Die natriuretischen Peptide spielen in der Diagnostik einer Herzinsuffizienz eine zunehmend größere Rolle. Wir haben bei 84 Patienten aus drei Spezialambulanzen die NT-proBNP-Spiegel auf ihre diagnostische Wertigkeit beim jeweiligen Patientengut hin untersucht.
Die NT-proBNP-Plasmaspiegel korrelierten signifikant mit der linksventrikulären Auswurffraktion bei Patienten mit linksventrikulärer Dysfunktion (r=-0,766, p<0,001). Erhöhte Werte des Parameters waren signifikant mit einer, bei einer Herzinsuffizienz typischen pathologischen LVEF (p<0,0001) und einem dilatierten linken Vorhof (p<0,01) verbunden.
NT-proBNP stieg mit dem Schweregrad einer Herzinsuffizienz an. Bezogen auf die klinische Beurteilung der Dyspnoe unter Bezug auf die NYHA-Einteilung wiesen Patienten mit einer Herzerkrankung im Stadium I II nach NYHA etwa die gleichen Plasmaspiegel wie die Patienten im Stadium III nach NYHA mit einer pulmonalen Grunderkrankung auf (Herzinsuffizienzsprechstunde 300 pg/ml, kardiologische Ambulanz 215 pg/ml, Ambulanz für pulmonale Hypertonie 240 pg/ml).
Bei Patienten der kardiologischen Ambulanz, die vornehmlich unter einer koronaren Herzerkrankung litten, fiel auf, daß NT-proBNP selbst bei einer normalen linksventrikulären Auswurffraktion erhöht sein kann, sodaß sich bei unauffälligem Echokardiographiebefund eine Indikation zur weiteren, ggf. invasiven kardiologischen Diagnostik ergibt.
Bei primär pulmonal erkrankten Patienten waren die NT-proBNP-Spiegel mit im Mittel 162 pg/ml signifikant niedriger als bei Patienten mit primär kardialer Grunderkrankung (498 pg/ml) bei Patienten der Herzinsuffizienzsprechstunde bzw. 507 pg/ml bei Patienten der kardiologischen Ambulanz. NT-proBNP alleine eignete sich in der vorliegenden Untersuchung jedoch nicht für Differenzierung der pulmonalen Krankheit. Gleichwohl zeigten sich signifikante Korrelationen von NT-proBNP mit dem mittleren pulmonalarteriellen Druck (p=0,04, c=0,35) und dem pulmonalarteriellen Verschlußdruck (p=0,001, c=0,535), die beide als ungünstige Prognoseindikatoren bei Herzinsuffizienz gewertet werden müssen.Obwohl eine Tendenz ersichtlich war, konnte NT-proBNP bei Patienten der Ambulanz für pulmonale Hypertonie nicht signifikant zwischen Patienten ohne pulmonale Hypertonie und solchen mit einer latenten oder einer manifesten pulmonalen Hypertonie trennen (p=0,43). Für die Diagnosefindung einer pulmonalen Hypertonie scheint NT-proBNP deshalb ohne weitere Diagnostik nicht geeignet zu sein.
Unter Ergometerbelastung stiegen sowohl ANP, BNP als auch NT-proBNP signifikant an. Die NT-proBNP-Plasmaspiegel stiegen allerdings nur gering und klinisch nicht relevant an (3,6%, p<0,001 bei NT-proBNP im Vergleich zu 19,9% bei BNP (p<0,001) und 53,5% bei ANP (p<0,001)). 30 Minuten nach Maximalbelastung konnte (bei einem allerdings sehr kleinen Kollektiv) ein weiterer, diskreter Anstieg der NT-proBNP-, nicht jedoch der ANP- und BNP-Konzentrationen beobachtet werden.
In unserer Studie konnte auch gezeigt werden, daß zwischen der periphervenösen Abnahme aus einer Kubitalvene und der gleichzeitigen zentralvenösen Abnahme aus dem Pulmonaliskatheter für NT-proBNP kein signifikanter Unterschied besteht, was die Abnahme der Probe erleichtert (in Ruhe p=0,11, bei Maximalbeslastung p=0,57, in der Erholungsphase p=0,88).
Die Festlegung von Grenzwerten gestaltet sich derzeit noch sehr uneinheitlich. Ein einheitlicher Cut-off-Wert für NT-proBNP zum Ausschluß einer Herzinsuffizienz, wie von einigen Autoren postuliert, erscheint problematisch und kann nicht undifferenziert betrachtet werden. Einflußfaktoren sind neben Alter und Geschlecht auch die medikamentöse Therapie. Es zeigte sich, daß bei Patienten mit schwerer Herzinsuffizienz, die (medikamentös) sehr gut kompensiert waren (NYHA I-II), teilweise normale NT-proBNP-Konzentrationen vorlagen. Dennoch erwiesen sich die natriuretischen Peptide in großen Studien als sehr guter Parameter für den Ausschluß einer Herzinsuffizienz bei akuter Luftnot. Die meisten dieser Studien wurden mit BNP als Herzinsuffizienzmarker durchgeführt. NT-proBNP ist allerdings speziell für die Primärversorgung der bessere Parameter. Er korreliert hochsignifikant mit BNP (in der vorliegenden Studie c=0,93, p<0,0001), hat aber eine wesentlich längere Halbwertzeit, was den unproblematischen Probenversand für den niedergelassenen Arzt ins Labor ermöglicht. Zudem reagieren die NT-proBNP-Konzentrationen nicht in klinisch relevanter Weise auf kurzzeitige Belastungen wie etwa das Treppensteigen in die Praxis. Als Screeningparameter für Herzinsuffizienz ist NT-proBNP trotz des guten negativen Vorhersagewertes nicht geeignet, da der positiver Vorhersagewert zu niedrig und gleichzeitig die Kosten zu hoch sind (20 pro Test).
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