Computertomographische Anatomie des Schultergelenks mit Erfassung von Winkel-, Abstands-, Flächen-, subchondralen Dicken- und Dichtemessungen
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Zusammenfassung
Das Ziel der vorliegenden Studie war die Erarbeitung von computertomographischen Normalbefunden am Schultergelenk bei mittelgroßen, gesunden Hunden mit besonderer Berücksichtigung der Rassen Golden Retriever, Labrador Retriever und Deutscher Schäferhund.Hintergrund für diese Fragestellung ist die mangelnde Beschreibung adäquater Messmethoden, die das normale Schultergelenk bei Hunden erfassen. Normwerte sollen als Hilfe dienen, pathologische Veränderungen im Bereich der knöchernen Anteile des Schultergelenks einfacher und sicherer zu erkennen. Mit Hilfe der Computertomographie wurden 302 Schultergelenke von 155 Patienten unter einer standardisierten Lagerung (maximale Extensionsstellung) untersucht. Die Patientengruppe setzte sich aus 37 Golden Retrievern, 55 Labrador Retrievern und 63 Deutschen Schäferhunden zusammen, die mit einem durchschnittlichen Körpergewicht von 29,36 kg und einem durchschnittlichen Alter von 15,66 Monaten in der Kleintierchirurgie der Justus-Liebig-Universität Gießen vorgestellt wurden. Im Anschluss an die computertomographische Untersuchung wurden Winkel-, Flächen-, Abstands-, Flächenumfangs-, Längen- und Dichtemessungen sowie Dickenmessungen subchondraler Dichtemaxima an standardisierten Schnitten des Schultergelenks durchgeführt. Die Parameter Rasse, Alter, Geschlecht und Gewicht wurden in der statistischen Auswertung berücksichtigt. Die Messung des Schultergelenkwinkels (Mittelwert 165,66°) hat sich als Prüfwinkel für eine standardisierte Lagerung in Extension bestätigt und zeigte rasseabhängige Variationen. Der Pfannenwinkel zeigte in der vorliegenden Studie mit einem Mittelwert von 22,32° eine Variation abhängig von der Rasse, so nahm er auch mit der Größe der Rasse zu. Auch bei der Messung der Länge des Humeruskopfes (Mittelwert 58,33 mm) ließen sich rassenabhängige Variationen feststellen sowie zusätzlich Variationen abhängig von dem Geschlecht und dem Körpergewicht. Bei der Messung der Schultergelenkspaltweite (Mittelwerte: kranial: 3,45 mm; medial: 3,61 mm; kaudal: 1,84 mm) konnte aufgrund einer Signifikanz bezüglich der Lokalisation im Gelenk festgestellt werden, dass die Spaltweite im kaudalen Bereich am geringsten war. Hierdurch wurde die Vermutung gestellt, dass dieser Bereich durch einen engen Kontakt beider Gelenkflächen und somit eine hohe mechanische Belastung als Prädilektionsstelle für eine Osteochondrose gilt (van Bree und Gielen, 2006; Kunkel und Rochat, 2008). Zusätzlich zeigte sich eine Signifikanz bezüglich der Lokalisation in Abhängigkeit zur Rasse.Die ausgewählten Flächenmessungen (Mittelwert Humeruskopf: 495,17 mm²; Humerusepiphyse: 613,32 mm²; subchondraler Knochen des Humeruskopfes: 132,27 mm²; Bereich gelenknaher Anteil der Skapula: 858,15 mm²) zeigten Variationen in Abhängigkeit vom Gewicht, der Rasse, dem Geschlecht, sowie bei der Fläche der Humerusepiphyse zusätzlich vom Alter.Bezüglich der Dichtemessung (Mittelwert Humeruskopf: 544,11 HU; Humerusepiphyse: 505,44 HU; subchondraler Knochen des Humeruskopfes: 734,58 HU; Bereich gelenknaher Anteil der Skapula: 662,23 HU) zeigte sich zum einen, dass der Labrador Retriever an allen Lokalisationen die höchste und der Deutsche