Für die Diagnose eines Herzinfarktes und anderer kardiovaskulärer Erkrankungen hat sowohl die Entdeckung diverser Myokardnekrosemarker als auch die Entwicklung immer sensitiverer Geräte einen bemerkenswerten Beitrag geleistet. Ein Ende dieses Verlaufs ist momentan nicht zu erkennen.In dieser Studie wurde an der Universitätsklinik Gießen ein Analysegerät (Cardiac Reader) für die patientennahe Untersuchung im klinischen Einsatz getestet, das für die Diagnose akuter Myokardsyndrome quantitativ Troponin T (TnT) und Myoglobin (MYO) bestimmt.Es sollte geprüft werden, ob die diagnostische Validität des Cardiac Readers (CR) zur quantitativen Bestimmung von MYO und TnT den etablierten Laborparametern gleichzustellen sei und ob der CR in Bezug auf Kosten und Zeit eine Verbesserung der bisherigen Untersuchungsmethoden darstellen würde.Außerdem galt es, zu untersuchen, ob zwischen dem CR TnT und dem Stratus II (ST) Troponin I (TnI) Unterschiede in Bezug auf die diagnostische Leistungsfähigkeit festzustellen seien.MYO wurde am CR und am Elecsys (EL) bestimmt. Die Messungen für TnT wurden sowohl am CR als auch am EL, die für TnI am ST durchgeführt. Die Studie war offen und kontrolliert angelegt. Sie fand monozentrisch im Rahmen einer Multizenterstudie statt. Es wurden 58 Patienten (13 Frauen, 45 Männer) mit akutem Thoraxschmerz einbezogen, die den Krankheitsbildern Akuter Myokardinfarkt (AMI), Instabile Angina Pectoris (IAP), Stabile Angina Pectoris (SAP) und Extrakardialer Brustschmerz (EKB) zugeordnet wurden. Nach der Untersuchung wurden diese Gruppen noch um die Koronare Gefäßerkrankung (KGE) und Sonstige (SON) ergänzt. Heparinblutproben wurden den Patienten sowohl bei der Erstuntersuchung in der Klinik als auch drei Stunden später abgenommen. Die Regressionsanalysen erfolgten nach Passing/Bablok. Die Empfehlungen der Hersteller für die diagnostischen Grenzwerte (CR: 0,1 ng/ml, ST: 0,3 ng/ml) wurden eingehalten. Es konnte gezeigt werden, dass der Vergleich zwischen dem Schnelltest CR und der etablierten Labormethode EL eine zufriedenstellende Übereinstimmung der Ergebnisse mit einer signifikanten Korrelation von r= 0,948 für TnT und r= 0,973 für MYO ergab.Die Korrelation zwischen den TnT Werten (x) und den TnI Werten (y) erwies sich ebenfalls als akzeptabel: y = 5,4x + 0,15; r =0,813. Insgesamt gesehen handelt es sich beim CR um ein klinisch gut validiertes Testsystem. Für die zusätzlichen Anschaffungskosten liefert der CR schnell verlässliche TnT- und MYO-Werte. Als alleiniges Kriterium für den Infarktnachweis reichen die laborchemischen Methoden aber nicht aus. Eine Troponin-Erhöhung kann auch andere Ursachen als einen Koronarverschluss haben. Die Beurteilung der Messwerte muss deshalb immer im Zusammenhang mit der Anamnese, der klinischen Situation und anderen Untersuchungsergebnissen erfolgen.
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