Einfluss von Größe, Gewicht und PTH - Level auf und Unterschiede in der Darstellbarkeit von Nebenschilddrüsenadenomen und -hyperplasien in der 99mTc-MIBI-SPECT
Ziel unserer Studie war retrospektiv im Zeitraum vom 12.07.2001 bis zum 15.02.2007 anhand einer Population von 68 Patienten am Zentrum für Nuklearmedizin der Justus Liebig Universität mögliche Einflussfaktoren auf die Sensitivität und Spezifität der 99mTc-MIBI-SPECT zu validieren. Hierzu wurde der Einfluss von Größe, Gewicht der erkrankten NSD, dem präoperativen PTH-Spiegel und der jeweiligen Lokalisation im 4-Quadranten Model untersucht. Die Analyse erfolgte unter Differenzierung zwischen Adenom und Hyperplasie, sowie der Fähigkeit der SPECT nur eine einzelne erkrankte Drüse zu erkennen und damit einen minimal-invasiven Therapieansatz zu ermöglichen. Zusätzlich wurden richtig positive Befunde hinsichtlich der Größe und des Gewichtes mit falsch negativen Befunden verglichen, mit dem Ziel eine Größen- und Gewichtsgrenze für die Darstellbarkeit in der 99mTc-MIBI-SPECT abschätzen zu können. Ebenfalls sollte ein alleiniger später Aufnahmezeitpunkt 2-3 Stunden p.i. hinsichtlich der Sensitivität mit der Literatur verglichen werden.Ergebnisse:Für die Darstellung von überaktivem NSD-Gewebe finden wir eine Sensitivität von 98,5 % und eine Spezifität von 100 %. Bezogen auf die Lokalisation im 4-Quadranten Modell ergeben sich eine Sensitivität von 71 % und eine Spezifität von 92 %. Betrachtet man die 4-Quadranten separat, so zeigt sich für rechts kranial eine Sensitivität von 58,1 %, für rechts kaudal von 86,7 %, für links kranial von 57,7 % und für links kaudal von 78,8 %. Kein Unterschied findet sich für die rechte Seite mit 72,1 %, im Vergleich zur linken Seite mit 69,5 %. Für ektope Lokalisationen ergibt sich die geringste Sensitivität mit 42,9 %. Speziell für Adenome zeigt sich eine Sensitivität von 89,5 %, für Hyperplasien von 58,6 % und solche Präparate im Übergangsstadium eine Sensitivität von 85,7 %. Mit unserem Kollektiv als repräsentative Stichprobe lässt sich eine positive Vorhersagewahrscheinlichkeit für die korrekte Lokalisation von 84,3 % berechnen. Eine EDK wird in unserem Kollektiv mit einer Sensitivität von 86,5 % und einer Spezifität von 71 % erkannt. Die positive Vorhersagewahrscheinlichkeit für eine EDK liegt bei 86,5%. Der Vergleich von Größe und Gewicht der richtig positiven und der falsch negativen Präparate erfolgt mit Hilfe des Kruskal-Wallis-Testes. Es findet sich ein signifikanter Gewichts- und Größenunterschied mit p<= 0,00001. Betrachtet man die Subgruppe der richtig erkannten Hyperplasien im Vergleich zu den übersehenen Hyperplasien, findet sich eine Signifikanz von p<=0,004 (Größe) und p<=0,00001 (Gewicht). Für die Subgruppe der Adenome erfolgte keine gesonderte Berechnung, da in unserer Population eine zu geringe Anzahl an falsch negativen Adenomen vorhanden ist. Anhand dieser Daten lassen sich sowohl eine Größen-, als auch eine Gewichtsgrenze berechnen, ab der eine Läsion mit 95 % Wahrscheinlichkeit erkannt wird. Diese liegt für eine gemischte Gruppe aus Adenomen und Hyperplasien bei ca. 1 g und ca. 2,00 cm und für Hyperplasien alleine bei ca. 0,8 g und 2,40 cm. Bezüglich des Zusammenhangs zwischen Darstellbarkeit in der SPECT und Höhe des präoperativen PTH-Spiegels konnte eine positive Korrelation der Sensitivität und Höhe des PTH Spiegels zwischen 150 bis 500 pg/ml festgestellt werden. Für Patienten, deren präoperativer PTH-Spiegel kleiner als 150 pg/ml ist findet sich eine Sensitivität von 81 %, für Werte zwischen 150-300 pg/ml eine Sensitivität von 92 % und für Werte zwischen 300-500 pg/ml eine Sensitivität von 100 %. Erstaunlicherweise sinkt die Sensitivität für Werte über 500 pg/ml wieder auf 63,2 % ab. Dabei fällt auf, dass 45/49 Präparaten über 500 pg/ml einer nEDK zugeordnet werden müssen. Im Bereich 300-500 pg/ml zeigen sich nur 3/9 Präparaten als nEDK, im Bereich 150-300 pg/ml nur 5/14 als nEDK und im Bereich < 150 pg/ml 7/16 als nEDK, weswegen wir als Ursache hauptsächlich histologische Unterschiede in Erwägung ziehen.Schlussfolgerung:Aus unseren Daten ließ sich sowohl ein Einfluss von Größe und Gewicht, als auch vom präoperativen PTH-Level und der Histologie der erkranken NSD auf die Sensitivität der 99mTc-MIBI-SPECT ableiten. Wir konnten im Vergleich zur Literatur eine klare Überlegenheit der Sensitivität der SPECT gegenüber statischen Verfahren inkl. der Subtraktionsszintigraphie feststellen. Der alleinige spätere Aufnahmezeitpunkt 2-3 Stunden p.i. wirkte sich in unserem Kollektiv nicht negativ auf die Sensitivität aus, bei deutlich erhöhtem Patientenkomfort und reduziertem ärztlichen Aufwand und somit gesteigerter Effektivität. Abschließend kann aus unseren Daten klar die 99mTc-MIBI-SPECT mit alleinigem spätem Aufnahmezeitpunkt 2-3 Stunden p.i. als primäres bildgebendes Verfahren bei HPT empfohlen werden. Eine Einschränkung besteht lediglich bei der exakten Lokalisation von Hyperplasien, welche in unserem Kollektiv nur mit einer Sensitivität von 58,6 % identifiziert werden konnten.
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