Die Therapieoption der chronischen Analfissur : eine retrospektive multicentrische Studie
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Zusammenfassung
Die Ätiopathogenese der Analfissur ist noch nicht völlig geklärt. Bei der Entstehung einer Analfissur handelt es sich um ein polyätiologisches Geschehen, auf das unter anderem verschiedene Faktoren einen erheblichen Einfluss haben. Als Leitsymptom der Analfissur steht der defäkationsabhängige Schmerz, welcher Minuten bis Stunden anhalten kann, im Vordergrund. Bei der chronischen Analfissur kann im Rahmen einer perianalen Dermatitis ein quälendes Juckreizgefühl auftreten. Eine optimale Therapie der chronischen Analfissur ist gegenwärtig nicht etabliert. Die bisherigen Verfahren finden nur in gewissen Prozentsätzen gute Resultate. Zur Evidenzverbesserung führten wir hierzu eine retrospektive multicentrische Studie in den folgenden Zentren durch: Universitätsklinikum Gießen, Enddarmzentrum Mittelhessen.Den Ergebnissen dieser Arbeit zur Folge, kann die in der Literatur bereits gemachte Beobachtung bestätigt werden, dass Therapieverfahren bzw. Medikamente, welche den lokalen Blutfluss wieder erhöhen, mit einer besseren Heilung einhergehen. Diese Resultate widersprechen somit den von Nelson 2004 und 2006 publizierten Daten, wonach hinsichtlich der Langzeitergebnisse konservative Methoden nicht an die chirurgische Sphinkterotomie heran kommen und Botulinumtoxin-A keine Wirksamkeit im Vergleich zu einem Placebo aufweisen soll [49, 50]. Nachschmieren des Stuhls ließen sich bei 5 von 16 Patienten unter reiner Botox-Behandlung beobachten. Diese Art der temporären Inkontinenz wurde schon früher in der Literatur beschrieben und kann von uns bestätigt werden. Langzeitergebnisse liegen uns diesbezüglich nicht vor. In einer 2008 publizierten Pilotstudie konnte die hohe Kurzzeitabheilungsrate der Kombination von Fissurektomie mit Diltiazem bzw. Botulinumtoxin-A demonstriert werden, wobei man keine Unterschiede zwischen der 8 wöchigen topischen Applikation von Diltiazem und der Injektion von Botulinumtoxin-A in den Sphinkter finden konnte. Demnach soll dieses Vorgehen geeignet sein, um die chronische, vorher rein konservativ behandelte Analfissur ohne jedwede Art von Rezidiven zu therapieren; Spätrezidive sind jedoch beschrieben. Zu ähnlichen Ergebnissen kamen 2010 von Patti et al. und eine 2009 von Aivaz et al. veröffentlichte Studien [55, 3]. Die Beobachtungen vorangegangener Arbeiten können wir insofern bestätigen, als dass wir höhere postoperative Werte für den CCS-Score (OP/Botox), die Vitalität (OP/Botox) und die emotionale Rollenfunktion (OP/Botox, Botox/OP) klar finden konnten, wohingegen beispielsweise das Schmerzniveau nach der Sequenz OP/Botox schlechter war als bei den übrigen Modalitäten. Die Wirksamkeit der Botox-Injektion als Therapie der Analfissur konnte statistisch belegt werden. Tendenziell kann man aber feststellen, dass im Vergleich zu der Monotherapie die Kombinationstherapie OP/Botox mit einem besseren postoperativen CCS-Score, Vitalität und emotionaler Rollenfunktion abschneidet, so dass man diese Variante als alternative Therapiestrategie betrachten kann. In der Literatur wird die Kombinationstherapie Botox-Injektion mit Fissurektomie trotz leicht geringerer Abheilungsrate im Vergleich zu Patienten mit lateraler Sphinkterotomie als first-line-Therapie postuliert, da mit diesem Vorgehen eine definitive Inkontinenz vermieden werden kann. Die Kombinationstherapie hat zwar eine relativ hohe Rate an Spätrezidiven von ca. 50 Prozent, jedoch braucht von den auf diese Weise behandelten Patienten nur eine Minderheit eine invasivere chirurgische Therapie. Im Hinblick auf die unterschiedlichen Angaben aus der Literatur sind jedoch noch weitere randomisierte Studien und weitere Untersuchungen von Nöten, um die überlegene Wirksamkeit der Botox-Therapie zu untermauern.Verknüpfung zu Publikationen oder weiteren Datensätzen
Beschreibung
Anmerkungen
Erstpublikation in
Giessen : VVB Laufersweiler
