Untersuchungen zum Vergleich der Sehzeichen Landolt-Ring, E-Haken und Sloan-Buchstaben (ETDRS-Letters) sowie zur Reproduzierbarkeit der Visusbestimmung
Die Sehschärfebestimmung ist die wichtigste Untersuchung im Alltag des Augenarztes. Für die standardisierte Sehschärfebestimmung mit Optotypen existieren die europäischen Normvorschriften der DIN EN ISO 8596/8597. Das in der DIN EN ISO 8596 festgelegte Standardsehzeichen ist der Landolt-Ring. Andere häufig verwendete Sehzeichen sind der E-Haken und Buchstaben. Sowohl vom E-Haken als auch von Buchstaben wird jedoch angenommen, dass die damit ge¬messene Sehschärfe im unteren Visusbereich und insbesondere bei Schielamblyopie erheblich über dem Lan¬dolt-Ring-Visus läge [Rassow und Wang 1999].In dieser Arbeit wurden die mit dem Landolt-Ring, dem E-Haken und den 10 ETDRS-Buchstaben C, D, H, K, N, O, R, S, V, Z gemessenen Sehschärfewerte verglichen. Es wurde untersucht, ob es im unteren Sehschärfebereich und bei Amblyopen zu den genannten Abweichungen kommt. Au¬ßerdem wurde die weit verbreitete Annahme überprüft, dass die Reproduzierbarkeit der Sehschärfe¬bestim¬mung mit abnehmender Sehschärfe abnähme.Für die Untersuchungen wurden 5 Sehprobentafeln verwendet, 1 Tafel mit Landolt-Ringen, 1 Tafel mit E-Haken und 3 Tafeln mit ETDRS-Buchstaben. Die Gestaltung der Tafeln mit schwarzen Sehzeichen auf retroilluminiertem weißen Hintergrund beruht auf dem Entwurf von Bailey und Lovie (1976). Es wurden 113 Personen untersucht, davon 13 augengesunde Probanden, 39 Patienten mit Schielamblyopie, 24 Patienten mit Katarakt, 32 Patienten mit Netzhauterkrankungen und 5 Pa¬tienten mit Refraktionsamblyopie. Die Ergebnisse wurden als dezimaler Visus, logMAR und "interpolated"-logMAR dokumentiert. Für den Vergleich zweier Sehprobentafeln wurden die Differenzen der Messwerte mit beiden Tafeln für die Gesamtgruppe und die 5 Diagnosegruppen berechnet. Im Hinblick auf eine mögliche Zunahme der Messwertdifferenzen im unteren Sehschärfebereich wurden 4 Sehschärfebereiche untersucht: Visus größer als 1,0, Visus 1,0 - 0,33, Visus 0,32 - 0,1 und Visus kleiner als 0,1. Zudem erfolgten Korrelations- und Regressionsanalysen für die Messwerte je zweier Tafeln. Die Reproduzierbarkeit der Visusbestim¬mung wurde anhand der Differenzbeträge der mit den 3 ETDRS-Tafeln gemessenen Werte untersucht.Zwischen der mittleren Landolt-Ring- und E-Haken-Sehschärfe bestand eine statistisch signifikante, jedoch nur geringe Differenz von weniger als 1 Visusstufe in der Gesamtgruppe und den Gruppen Schielamblyopie, Katarakt und Netzhauterkrankungen. Sie war in den 3 unteren Sehschärfeberei¬chen signifikant größer als im oberen Sehschärfebereich. Selbst in diesem Vergleich waren jedoch die maximalen Differenzen von 1,04 Stufen für die Gesamtgruppe und 1,07 Stufen für schielamblyope Augen relativ gering. Für die Gesamtgruppe ergab sich eine hohe Korrelation der Messwerte beider Sehzeichen (r = 0,98). Die Regressionsanalyse zeigte eine geringfügig bessere Erkennbar¬keit des E-Hakens im unteren Sehschärfebereich.Zwischen der mittleren Landolt-Ring- und der ETDRS-Buchstaben-Sehschärfe bestanden statistisch signifikante, jedoch geringe Unterschiede von weniger als 1 Vi¬susstufe in der Gesamtgruppe und den Gruppen Schielamblyopie, Katarakt und Netzhauterkrankungen. In der Gesamtgruppe war diese Differenz in den 3 unteren Sehschärfebereichen signifikant größer als im oberen Sehschärfe¬bereich, in der Gruppe der schielamblyopen Augen war die Differenz im Sehschärfebereich Visus 0,32-0,1 signifikant größer als im oberen Sehschärfebereich. Die maximalen Differenzen betrugen 1,13 Visusstufen für die Gesamtgruppe und 1,31 Visusstufen für schielamblyope Augen. Für die Gesamtgruppe bestand eine hohe Korrelation der Messwerte beider Sehzeichen (r = 0,98). Die Regressionsanalyse zeigte eine geringfügig bessere Erkennbarkeit der ETDRS-Buchstaben im unte¬ren Sehschärfebereich.Der Vergleich der E-Haken- und ETDRS-Buchstaben-Sehschärfe ergab weder in der Ge-samtgruppe noch in einer der 5 Diagnosegruppen einen signifikanten Unterschied. Die Regressionsanalyse er¬gab eine hohe Korrelation der Messwerte beider Sehzeichen (r = 0,98). Die Regressionsanalyse zeigte eine Übereinstim¬mung der Messwerte im gesamten Visusbereich. Die Gegenüberstellung der Messwerte der 3 ETDRS-Tafeln ergab eine hohe Korrelation der Mess¬werte. Die Regressionsanalyse zeigte eine hohe Übereinstimmung im gesamten Visusbereich. Die 3 Tafeln können somit als äquivalent angesehen und zur Untersuchung der Reproduzierbarkeit der Visusbestimmung verwendet werden. Die Differenzbeträge zwischen den Messwerten der einzelnen Tafeln in den 3 unteren Sehschärfebereichen unterschieden sich nicht signifikant von den Diffe¬renzbeträgen im oberen Sehschärfebereich. Nach Auftragen der Messwertdifferenzbeträge über der absoluten Sehschärfe zeigte die Regressionsanalyse eine geringfügige Zunahme der Differenzbe¬träge im unteren Sehschärfebereich. Die Reproduzierbarkeit der Visusbestimmung war also auch im unteren Visusbereich hoch und nur geringfügig schlechter als bei gutem Visus.
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