Analyse rechtsmedizinischer Obduktionsdaten mittels eines digitalen Datenbankensystems unter besonderer Berücksichtigung chemisch-toxikologischer Befunde

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Die retrospektive Studie wertet die Obduktionsergebnisse des Instituts für Rechtsmedizin der Justus-Liebig-Universität Gießen über einen Fünfjahreszeitraum von 2002 bis 2006 aus. Dazu wurden Obduktionsberichte, Archivunterlagen, chemisch- toxikologische Analysen und histologische Untersuchungen gesichtet. Mit dem eigens zu diesem Zweck entworfenen Datenbanksystem wurde neben demographischen Daten u.a. Todesart und Todesursachen sowie Ergebnisse weiterführender Untersuchungen erfasst.Das untersuchte Kollektiv der 1544 Verstorbenen war im Durchschnitt 47,6 Jahren alt und bestand zu 66,5 % aus männlichen und zu 33,5 % aus weiblichen Verstorbenen. 47,2 % hiervon starben eines nicht-natürlichen und 39,6 % eines natürlichen Todes. Bei 13,2 % blieb die Todesart unklar. Die nicht-natürlichen Todesursachen wurden mit 28,8 % von stumpfer Gewalt und mit 28,7 % von Vergiftungen dominiert, vor Ersticken mit 7,1 %, Schussverletzungen mit 5,9 % sowie scharfer Gewalt mit 5,8 %. Bei den natürlichen Todesfällen herrschten kardiovaskuläre Todesursachen mit 59,6 % vor. Es folgten todesursächliche Erkrankungen des zentralen Nervensystems (10,0 %), im Respirationstrakt mit 5,9 %, der plötzliche Kindstod (5,7 %) sowie letale gastrointestinale Erkrankungen (5,6 %). Bei den 235 Vergiftungen dominierten Mischintoxikationen mit 34,0 % vor Intoxikati-onsverdachtsfällen (22,6 %), Kohlenmonoxidvergiftungen (10,2 %), Opiatintoxikationen (11,9 %), Alkoholintoxikationen (8,5 %) und Arzneimittelintoxikationen (6,8 %). Neben Ethanol (n=318) wurden insbesondere Opiate (n=62), Benzodiazepine (n=58) und trizyklische Antidepressiva (n=54) im Leichenblut gefunden.In Abhängigkeit von der Intensität der Diagnostik, d.h. vom makroskopischem Obduk-tionsergebnis, chemisch-toxikologischen Analysen, Histologie von Organproben der wichtigsten inneren Organe, wurde das Potential weiterführender rechtsmedizinischer Untersuchungen zur Aufklärung der Todesursache im Einzelfall deutlich. Die Aufklärungsrate reichte von 66 % bei alleiniger Obduktion bis zu 98 % bei Kombination von Obduktion, Toxikologie und Histologie. Zwischen dem außerordentlich hohen Potential und der tatsächlichen Ausschöpfung dieser Möglichkeiten (ausführliche toxikologische Untersuchungen in 25,2 % und histologische Untersuchungen in 6,3 % der Fälle) zeigte sich eine erhebliche Diskrepanz.

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