Untersuchungen der Mikrozirkulation bei diabetischen Patienten mittels Laser-Doppler-Flowmetrie und Messung des transkutanen Sauerstoffpartialdrucks unter besonderer Berücksichtigung der Limited Joint Mobility
Typische Spätfolgen des Diabetes mellitus betreffen insbesondere Störungen der Mikrozirkulation. Daneben ist die sogenannte Limited Joint Mobility (LJM) als Einschränkung der Gelenkbeweglichkeit eher unbekannt, stellt jedoch häufig eine der ersten Manifestationen von Spätschäden dar. In epidemiologischen Untersuchungen wurde die LJM mit einer erhöhten Wahrscheinlichkeit für das Auftreten von Mikrozirkulationsstörungen in Zusammenhang gebracht. In der vorliegenden Arbeit wurde die kutane Mikrozirkulation mittels Laser-Doppler-Flowmetrie (LDF) und transkutaner Messung des Sauerstoffpartialdrucks (tcpO2) untersucht. Basierend auf dem Hagen-Poiseuilleschen-Gesetz kommt als mögliche Ursache einer gestörten Mikrozirkulation ein verändertes Vasomotionsmuster in Betracht. Mit Hilfe einer Fast-Fourier-Transformation des Laser-Doppler-Signals konnten endotheliale, sympathikogene und myogene Anteile der Vasomotion (rhythmische Änderungen des Gefäßdiameters) genauer betrachtet werden. Aufgrund der starken lokalen Schwankungen der kutanen Mikrozirkulation wurden zur Standardisierung der Laser-Doppler-Flowmetrie zwei Provokationsmanöver eingesetzt: die suprasystolische Stauung und eine Wärmeprovokation (44 °C). Beide Stimulationsreize erwiesen sich als geeignet, eine Hyperämie und eine Veränderung der Vasomotion zu induzieren. Grundsätzlich konnte gezeigt werden, dass die suprasystolische Stauung nicht zu signifikanten Veränderungen in Bezug auf die sympathisch bedingte oder myogene Vasomotion führt, wohingegen die Wärmeprovokation zur Steigerung der Vasomotion in Bezug auf alle drei untersuchten Frequenzbänder geeignet zu sein scheint.Untersucht wurden Patienten mit einem Diabetes mellitus Typ 1 und Typ 2, sowie ein Kontrollkollektiv. Als Unterscheidungsmerkmale dienten das Vorliegen eines Diabetes mellitus, die Erkrankungsdauer sowie das Vorliegen einer LJM.Bei 48 % der Diabetiker lag die Erkrankungsdauer unter 10 Jahren, eine LJM fand sich bei 35 % aller Diabetiker. Zwischen diesen beiden Merkmalen konnte kein Zusammenhang nachgewiesen werden.Nach Wärmeprovokation zeigte die Gesamtgruppe der Diabetiker in der Laser-Doppler-Flowmetrie einen geringeren Anstieg der Durchblutung verglichen mit der Kontrollgruppe, darüber hinaus war dieser Anstieg langsamer. Ohne weitere Unterteilung ließ sich für die Gesamtgruppe der Diabetiker keine signifikant gestörte Vasomotion nachweisen. In Bezug auf den transkutanen Sauerstoffpartialdruck als Marker der nutritiven Mikrozirkulation wurde ebenfalls eine signifikante Reduktion für Diabetiker verglichen mit der Kontrollgruppe nachgewiesen.Legte man die Erkrankungsdauer als Unterscheidungskriterium zugrunde, so ließ sich für Patienten mit einer Erkrankungsdauer über zehn Jahre eine signifikant niedrigere Maximalreaktion nach beiden Provokationstests belegen. Nach Wärmeapplikation konnte für diese Gruppe zusätzlich eine langsamere Reaktionsgeschwindigkeit gezeigt werden. Das Vasomotionsmuster unterschied sich ebenfalls signifikant abhängig von der Erkrankungsdauer, wohingegen sich in Bezug auf den transkutanen Sauerstoffpartialdruck nur tendenzielle Unterschiede fanden. Im Vergleich zur Gruppe der Nicht-Diabetiker konnten wesentliche Unterschiede nur für Langzeit-Diabetiker, nicht jedoch für die Gruppe der Patienten mit der kürzeren Erkrankungsdauer nachgewiesen werden. Bei Diabetikern mit einer LJM waren eine geringere Maximalreaktion sowie ein verändertes Vasomotionsmuster im Rahmen der Hyperämie unter Wärmeprovokation ebenso wie nach einer dreiminütigen suprasystolischen Stauung im Vergleich zu den Nicht-LJM-Patienten nachweisbar. Signifikante Unterschiede bezüglich des transkutanen Sauerstoffpartialdrucks konnten nicht gezeigt werden. Tendenziell waren jedoch die Sauerstoffpartialdrücke der Diabetiker mit LJM niedriger. Während sich im Vergleich der Nicht-LJM-Diabetiker mit der Kontrollgruppe nur geringfügige Unterschiede nachweisen ließen, zeigte sich für die LJM-Patienten im Unterschied zur Gruppe der Nicht-Diabetiker bei Betrachtung der Maximalreaktionen, der Anstiegsgeschwindigkeiten sowie des Vasomotionsmusters eine signifikant veränderte Hautdurchblutung.Zusammenfassend konnte eine signifikante Beeinträchtigung der Mikrozirkulation sowohl für eine längere Erkrankungsdauer als auch für das Vorliegen einer Limited Joint Mobility nachgewiesen werden, wobei die Vasomotion v.a. bei Patienten mit LJM gestört ist. Das Vorliegen einer Limited Joint Mobility scheint direkt mit Störungen der Mikrozirkulation assoziiert zu sein.
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