenzahl je Dauerbeobachtungsfläche beträgt 35. Sie ist positiv mit der Höhe über NN, der Jahresniederschlagssumme, dem Humusgehalt und der mikrobiellen Biomasse korreliert, negativ mit der Jahresmitteltemperatur. In den Gemeinschaften dominieren wenige Taxa, die als Generalisten einzustufen sind: Isotoma notabilis, die Tullbergia krausbaueri-Gruppe, Isotomiella minor, Folsomia quadrioculata und manolachei, Lepidocyrtus lignorum, Onychiurus armatus s.str. und Megalothorax minimus. Sie zeigen zwar z.T. signifikante Korrelationen zu Umweltvariablen, kommen aber in hoher Dichte fast über das gesamte Standortspektrum vor. Die Evenness nimmt von den eutraphenten Laubwäldern zu den oligotraphenten Nadelwäldern ab. Sie ist negativ mit der Collembolen-Gesamtabundanz korreliert.
Es besteht eine positive Beziehung zwischen lokaler Abundanz und Verbreitung (Zahl der Fundorte) der Collembolenarten im Untersuchungsgebiet. Die Relation ist allerdings nicht eindeutig. Seltene Arten weisen stets geringe lokale Individuendichten auf; unter den weit verbreiteten Taxa kommen manche in hohen, andere in niederen Abundanzen vor.
Die gefangenen Tiere gehören fast alle dem euedaphischen oder dem hemiedaphischen Lebensformtyp an. Der Anteil der Euedaphischen steigt mit der Höhe über NN und den Jahresniederschlägen. Die hemiedaphischen Taxa dominieren unter wärmeren und trockeneren Bedingungen im Tiefland.
Die höchsten Gesamtabundanzen wurden in den höher gelegenen Gebieten der südlichen Landeshälfte gefunden. Es besteht eine negative Beziehung zum Jahresmittel der Temperatur. Oligotraphente Waldgesellschaften mit Moderhumus weisen signifikant höhere Collembolendichten auf als eutraphente auf Mull. Die Gesamtabundanz unterliegt sehr starken Fluktuationen, eine ausschlaggebende Bedeutung der Bodenfeuchte ist zu vermuten. Je ausgeprägter die Dichteschwankungen, desto größer sind die Unterschiede in der Dominanzstruktur zwischen den Jahren. Zusammenhänge mit anthropogenen Störungen sind nicht zu erkennen. Im Frühjahrsaspekt dominieren stets hemiedaphische Taxa, im Herbst überwiegen meist die euedaphischen Formen.
Zahlreiche Fälle von Vikarianz und Gruppen häufig gemeinsam auftretender Arten konnten festgestellt werden. Als Ursache sind hierfür in erster Linie ähnliche Reaktionen auf Standortparameter zu sehen. Interaktionen zwischen den Taxa dürften von untergeordneter Bedeutung sein.
Die Diskussion greift den Einsatz von Springschwänzen im passiven Biomonitoring auf. Es bestehen zwar zahlreiche signifikante Korrelationen zwischen den Artenabundanzen und verschiedensten Umweltvariablen, die Beziehungen sind aber aufgrund einer hohen Wertestreuung nicht eng. Deshalb sind quantitative Schlüsse aus Collembolenabundanzen in Waldböden auf die Standortparameter mit einer erheblichen Unsicherheit behaftet. Abundanz- und Dominanzdynamik der Collembolengemeinschaften hängen sehr stark von der Witterung und Schwankungen des Mikroklimas ab. Gerichtete Entwicklungen, bedingt z.B. durch eine Versauerung des Bodens, können dadurch kaschiert werden.
Der Arbeit ist ein Ergänzungsband angefügt, der Verbreitungskarten und ausführliche Angaben zur Autökologie der auf den Wald-Dauerbeobachtungsflächen in Baden-Württemberg aufgefundenen Collembolenarten enthält, dazu eine Liste aller im Land und angrenzenden Gebieten nachgewiesenen Taxa mit zugehörigen Literaturquellen. Für Baden-Württemberg sind derzeit 260 Arten als nachgewiesen, weitere 34 als zweifelhaft verzeichnet.
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