Die Wahl des optimalen Kunststoffs für eine zahnärztliche Prothesenherstellung mit dem Ziel der bestmöglichen Haftung an der Mundschleimhaut hängt nicht allein von der Art der Prothesendimensionierung und Gestaltung ab, sowie ihre Kongruenz zum Prothesenlager, sondern auch von deren Lagerung und Oberflächenbeschaffenheit. Hinsichtlich Lagerung ging es um die Zeit, in der die Prothese außerhalb des Mundes trocken oder in einem Wasserbad, über Nacht, oder nach der zahntechnischen Herstellung bzw. Veränderung, bis zur Eingliederung in den Mund des Patienten gelagert wird.
Eine Oberflächenbearbeitung zur Verbesserung des Prothesenhalts, mit den in der Zahntechnik üblichen Methoden oder aber das Belassen der Prothesenbasis im polymerisierten Zustand war ebenfalls Bestandteil der Arbeit.
Sämtliche Messungen fanden mittels computerunterstützter optischer und auf die Flüssigkeitsapplikation bezogener, computerdosierter Methoden einer statischen Kontaktwinkelmessung an der Grenzfläche zwischen liegendem 6 µl Flüssigkeitstropfen und horizontaler Kunststoffoberfläche in einem geschlossenen System statt.
Als Flüssigkeit wurde deionisiertes Wasser und künstlicher Speichel zur Kontaktwinkelmessung verwendet.
Eine Messtemperatur von exakt 23° C wurde eingehalten.
Die Mess- und Beobachtungszeit betrug 120 Sekunden. Es wurden von jedem der 4 Kunststoffe jeweils 10 kreisrunde Prüfkörper hergestellt, ein jeder auf einer eigenen Gipsoberfläche, sodass jeder Prüfkörper ein Unikat darstellte, analog zu einer Patientenprothese.
Die Oberfläche aller polymerisierten Prüfkörper wurde im Laufe der Untersuchungen mit Schmirgel, Bimssteinpulver und einer Hochglanzpoliturflüssigkeit bearbeitet. Bei jedem Prüfkörper wurden für jede mögliche Kombination der Messparameter Lagerung, Benetzungsmedium und Oberflächen-beschaffenheit jeweils 10 Messungen durchgeführt.
Dies führte unter Anwendung von standardisierten Mess- und Bearbeitungsmethoden zu einer Aussage über die Benetzbarkeit von veränderten Kunststoffoberflächen.
Zusammenfassend haben die durchgeführten Untersuchungen ergeben, dass eine Benetzung mit künstlichem Speichel, eine ununterbrochene Feuchtlagerung, sowie eine Oberflächenbearbeitung mit Schmirgelpapier der Körnung 240 zu der besten Benetzbarkeit führen.
Unter den oben genannten Parametern nimmt die Benetzbarkeit der Kunststoffe in folgender Reihenfolge ab:
1: Versyo®.com
2: Microbase®
3: Eclipse®
4: Palapress®.
Ein Zahnarzt wird mit dieser Studie in die Lage versetzt, für einen Patienten, der eine Totalprothese benötigt, den optimalen Kunststoff auszuwählen.
Eine Verbesserung der Benetzbarkeit kann zudem durch die Bearbeitung der zur Schleimhaut gelegenen Basis mit Schmirgelpapier, sowie einer Feuchtlagerung vor Eingliederung erreicht werden.
Dies trifft ebenfalls auch für Unterfütterungsarbeiten schon existierender Prothesen zu. Dem Patienten sollten zudem die nötigen Empfehlungen zur Lagerung seiner Prothese mitgeteilt werden.
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