Die postnatalen Veränderungen der Gesamt-Leptinserumkonzentration bei Lämmern innerhalb der ersten 24 Lebensstunden : Etablierung eines ovinen Gesamt-Leptin-Radioimmunoassays und Untersuchungen zur physiologischen Bedeutung
Diese Untersuchung galt der Entwicklung eines spezifischen Radioimmunoassays (RIA) zur Bestimmung des (Gesamt)-Schafserumleptins und Betrachtung dessen physiologischen Zusammenhänge. Der verwendete Antikörper richtete sich gegen die Partialsequenz des Schafleptins der Aminosäuren 31-44. Der spezifische Tracer und die Standardreihe wurden durch rekombinantes Schafleptin hergestellt. Die Testdurchführung beinhaltete die Abtrennung von Bindungsproteinen und die Denaturierung des Serumleptins mit 0,04 mM DTT (Dithiothreitol), 0,001 % SDS (Natriumdodecylsulfat), 0,001 mM EDTA in einem Tris-HCl Puffer (pH 8) sowie die Erhitzung der Serumproben auf 90°C über 7 Minuten. Die Empfindlichkeit (Sensitivität) des RIAs lag bei 0,4 µg/l, Die Interassayvarianz konnte durchschnittlich mit 2,5% ermittelt werden, die Parallelitätsbestimmung (Intraassayvarianz) ergab eine mittlere Standardabweichung von 5,1 %. Die Spezifität lag bei 84%. Leptin wurde bei neugeborenen Lämmern zu sechs verschiedenen Zeitpunkten innerhalb von 24 Stunden bestimmt. Es ergaben sich deutlich höhere Leptinkonzentrationen im Vergleich zu den bisher berichteten Werten und innerhalb von 24 Stunden signifikant ansteigende Konzentrationen. Der Organismus des Lamms war somit in der frühen neonatalen Periode in der Lage, Leptin unabhängig von der Plazenta zu sezernieren und die Leptinserumkonzentration zu modifizieren. Desweiteren wurde neben Leptin auch folgenden Parameter erhoben und die Beziehung zum Leptin untersucht: Geschlecht, Wurfgröße, Körpergewicht, Umgebungs- und Körpertemperatur und die Stoffwechselparameter: Triglycerid-, Cholesterin-, Blutzucker- und beta-Hydroxybutyratkonzentrationen im Serum. In dieser Arbeit konnte gezeigt werden, dass die gemessenen Leptinspiegeldifferenzen nicht vom Körpergewicht bzw. von der Fettzunahme abhängig waren. Auch war eine Abhängigkeit weder in Bezug auf das Geschlecht noch auf die Wurfgröße zu belegen. Die 74 Lämmer konnten aufgrund der Außentemperatur in vier verschiedene Gruppen eingeteilt werden, deren Leptinserumspiegel sich signifikant voneinander unterschieden. Der Einfluss der Stalltemperatur ließ sich ebenfalls direkt am Leptinspiegel unabhängig von der Gruppeneinteilung in der Korrelationsanalyse zeigen, und auch die Körpertemperatur als Konsequenz aus Umwelttemperatur und Thermogenese zeigte eine Korrelation zu den Serumleptinspiegeln. Daraus kann man auf eine Funktion des Leptins hinsichtlich der Thermoregulation bereits im frühen Neugeborenenalter schließen. Des Weiteren konnte diese Arbeit einen Zusammenhang zwischen den Leptinserumspiegeln und den Blutfetten Triglyceriden und Cholesterin aufzeigen, deren Konzentrationen ebenfalls eine Gruppenabhängigkeit aufwiesen. Erhöhte Serumtriglyceride stellen Energiespeicher dar, die erst durch einen hochregulierten (Gesamt)- eptinspiegel für die beta-Oxidation zur Energiegewinnung zur Verfügung stehen. Auch diese intakte Regulation konnte hiermit im frühen Alter bei neugeborenen Lämmern verdeutlicht werden. Ein weiterer lebenswichtiger Energieträger ist der Blutzucker. Eine direkte Regulation durch das Leptin ist durchaus denkbar, eine indirekte Regulation über Hormone wie das Insulin bereits bewiesen. Es zeigte sich beim Lamm eine signifikante positive Korrelation sechs Stunden postnatal. Wegen der Komplexität der Blutzuckerregulation konnte aber der Einfluss des Leptins zu allen anderen Zeitpunkten nicht verdeutlicht werden. Besonders die Stressregulation einer Hypoglykämie bei subthermoneutralen Temperaturen, die bei vielen der Lämmer postnatal vorlag, erfordert einen akuten nervös-hormonalen Synergismus mit einer höchstens modifizierenden Funktion des Leptins. Ein weiterer für die Notfallenergieversorgung wichtiger Träger ist das beta-Hydroxybutyrat, das ein Zeichen für einen Energiemangel darstellt und proportional dazu ansteigt. Bisher wurden nur wenige Untersuchungen hinsichtlich eines Zusammenhangs zum Leptin durchgeführt, aber die Hypothese über eine negative Korrelation zwischen der Leptin- und der beta-Hydroxybutyratkonzentration bestätigte sich zu den beiden gemessenen Zeitpunkten 12 und 24 Stunde postnatal.
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