Die Heilungsrate der akuten myeloischen Leukämie (AML) im Patientenkollektiv der über 60-Jährigen beträgt trotz intensiver Chemotherapie bis dato weniger als 10 %. Alternativen zu herkömmlichen onkologischen Therapiekonzepten, die eine effizientere Therapie sowie höhere Spezifität und eine damit einhergehende geringere Toxizität versprechen, steigen daher in ihrer Relevanz. Besonders die Therapie mit monoklonalen Antikörpern im Rahmen einer onkologischen Immuntherapie, vermag den vorgestellten Anforderungen an eine effektive und zielgerichtete AML-Therapie gerecht zu werden. Die AML wird als polygenetische und polymorphe Erkrankung mit aktuell noch unbekannten Oberflächenmolekülen charakterisiert, weshalb sie eine aussichtsreiche Basis für die Entwicklung einer antikörperbasierten Immuntherapie bietet. Das Ziel vorliegender Arbeit ist die Generierung AML-spezifischer Antikörperfragmente mit Hilfe der Phage-Display-Technologie. Diese stellt die aktuell erfolgreichste Methode zur Herstellung rekombinanter Antikörper in vitro dar. Durch eine neu in unserer Arbeitsgruppe etablierte Methode, die On-Slide Selektion direkt auf Formalin-fixiertem in Paraffin-eingebettetem Patientenmaterial (Knochenmarkstanzen eines an AML-erkrankten Patienten, n=1), wurden aus den semi-synthetischen, humanen scFv-Antikörpergenbibliotheken Tomlinson I und J AML-relevante Binder isoliert. Die On-Slide Selektion beinhaltet neben dem Vorteil auf nativen Antigenen direkt in ihrem physiologischen Gewebeverbund zu selektionieren, auch einen geringeren Vorbereitungsaufwand des Ausgangsmaterials im Vergleich zu standardisierten Selektionsverfahren. Als Ausgangsmaterial dienten archivierte Beckenkammtrepanate, die zur routinemäßigen Diagnosestellung AML-Patienten entnommen wurden. Es gelang, vier scFv-Antikörper zu isolieren, deren funktionale Bindeaffinität mittels ELISA und durchflusszytometrischen Analysen auf Zellen der AML-Zelllinie Kasumi-1 nachgewiesen werden konnte. In weiteren Charakterisierungsschritten mit drei selektionierten Antikörpern konnte eine Bindeaktivität auf ex vivo Materialen (FFPE-Gewebe, AML-Knochenmarksstanzen) in der Immunhistochemie und in der Immunfluoreszenz ebenfalls bestätigt werden. Diese aussichtsreichen Resultate lassen auf einen potentiell diagnostischen und therapeutischen Einsatz der selektionierten Antikörper nach einer erfolgreichen Antigenidentifikation, sowie auf eine generelle Etablierung der On-Slide Selektion zur Generierung spezifischer Antikörper gegen jedes beliebige Antigen hoffen.
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