Schäferhund an allen Lokalisationen die niedrigste Knochendichte am Schultergelenk zeigte. Dies steht im Verhältnis des höheren Körpergewichts zur Körpergröße des Labrador Retrievers, dem sich die Dichte anpasst (Müller-Gerbl et al., 1990 a). Die Dichte des subchondralen Knochens des Humeruskopfes stellte sich am höchsten dar, im Gegensatz zum Bereich der Skapula, wo die Dichte am niedrigsten war. Die Dichteverhältnisse im Bereich des subchondralen Knochens des Humeruskopfes und der Skapula bestätigten die bereits in der Literatur gefundenen Ergebnisse (Eller 2003). Allerdings zeigte sich auch eine Abhängigkeit der Dichtemessung im Bereich der Humerusepiphyse im Verhältnis zum Alter, so zeigten jüngere Tiere eine höhere Dichte, was auf eine höhere körperliche Aktivität schließen lassen kann. Bezüglich der Messung des Umfangs der Flächen (Mittelwert Humeruskopf: 100,34 mm; Humerusepiphyse: 125,69 mm; subchondraler Knochen des Humeruskopfes: 102,77 mm; Bereich gelenknaher Anteil der Skapula: 125,41 mm), zeigten sich Variationen abhängig von Geschlecht, Rasse, Körpergewicht und Lokalisation sowie der Lokalisation in Korrelation mit Rasse und Geschlecht.Für die Dickenmessung von Dichtemaxima des subchondralen Knochens des Humeruskopf ergab sich im kaudalen Bereich ein Mittelwert von 3,61 mm, medial ein Mittelwert von 2,67 mm und kranial von 2,13 mm. Der Deutsche Schäferhund hatte die größte Dicke des Dichtemaximas des subchondralen Knochens am Humeruskopf. Im kaudalen Bereich zeigte sich insgesamt die größte Dichteausprägung, was erneut ein Hinweis für eine Prädilektionsstelle für die Osteochondrose ist (Kunkel und Rochat, 2008). Im Vergleich zum Menschen zeigte sich eine unterschiedliche Verteilung der Dichtemaxima, was hervorhebt, dass das menschliche Schultergelenk einer anderen Belastung ausgesetzt ist, als das Schultergelenk des Hundes (Xia et al., 2002). Die Dickenmessung von Dichtemaxima des subchondralen Knochens an der Cavitas glenoidalis ergab kaudal einen Mittelwert von 3,02 mm, medial von 2,74 mm und kranial von 3,31 mm. Der Labrador Retriever hatte im Vergleich zu den anderen Rassen an allen Lokalisationen die größte Dicke und der Deutsche Schäferhund bis auf den medialen Bereich die kleinste. Der kraniokaudale Abstand ( Mittelwert 29,51 mm) wie auch die Tiefe der Cavitas glenoidalis (Mittelwert 6,99 mm) und die Länge der Cavitas glenoidalis (Mittelwert 32,99 mm) zeigten ebenfalls Variationen in Abhängigkeit vom Geschlecht, der Rasse und dem Körpergewicht und somit größenabhängige Variationen. So stellte sich der kraniokaudale Abstand bei den schwereren, männlichen Tieren der größeren Rassen weiter dar. Insgesamt stellte sich die Länge des Humeruskopfes 1,8-fach länger dar als die der Cavitas glenoidalis. Auch die Tiefe (Mittelwert 7,40 mm) und der Abstand des Sulcus intertubercularis (Mittelwert 15,75 mm) zeigten Variationen abhängig vom Geschlecht und dem Körpergewicht der Patienten. Es wurde kein deutlicher Unterschied zwischen rechtem und linkem Schultergelenk im Seitenvergleich festgestellt. Die in dieser Arbeit erstellten Messwerte waren unter einer standardisierten Lagerung reproduzierbar und können als Grundlage zur Beurteilung und weiteren Untersuchung von Schultergelenkspathologien beim Hund dienen.Verknüpfung zu Publikationen oder weiteren Datensätzen
Beschreibung
Anmerkungen
Erstpublikation in
Giessen : VVB Laufersweiler
