Das Verhalten der Okklusionsebene bei kieferorthopädischer Therapie mittels Aktivator, Tip-Edge- oder Herbst-Apparatur : Eine röntgenkephalometrische Langzeituntersuchung
Ziel der vorliegenden Untersuchung war die Ermittlung des Einflusses von drei verschiedenen kieferorthopädischen Behandlungsmethoden(Aktivator, Tip-Edge- und Herbst-Apparatur mittels partieller (HP) oder totaler (HT) Verankerung) auf die Neigung von drei definiertenOkklusionsebenen: Oberkiefer- (OE), Unterkiefer- (UE) und funktionelle (FE) Okklusionsebene. Anhand der Auswertungen vonFernröntgenseitenbildern des Kopfes (FRS) sollten zwei Fragen beantwortet werden:
1) Wie verändern sich die Okklusionsebenen während und nach der kieferorthopädischen Behandlung?
2) Liegt ein Zusammenhang zwischen der Veränderung der Okklusionsebenen und der Veränderung der vertikalen Kieferrelation, desOverjets und des Overbites während und nach der kieferorthopädischen Behandlung vor?
Die Untersuchung konnte folgendes aufzeigen:
Aktivator-Gruppe: Keine der Okklusionsebenen wurde signifikant beeinflußt.
Tip-Edge-Gruppe: Während der Behandlung blieb die Neigung von OE/NSL und von FE/NSL stabil. Bedingt durch vertikaleZahnbewegungen im Unterkiefer vergrößerte sich die Neigung von UE/NSL. Nach der Behandlung verkleinerte sich die Neigung vonUE/NSL und von FE/NSL durch rezidivierende Zahnbewegungen und normale Wachstumsveränderungen. Während der Behandlung lagenkeine Zusammenhänge zwischen den Veränderungen der Neigung der Okklusionsebenen und den Veränderungen der Kieferrelation, desOverjets und Overbites vor. Nach der Behandlung bestanden Zusammenhänge zwischen der Verkleinerung der Neigung von UE/NSL undder Verkleinerung des Mandibularbasiswinkels (ML/NSL) und der Vergrößerung des Overbites. Außerdem war ein Zusammenhangzwischen der Verkleinerung der Neigung von FE/NSL und der Verkleinerung der Neigung von ML/NSL zu finden.
Herbst-Gruppen mittels partieller (HP) und totaler (HT) Verankerung: Alle Neigungen der Okklusionsebenen mit Ausnahme vonOE/NSL der HP-Gruppe wurden während der Herbst-Behandlung durch vertikale Zahnbewegungen im Ober- und Unterkiefer deutlichvergrößert. Dies galt im speziellen für die Neigung von UE/NSL der HT-Gruppe. Nach der Behandlung war die Neigung derOkklusionsebenen beider Herbst-Gruppen durch rezidivierende Zahnbewegungen und normale Wachstumsprozesse auf oder unter dieUrsprungswerte rückläufig. Während der Behandlung war bei beiden Gruppen nur ein Zusammenhang zwischen der Vergrößerung derNeigung der Okklusionsebenen und der Verkleinerung des Overjets und Overbites zu finden. Nach der Behandlung bestanden in den zweiGruppen ein Zusammenhang zwischen der Verkleinerung der Neigung der Okklusionsebenen und der Verkleinerung des Winkels ML/NSLsowie der Vergrößerung des Overjets und Overbites.
Schlußfolgernd konnte festgestellt werden, daß während der Behandlung die Vergrößerung der Neigungen der drei Okklusionsebenensowie die Verkleinerung des Overjets und des Overbites beim Aktivator am kleinsten und bei der HT-Gruppe am größten waren. Nach derBehandlung traten rückläufige Veränderungen der Neigungen der Okklusionsebenen (Verkleinerung) und des Overjets und Overbites(Vergrößerung) ein. Auch diese Veränderungen waren bei der HT-Gruppe am größten. Beim Vergleich der drei Okklusionsebenen warendie größten Veränderungen bei der Unterkiefer-Okklusionsebene (UE/NSL) zu sehen. Keine der untersuchten Apparaturen hatte einenEinfluß auf die vertikale Kieferrelation.
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