Nach Aussage der WHO ist Malaria weltweit die häufigste Infektionskrankheit und die Zahl der Menschen mit Diabetes mellitus wird in endemischen Ausmaßen weltweit zunehmen. Der Verlauf von Malaria bei Diabetes-Patienten ist jedoch bisher noch größtenteils unverstanden. Im Rahmen meiner Promotionsarbeit sollte daher der Verlauf von Malaria bei Patienten mit Diabetes mellitus im Zentral-Sudan untersucht werden. Die praktischen Arbeiten wurden während zwei Forschungsreisen in Wad-Medani im Zentral-Sudan in Kooperation mit dem lokalen Diabetes-Zentrum und Krankenhaus sowie dem Blue Nile Research Institute for Communicable Diseases durchgeführt. Es wurden Patienten rekrutiert, die an Malaria und Diabetes erkrankt waren (Gruppe A), die nur an Malaria erkrankt (Gruppe B) und die nur an Diabetes erkrankt waren (Gruppe C). Nach Patientenaufnahme wurde eine Anamnese mittels eines eigens erstellten Erhebungsbogens durchgeführt und Malaria- und Diabetes-spezifische Krankheitssymptome abgefragt. Neben den ärztlichen Untersuchungen zum allgemeinen Gesundheitszustand (Herzfrequenz, Blutdruck, Ermittlung des Body-Mass-Index) wurden Malaria-relevante (Körpertemperatur, Parasitämie, Hämoglobin-Konzentration, Leukozytenzahl) und Diabetes-relevante Messwerte (Blutglucose-Konzentration, HbA1c, Glucose und Aceton im Urin) erhoben. Neben den insgesamt 318 ambulant behandelten Patienten wurden 12 aufgrund der Schwere der Krankheit stationär aufgenommene Patienten über den Behandlungszeitraum von bis zu einer Woche verfolgt. Als Ergebnis lässt sich festhalten, dass Malaria bei Diabetes-Patienten einen komplizierteren Verlauf nimmt, als bei Stoffwechselgesunden. Die erhobenen Daten bestätigen somit den einzig anderen Datensatz dieser Art (Mohapatra 2001). Ein wichtiger Befund der hier vorliegenden Arbeiten ist, dass die Parasitämie bei Diabetes-Patienten statistisch signifikant geringer ist, als bei Stoffwechselgesunden. Darüber hinaus waren die Malaria-typischen Symptome, wie Fieber, Übelkeit und Erbrechen deutlich weniger bei Diabetes-Patienten ausgeprägt als bei Stoffwechselgesunden. Die beiden Todesfälle der Studie betrafen Patienten, die an Diabetes und an Malaria erkrankt waren. Übereinstimmend mit Mohapatra wurde somit eine erhöhte Todesrate bei Patienten mit Malaria und Diabetes festgestellt. Hauptgrund dafür war vermutlich das Auftreten von Komplikationen wie diabetische Ketoazidose und Multiorganversagen (Mohapatra 2001).Im zweiten Teil sollte ein in vitro-Assay zum Verhalten von P. falciparum in Abhängigkeit von ausgewählten Blutparametern mittels des Malstat-Assays etabliert werden. Es sollte die Frage beantwortet werden, ob Insulin einen Einfluss auf die Proliferation von Malaria-Parasiten haben kann. Weiterhin wurde der Einfluss von Glucose auf die Proliferation von P. falciparum gemessen. Als Ergebnis lässt sich festhalten, dass Plasmodien bei weniger als 2,8 mM Glucose im Medium im Wachstum limitiert sind. Ein Einfluss von Insulin auf das Parasitenwachstum konnte nicht festgestellt werden. Der Malstat-Assay eignet sich für Untersuchungen zum Einfluss von Diabetes-Medikamenten auf das Wachstum von Malaria-Parasiten. Aus ernährungswissenschaftlicher Sicht wurde die mangelnde Aufklärung der Diabetes-Patienten in der sudanesischen Bevölkerung über die Folgen und Spätfolgen von Diabetes als Problem identifiziert. Zukünftige Initiativen zur Diabetes- und Ernährungsberatung der afrikanischen und in der sudanesischen Bevölkerung sind dringend notwendig. Übergeordnetes Ziel meiner Promotionsarbeit war es, einen Beitrag zum besseren Verständnis der Malaria-Infektion bei Diabetikern zu liefern und damit langfristig deren Betreuungsqualität zu verbessern.
Verknüpfung zu Publikationen oder weiteren Datensätzen