Die durchgeführte Zweicenter-Studie basiert auf einer klinisch retrospektiven Datenanalyse. Wir evaluierten die Daten von insgesamt 3312 Patienten, die zwischen Januar/2004 und Dezember/2006 bei koronarer Gefäßerkrankung eine isolierte operative Myokardrevaskularisation erhielten. Ziel der Studie war es herauszufinden, welche Risikofaktoren sich in der Patienten-Altersgruppe der Oktogenarien (7,2%, n=240) prägnant bei der chirurgischen Therapie von Herzerkrankungen herausstellen und den früh-postoperativen Verlauf (MACCE = 30 Tage-Letalität, Myokardinfarkt, Dialysepflichtigkeit, Schlaganfall) beeinflussen. Zunächst wurden die präoperativen Risikofaktoren, die in die Berechnung des Euro-Score einfließen von 3072 Patienten unter 80 Jahre und 240 Patienten über 80 Jahre miteinander verglichen. Das Patientenalter (p=0,001), das Geschlecht (p<0,001), die Zeitspanne des präoperativ erlittenen Myokardinfarktes bis zur Operation (p=0,006), die präoperative, linksventrikuläre Pumpfunktion (p=0,04) und die Operationsdringlichkeit (p=0,001) waren signifikant unterschiedlich. In einem weiteren Schritt wurde zum Vergleich der perioperativen Letalität zwischen Patienten unter 80 und über 80 Jahren mittels propensity score ein bezüglich der Begleiterkrankungen (bis auf Alter, Größe und Gewicht) ein weitgehend strukturgleiches Kollektiv mit 220 Patienten (mittleres Alter 82,34 ± 2,13) aus der Oktogenariengruppe und 376 Patienten (mittleres Alter 66 ,± 8,31) aus der jüngeren Patientengruppe erzeugt. Die prä-, peri- und postoperativen Daten wurden verglichen und analysiert.Die 30 Tage-Letalität betrug für Oktogenarien 6,8 %, für die Kontrollgruppe 1,6 %. Mit Hilfe multivariater Analyseverfahren konnten das Patientenalter (Odds Ratio 2.78,95%CI:1.44-5.37,p=0,002) sowie die präoperativ eingeschränkte Nierenfunktion (Odds Ratio 2.44, 95% CI:1.29-4.63, p=0,006) als Risikofaktoren für MACCE identifiziert werden. Die postoperative Komplikationsrate war in der Patientengruppe der Oktogenarien höher; Die Beatmungsdauer (p<0,003), die Reintubationrate (p=0,004), Aufenthaltsdauer auf der Intensivstation (p=0,005), sowie das Auftreten zerebrovaskuläre Ereignisse (p=0,008) zeigten im Vergleich mit der jüngeren Kontrollgruppe eine Signifikanz.Mittels SF-12 Fragebogen wurden in einem mittleren Untersuchungszeitraum von 53 Monaten (min. 44 Monate - max.79 Monate) die Daten zur gesundheitsbezogenen Lebensqualität erhoben und ausgewertet. Patienten in der Oktogenariengruppe zeigten ein psychisches Summenskala von 48,44 ± 10,03 im Vergleich zur 50,42 ± 9,63 in der Kontrollgruppe. Die körperliche Summenskala betrug für Patienten in der Gruppe der Oktogenarien 37,62 ± 10,58 und in der Kontrollgruppe 42,37 ± 10,89.Im Follow-up Zeitraum sind 24,9 % (n=51) der Oktogenarien vs. 11,4 % (n=42) der Patienten aus der Kontrollgruppe gestorben. Die Überlebensrate beträgt für Oktogenarien nach einem Jahr 94,47 % , nach drei Jahren 80,4 %. 87,9 % der befragten Oktogenarien berichteten von einer Verbesserung des klinischen Status im Vergleich zum Zeitpunkt vor der Operation. 83,9 % gaben eine Behandlungszufriedenheit an und würden sich der Operation erneut unterziehen. Sowohl die Früh- als auch die Spätletalität ist bei Patienten größer/gleich 80 Jahre in der Herzchirurgie im Gegensatz zu jüngeren Patienten erhöht. Die gesundheitsbezogene Lebensqualität ist jedoch bei operierten betagten Patienten gut und mit der jüngeren Kontrollgruppe vergleichbar.
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