Um mutationsbedingte degenerative Netzhauterkrankungen wie Retinitis pigmentosa therapieren zu können, stellt die Methode der Gentherapie eine vielversprechende Option dar. Hierbei sollen zelleigene DNA-Reparaturmechanismen genutzt werden, um die mutierte Gensequenz durch ein exogenes korrektes DNA-Konstrukt auszutauschen. In dieser Arbeit wurde die adulte organotypische Retinakultur von C57Bl6- Wildtypmäusen charakterisiert, um beurteilen zu können, ob diese sich als intermediäres Modell zwischen Zellkultur und in-vivo-Experimenten eignet, um die Methodik der Gentherapie erforschen zu können. Hierfür wurden Retinaexplantate präpariert und anschließend im Brutschrank bis zu 10 Tage kultiviert. Nach Entnahme erfolgte die Fixation und Einbettung im Gefriermedium und die Herstellung von Kryostatschnitten. Die Charakterisierung erfolgte anhand von Immunfluoreszenzfärbungen der Proteine der retinalen Neurone (PKCa+CtBP2), Gliazellen (GFAP+ GS), DNA-Schadens- und Reparaturproteine (gH2AX, 53BP1, Ku80, CtIP) sowie durch Apoptosenachweis mittels TUNEL-Assay und Immunfärbung von AIF. Im Laufe der Arbeit konnten zwei morphologisch unterschiedliche Phänotypen differenziert werden, die als glatte und raue Explantate benannt wurden. Die Ursache für das Auftreten konnte nicht abschließend geklärt werden. Die Ergebnisse zeigten, dass die Morphologie der glatten Explantate über die gesamte Dauer der Kultur im Allgemeinen erhalten blieb, wohingegen die rauen Explantate Veränderungen aufwiesen. Bei den rauen Explantaten blieb eine Gliose aus, ferner fiel der apoptotische Nachweis mittels TUNEL-Assay stark positiv aus und war widersprüchlich zu dem nicht entsprechend schnell fortschreitenden Zelltod. Bei den glatten Explantaten kam es nach 4 Tagen zu leichten gliotischen Veränderungen, was mit den Phasen der Degeneration in der Retina bei degenerativen Netzhauterkrankungen übereinstimmte und als kulturbedingte Erscheinung angesehen werden kann. Der Zellkernverlust der Photorezeptoren war langsam fortschreitend, ebenfalls erkennbar am TUNEL-Nachweis. Bei beiden Phänotypen kam es zu einer Zunahme der DNA-Doppelstrangbrüche. Nachgewiesene DNA-Reparaturproteine zeigten, dass bedingt durch die invertierte Chromatinstruktur der Stäbchenphotorezeptoren bei den nachtaktiven Mäusen keine Reparatur der DNA- Doppelstrangbrüche im Heterochromatin erfolgte. Eine Umverteilung von Ku80 aus der OPL in die ONL hat bei beiden Phänotypen stattgefunden und bekräftigt die Bedeutung von Ku80 im Reparaturprozess von DNA-Doppelstrangbrüchen. Die Arbeit hat gezeigt, dass bei den glatten Explantaten bis zum 6. Tag in Kultur nur wenige Veränderungen auftraten. Daher eignen sich die glatten Explantate im Gegensatz zu den rauen, um die Methoden der Gentherapie zu untersuchen.
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