Ziel dieser Dissertationsarbeit war es, die Mechanismen der Signaltransduktion der Hypoxie-induzierten Hyperpermeabilität durch VEGF zu erforschen. Speziell die Frage, welcher der VEGF-Rezeptoren für die Signalvermittlung verantwortlich ist, sollte dabei untersucht werden.Am in vitro Modell der Blut-Hirn-Schranke, bestehend aus porcinen mikrovaskulären Gehirnendothelzellen (BMEC) konnte gezeigt werden, dass die Hypoxie- und VEGF-induzierte Hyperpermeabilität durch Aktivierung von Flt-1 vermittelt wird. So erhöhte die Zugabe von PlGF, das lediglich Flt-1 und nicht Flk-1 bindet, die Permeabilität in gleicher Weise wie VEGF, wohingegen VEGF-E, ein virales VEGF-Homolog, das Flk-1 und Neuropilin-1, aber nicht Flt-1 aktiviert, keine Effekte auf die Permeabilität der Endothelzellen hatte. Darüber hinaus konnte durch AS-Oligonukleotide gegen Flt-1, aber nicht gegen Flk-1, die Hypoxie-induzierte Hyperpermeabilität der BMEC aufgehoben werden.Da Endothelzellen beide VEGF-Rezeptoren exprimieren und die Verwendung von spezifischen Liganden oder Inhibitoren der Rezeptoren eine mögliche intermolekulare Aktivierung nicht auszuschließen vermag, sollten die Untersuchungen zusätzlich an einer Zelle durchgeführt werden, die nur Flt-1 exprimiert. Die Zellen sollten dabei in Form eines Monolayers wachsen und dabei dichte Tight Junctions ausbilden, die eine Permeabilitätsbarriere darstellen.Neben Endothelzellen werden die VEGF-Rezeptoren auch auf verschiedenen Epithelzellen exprimiert, die ebenfalls durch Tight Junctions miteinander verbunden sind und deren Monolayer hoher Widerstandswerte aufweisen. Mittels RT-PCR und Northern Blot-Analyse sowie Western Blot und Immunzytochemie wurden verschiedene Epithelzellen hinsichtlich ihrer Expression von Flt-1 und Flk-1 untersucht. Die primären CPE-Zellen zeigten dabei eine Expression beider Rezeptoren, MDCK exprimierten keinen der Rezeptoren. Die epitheliale Tumorzelllinie CSG zeigte lediglich die Expression von Flt-1. Durch Messung des transepithelialen elektrischen Widerstandes konnte bei allen Epithelarten eine gute Ausbildung von Tight Junctions bestimmt werden.Permeabilitätsstudien unter normoxischen und hypoxischen Bedingungen in An- und Abwesenheit eines neutralisierenden Antikörpers gegen VEGF sowie unter Zugabe von VEGF und PlGF zeigten, dass die Hypoxie-induzierte Hyperpermeabilität über VEGF durch Flt-1 in Abwesenheit von Flk-1 vermittelt werden kann. Die Ergebnisse konnten durch Versuche an den CSG-Zellen mit AS-Oligonukleotiden gegen Flt-1 und Flk-1 bestätigt werden.Weitere Permeabilitätsstudien unter Verwendung spezifischer Inhibitoren der Signalkaskaden sowie Western Blot Analysen zeigten dann, dass die Hyperpermeabilität über eine Aktivierung des PI3-K/Akt→NOS→sGC-Signalweges zustande kommt. PLC, PKC sowie p38 und p42/44 MAPK waren an den Veränderungen der Permeabilität nicht beteiligt. Da über den PI3-K/Akt-Signalweg auch proliferative und anti-apoptotische Reize vermittelt werden können, wurden Proliferationstests an den CSG-Zellen unter Zugabe von VEGF und PlGF-1 durchgeführt. Durch die Ergebnisse aus der Messung der [³H]-Thymidin-Inkorporation und einer kolorimetrischen Bestimmung konnte dann abgeleitet werden, dass die Aktivierung von Flt-1 in Abwesenheit von Flk-1 keine Proliferation der CSG-Zellen bewirkt, wohl aber zu einer Steigerung des Metabolismus der Zellen mit der Folge der vermehrten Bereitstellung der Energieträger NADH/H+ und NADPH/H+ führen kann.Die Erkenntnisse dieser Dissertationsarbeit könnten hilfreich sein in der Entwicklung von Therapiestrategien bei der Behandlung des durch VEGF vermittelten Hypoxie- oder Tumor-bedingten vasogenen Hirnödems. Auch in der onkologischen Therapie kann davon profitiert werden, da bekannt ist, dass viele Tumore VEGF sowie die VEGF-Rezeptoren exprimieren und eine Aktivierung durch VEGF zu Tumorwachstum und Metastasierung führen kann.
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