Mit der kontinuierlich steigenden Lebenserwartung der Bevölkerung hat die Osteoporose als häufigste metabolische Knochenkrankheit zusehends an Bedeutung gewonnen. Trotz der beträchtlichen Zahl an Untersuchungen zur Prävalenz und Pathophysiologie der Osteoporose sind die zugrunde liegenden Ursachen noch nicht ausreichend erforscht. Dies gilt in besonderem Maße für die Osteoporose des Mannes.
In unserer Untersuchung wurden insgesamt 302 Männer (13 bis 87 Jahre) aus dem Patientengut einer orthopädisch-osteologischen Facharztpraxis betrachtet. Jeder von ihnen wurde körperlich untersucht. Weiterhin wurde eine detaillierte und standardisierte Anamnese erhoben. Von allen Patienten wurden Röntgenbilder der Brust- und Lendenwirbelsäule erstellt und beurteilt. Die Knochendichte wurde mit der DXA-Osteodensitometrie an der Lendenwirbelsäule und am proximalen Femur bestimmt.
Die Patienten wurden anhand der gemessenen Knochendichte an Lendenwirbelsäule und Schenkelhals in je drei Gruppen eingeteilt. Gruppe I bildeten 38 Patienten mit einer Osteopenie. Gruppe II entsprach 55 Patienten mit einer mäßigen Osteoporose. Gruppe III setzte sich aus 76 Patienten mit einer ausgeprägten Osteoporose zusammen. Die Gruppen wurden miteinander bezüglich der Serumkonzentrationen der Sexualsteroidhormone Testosteron und 17beta-Östradiol verglichen. In einem weiteren Auswertungsschritt wurde der direkte Zusammenhang der erhobenen Knochendichtewerte mit den dazugehörigen Hormonspiegeln untersucht.
Die Gruppen waren hinsichtlich der Östradiolspiegel signifikant unterschiedlich. Die Patienten in der Gruppe mit der niedrigsten Knochendichte an der Lendenwirbelsäule wiesen auch die niedrigsten Werte an Östradiol auf. Auch bezüglich der direkten Korrelation der Knochendichte mit den Östradiolspiegeln ergab sich für den Messbereich der Lendenwirbelsäule ein signifikanter Zusammenhang. Für den Messbereich des Schenkelhalses fand sich lediglich bei der Betrachtung der Gruppenunterschiede zwischen der Osteopenie-Gruppe und der Gruppe der Patienten mit ausgeprägter Osteoporose ein Unterschied. Die Betrachtung der Testosteronwerte an den Messorten Lendenwirbelsäule und Schenkelhals erbrachte keinen Unterschied zwischen den Gruppen.
Unsere Ergebnisse zeigen, dass die typische hypogonadiale männliche Osteoporose mit einem Östradiolmangelgeschehen einherging. Das Östradioldefizit scheint hauptsächlich eine Osteoporose des Achsenskelettes zu verursachen. Wir führen dies auf eine vorwiegend antiresorptive Wirkung des Östradiols am trabekulären Knochen des Wirbelkörpers zurück. Der Schenkelhalsbereich des Femurs war in unserer Untersuchung in geringerem Maße von Knochenschwund betroffen.
Wir halten die therapeutische Gabe von Östradiol im Sinne einer Substitutionstherapie zur begleitenden Behandlung der relevanten Osteoporose des Mannes für möglich und sinnvoll.
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