Bedeutungsdimensionen und multisensorische Wahrnehmung : Geschlechtsunterschiede bei der Bewertung von Lebensmitteln und elektrophysiologische Hirnaktivität
In dieser Doktorarbeit konnte dargestellt werden, dass anhand der Technik des semantischen Differentials neben den drei von Osgood postulierten Dimensionen E,P und A noch Faktoren dargestellt werden konnten, welche die sensorischen Modalitäten repräsentieren. Zudem konnten wir aufzeigen, dass diese Technik gut dafür geeignet ist, multimodale Verarbeitungsprozesse zu untersuchen. Anhand einer Fragebogenstudie mit 795 Versuchspersonen wurden 197 Lebensmittelworte (aus 15 Lebensmittelklassen) anhand von 17 Gegensatzpaaren und siebenstufigen Ratingtabellen bewertet. Durch Faktoren- Analyse konnte neben den bekannten Faktoren E und P eine neue Dimension Textur gefunden werden. In diese Texturdimension konnte zum einen die Konsistenz im Sinne der Qualität, also des wie fühlt es sich an? dargestellt werden. Zum anderen beinhaltete diese Dimension auch Informationen über die visuelle Oberflächentextur. Gerüche erschienen in keiner eigenen Dimension, sondern wurden durch die Dimension Evaluation repräsentiert. Dies bestätigte einmal mehr die enge Verknüpfung zwischen Gerüchen und Emotionen und Bewertungen. Zudem zeigten sich Unterschiede zwischen den Männern und Frauen beim bewerten der Lebensmittelklassen. Frauen differenzierten genauer zwischen den einzelnen Lebensmittelklassen im Vergleich zu den Männern und es zeigte sich eine Tendenz für ein stärkeres Gesundheitsbewusstsein der Frauen.In unserer EEG- Studie mit 40 Probanden (20 männliche, 20 weibliche) wurden den Probanden ein 30- Kanal- EEG abgeleitet, während Ihnen eindeutige Lebensmittel- Wortstimuli der sechs Reizklassen (E+, E-, P+, P-, T+ und T-) visuell präsentiert wurden. Es wurden für jeden Probanden die evozierten Potentiale der sechs Reizklassen aufgezeichnet. Zudem wurden Potentialkarten für jede Reizklasse und jeden Probanden erstellt. Dabei konnten ähnliche Potentialverteilungen über bestimmte Zeitintervalle festgestellt werden. Anhand der GFP konnten 11 Komponenten zwischen 80 und 986ms gefunden werden, in welchen jeder Proband für jede Reizklassenbedingung ein GFP- Maximum aufweisen konnte. Wir konnten zum einen bestätigen, dass die semantische Bedeutungsdimension schon einen sehr frühen Einfluss auf die neuronalen Verarbeitungsprozesse hat, nämlich ab einem Zeitpunkt von 80ms nachdem der Stimulus auf dem Bildschirm erschienen war. Neu war, dass sich geschlechtsabhängige Lateralisierungs- Effekte schon zu frühen Komponenten darstellen ließen. Folglich aktivierten Männer und Frauen für die Verarbeitung der unterschiedlichen semantischen Dimensionen schon auf der visuellen Ebene unterschiedliche neuronale Netzwerke. In den mittleren Komponenten zwischen 229 und 480ms zeigten die Frauen in jeder Komponente die höheren GFP- Werte. Dabei hielten wir bei diesen signifikanten Effekten einen globalen Unterschied zwischen Männern und Frauen als unwahrscheinlich, da die signifikanten Effekte in den Komponenten 393 (abhängig vom Faktor) und 480 (abhängig von der Polarität) zusätzlich von einer semantischen Bedingung abhängig waren. In den späten Komponenten zeigten sich v.a. topographische Effekte in Abhängigkeit des Geschlechts. Dabei konnten v.a. signifikante Geschlechts- Reizklasseninteraktionen dargestellt werden. Durch diese Arbeit konnten wir aufzeigen, dass es bei Männern und Frauen zu unterschiedlicher neuronaler Hirnaktivität bei der Verarbeitung von Lebensmittel- Wortstimuli in Abhängigkeit der semantischen Bedeutungsdimension kommt- und dies sowohl zu frühen, als auch zu späten Komponenten.
Verknüpfung zu Publikationen oder weiteren Datensätzen