Schizophrene Patienten zeigen Defizite in einer Reihe von psychologischen Untersuchungsverfahren kognitiver Prozesse. Es wird der Hintergrund der Schizophrenieforschung auf kognitionspsychologischer Basis dargestellt und in einen Kontext zur Untersuchung mit Labyrinthaufgaben gesetzt.
Ausgangspunkt der vorliegenden Studie sind die in vorausgegangenen Untersuchungen an Subgruppen von schizophren erkrankten Personen, abhängig von Erkrankungsdauer und Neuroleptikabehandlung, gefundenen Defizite beim Lösungsverhalten in unbekannten Labyrinthen. Ziel der vorliegenden Untersuchung ist zu untersuchen, ob die Bearbeitung von unbekannten zweidimensionalen Labyrinthen durch die Induktion von sozialem Stress und die Reduktion von Aufmerksamkeitsressourcen durch die Einführung einer parallel zu bearbeitenden Zweitaufgabe bei gesunden Personen beeinflusst wird. Dabei interessierte, inwieweit mögliche Effekte einerseits von Eigenschaften des Labyrinthstimulus (Komplexität des Reizes und Existenz von Entscheidungspunkten) und andererseits von der Schwierigkeit der geforderten Bewegungen abhängen. Es soll eruiert werden, inwieweit aufgrund der gefundenen Verhaltensdaten Rückschlüsse auf die beteiligten kognitiven Prozesse von schizophren erkrankten gezogen werden können. In der vorliegenden Untersuchung wurden 88 gesunde männliche Personen untersucht, die Labyrinthaufgaben mit und ohne Stress bzw. mit und ohne eine parallel zu bearbeitende Zweitaufgabe durchführten. Stress und Ablenkung durch eine Zweitaufgabe wurden als unabhängige Faktoren realisiert, so dass sich 4 Substichproben mit jeweils 22 Probanden ergaben. Jeder Proband bearbeitete unterschiedliche Stimuli, die sich einerseits hinsichtlich ihrer Komplexität (einfache Pfadstimuli, Pseudo-Labyrinthe) und andererseits hinsichtlich des Auftretens von Entscheidungssituationen (Pseudo-Labyrinthe und Labyrinthe mit Verzweigungspunkten) unterschieden, sowohl unter einer leichten wie auch unter einer schwierigen Bewegungsbedingung (kleiner bzw. grosser Cursor).
Die Ergebnisse dieses 2x2x2x2-faktoriellen Versuchsdesign zeigen, dass Stress und Ablenkung bei der Bearbeitung von Labyrinthaufgaben zu einer Veränderung in den Leistungsmaßen führen. Unter der Ablenkbedingung verkürzt sich die Navigationszeit im Labyrinth. Unter der Stressbedingung kommt es zu einer Leistungsverbesserung hinsichtlich Qualität und Präzision. Dabei lässt sich weder durch Stress noch durch Ablenkung ein eindeutiges Störungsmuster induzieren, das dem Verhalten der verschiedenen Subgruppen schizophren erkrankter Personen entspricht.
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