Alltäglich führen wir mühelos Zeigebewegungen zu Bewegungszielen in unserem Umfeld aus, beispielsweise wenn wir den Touchscreen unseres Telefons berühren, um einen Anruf anzunehmen. Um eine Zeigebewegung auszuführen und unsere Hand zu der gewünschten Position zu bewegen, erstellt unser Gehirn einen Bewegungsplan. Dieser Bewegungsplan erfordert unter anderem eine Transformation eingehender visueller Informationen in motorische Signale, die an die Muskeln gesendet werden. Ein frontoparietales Netzwerk für Zeigebewegungen ist entscheidend an der Bewegungsplanung beteiligt. Das Netzwerk umfasst den dorsalen prämotorischen Cortex (PMd) und Areale im posterioren parietalen Cortex (PPC). Es ist bisher weitgehend unklar, wo im frontoparietalen Netzwerk die Transformation visueller Informationen in motorische Signale stattfindet. Das erste Ziel dieser Arbeit war es daher, zu untersuchen, ob die Areale des frontoparietalen Netzwerks eine visuelle oder motorische Repräsentation des Bewegungsziels aufrechterhalten. Hierfür wurde eine funktionelle Magnetresonanztomographie (fMRT)-Studie durchgeführt, in der Probanden einen visuellen Reiz dargeboten bekamen und nach einem Bewegungsplanungsintervall eine Zeigebewegung ausführten. Ein Bewegungsplanungsintervall zwischen der Präsentation des visuellen Reizes und der Bewegungsausführung ermöglicht es, die Bewegungsplanung zu isolieren und die planungsspezifischen Gehirnaktivierungen zu messen. Die anschließende Zeigebewegung wurde entweder zu der Position des visuellen Reizes ausgeführt oder zu der achsengespiegelten Position des Reizes. Diese Aufgabe erlaubt es, die motorische Repräsentation des Bewegungsziels von der sensorischen Repräsentation des visuellen Reizes zu dissoziieren. Zudem manipulierten wir, ob während des Planungsintervalls das Bewegungsziel voll spezifiziert oder unterspezifiziert war. So konnte die zweite Fragestellung dieser Arbeit untersucht werden, nämlich wie unterspezifizierte Bewegungsziele im frontoparietalen Netzwerk für Zeigebewegungen repräsentiert sind, und ob auch ein Bewegungsplan erstellt wird, wenn das Bewegungsziel unterspezifiziert ist. In der ersten Studie nutzten wir univariate Analysen der fMRT-Daten. Während der Bewegungsplanung zeigten sich frontoparietale Aktivierungen, im PMd und in Arealen des PPC, wie dem superioren Parietallappen (SPL) und dem anterioren Sulcus intraparietalis (aIPS). Innerhalb dieses Netzwerks hielt der linke SPL das Bewegungsziel aufrecht. Wenn das Bewegungsziel unterspezifiziert war, waren nur (posteriore) parietale Areale aktiviert, allerdings mit geringerer Aktivierungsstärke. In der zweiten Studie wurden die neuronalen Aktivierungsmuster weiterer frontoparietaler Regionen desselben Datensatzes mittels sensitiverer multivariater Analysen untersucht. Die Ergebnisse für die spezifizierten Bedingungen zeigten, dass frontoparietale Areale im PMd und SPL vorrangig das Bewegungsziel repräsentieren. Wenn das Bewegungsziel nicht spezifiziert war, war die Position des visuellen Reizes im PMd repräsentiert. Zusammengefasst zeigen die Ergebnisse, dass frontoparietale Areale bereits während der Bewegungsvorbereitung eine motorische Repräsentation des Bewegungsziels aufrechterhielten. Dies war auch der Fall in Arealen, die anatomisch nahe dem visuellen Cortex und damit früh im visuell-motorischen Verarbeitungspfad lokalisiert sind. Die Ergebnisse unterstreichen die Rolle des frontoparietalen Netzwerks für die Aufrechterhaltung und, möglicherweise, den Aufbau eines Bewegungsplans. Solange das Bewegungsziel unklar ist, hielt der PMd eine sensorische Repräsentation des visuellen Reizes aufrecht, während Areale im PPC eine vorbereitende Aktivierung ohne räumliche Repräsentation aufwiesen. Die Befunde legen nahe, dass keine vollständige Bewegungsplanung stattfindet, wenn das Bewegungsziel nicht spezifiziert ist.
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