Tierschutzgerechtes Reiten auf Pferdesportveranstaltungen mit dem Schwerpunkt Dressur der Klassen M und S

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Das Pferd wird heute v. a. bei der Ausübung des Hobbys Reiten genutzt. Die Deutsche Reiterliche Vereinigung hat bereits 2014 zum Thema pferdegerechtes Reiten einen Beurteilungskatalog für sportliche Veranstaltungen herausgegeben, anhand dessen nicht pferdegerechtes Reiten detektiert werden kann. Ziel dieser Studie war eine objektive Beurteilung der aktuellen Situation auf nationalen Turnieren mit dem Schwerpunkt Dressur der hohen Klassen im Hinblick auf tierschutzgerechtes Reiten. Ermittelt werden sollte der prozentuale Anteil an Reiter-Pferd-Kombinationen, die ein von dem gewünschten Bild abweichendes Verhalten zeigten, der Zusammenhang zwischen den reiterlichen Einwirkungen und dem Stress des Pferdes, der Zusammenhang zwischen dem Stress des Pferdes und möglichen Wertungsergebnissen sowie das Verhalten der verantwortlichen Personen im Hinblick auf möglicherweise nicht pferdegerechtes Reiten vor Ort.Es wurden insgesamt 101 Reiter-/Pferdekombination auf neun verschiedenen Turnieren über eine Zeitspanne von elf Minuten ausgewertet, wobei lediglich 11,9 % der Reiter männlich waren. Ein geschlechtsabhängiger, signifikanter Zusammenhang konnte lediglich bei dem Einsatz der Gerte verzeichnet werden. 86,1 % der Reiter ritten zumindest temporär in Hyperflexion, wobei 14 Reiter ihr Pferd überhaupt nicht und immerhin sieben Reiter für die komplette Beobachtungszeit in Hyperflexion ritten. Zwischen der Hyperflexionszeit speziell (p < 0,001), aber auch zwischen dem Maß der reiterlichen Einwirkungen generell (p < 0,001, Gerte, Sporen, Zügelhilfen, Hyperflexionszeit) und dem Stresslevel der Pferde besteht ein hochsignifikanter Zusammenhang. 57 Reiter/Reiterinnen zeigten einen auffälligen und hiervon fünf Reiter einen nicht-pferdegerechten reiterlichen Einfluss. Durch die Einteilung des Stresslevels in einen sog. Stress Score wurde deutlich, dass immerhin 13 Pferde Anzeichen für hochgradigen Stress zeigten, der sowohl unabhängig vom Alter der Pferde und deren Geschlecht als auch von der Abreitdauer, der Wiederholung schwerer Lektionen, der Außentemperatur, der Luftfeuchtigkeit oder der Anzahl der Pferde/qm Reitplatz war. Die Wertung der Richter zeigt einen signifikanten Zusammenhang zum erhobenen Stress Score der Pferde während des Abreitens. Zusammenfassend konnten sowohl die reiterlichen Einwirkungen als auch die gezeigten Stressanzeichen der 101 Pferde primär als pferdegerecht beurteilt werden. Den größten Einfluss auf den Stress Score der Pferde hat das Maß der reiterlichen Einwirkungen. Die Tatsache allerdings, dass 44 Reiter pferdegerechte reiterliche Einwirkungen zeigten und hiervon bei 24 Pferden ein unauffälliger Stress Score festzustellen war, zeigt, dass sich Tierschutz und anspruchsvoller Pferdesport nicht zwingend ausschließen müssen.Diverse Stressanzeichen der Pferde nahmen unter der Hyperflexion signifikant zu und 86,1 % der Reiter ritten zumindest temporär in Hyperflexion. Aufgrund dieser Ergebnisse ist eine gezielt herbeigeführte und länger anhaltende Hyperflexion der Pferde aus Tierschutzgründen abzulehnen. Der Kriterienkatalog der FN ist anwendbar und verständlich, wird allerdings durch Richter und Veranstalter nicht umgesetzt. Bei allen 101 beobachteten Reitern wurde keine Reglementierung beobachtet. Aufgrund der vorliegenden Ergebnisse und insbesondere im Hinblick auf die enorm hohe Abwesenheitsfrequenz der Richter auf den Vorbereitungsplätzen (64 %), scheinen Vor-Ort-Kontrollen durch Amtstierärzte zur Überwachung des tierschutzkonformen Umgangs mit Pferden und eine Intensivierung der verbandseigenen Kontrollen unerlässlich. Wie die vorliegende Studie zeigt, sichern die Pferdesportverbände derzeit intern nicht das tierschutzgerechte Reiten, wie es von der Öffentlichkeit gefordert wird. Reiter sollten durch die Anwesenheit und die Reglementierung von Richtern und Amtstierärzten in Richtung tierschutzgerechtes Reiten sensibilisiert werden.

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Erstpublikation in

Giessen : VVB Laufersweiler Verlag

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