Zusammenfassend läßt sich feststellen, daß Enterokokken und Staphylococcus saprophyticus keinen wesentlichen Einfluß auf die Spermatozoenmotilitätsparameter haben, so daß bei asymptomatischem Nachweis dieser Keime im Ejakulat eher von einer Kontamination ausgegangen werden kann. Bei klinisch manifesten Symptomen sollte jedoch eine antibiogrammgerechte Therapie angestrebt werden. Als relevante Keime für die männliche Subfertilität sind diese Erreger sicherlich von untergeordneter Rolle.
Die Rolle von Pseudomonas aeruginosa und deren Einfluß auf die Motilitätsparameter und somit auf die männliche Fertilität konnte nicht eindeutig geklärt werden. Es läßt sich aus unseren Experimenten zurückhaltend ableiten, daß ein Motilitätsverlust von Pseudomonas aeruginosa in sehr hohen Konzentrationen und nach einer Inkubationszeit von mehr als 6 Stunden auftreten kann. Deshalb wäre bei signifikanter asymptomatischer Bakteriospermie mit diesem Erreger sicherlich auch schon eine antibiogrammgerechte Therapie in Betracht zu ziehen.
Des weiteren konnte in dieser Arbeit der motilitätshemmende Effekt von Candida albicans, wie schon von Tuttle et al. (1977) nachgewiesen, bestätigt werden. Die klinische Relevanz kann jedoch abschließend nicht eindeutig festgelegt werden, da die Motilitätsminderung nur in initial sehr hohen Konzentrationen von 20 Mio. Erregern/ml, wie sie in vivo nicht erreichbar sind, stattfand. Agglutinationsphänomene, wie sie Tuttle et al. (1977) beschrieben, konnten nicht beobachtet werden. Kritisch anzumerken ist, daß nach den Versuchsbeobachtungen die Candida-Partikel in hohen Konzentrationen wie eine mechanische Barriere zu fungieren scheinen. Eine asymptomatische Candidose hat vermutlich keinen Einfluß auf die Fertilität und muß nicht unbedingt therapiert werden.
Bei den Versuchen mit den ß-hämolysierenden Streptokokken zeigte sich eine deutliche Verschlechterung der Motilitätsparameter, die besonders eindrucksvoll in der höchsten initialen Bakterienkonzentration von 2 Mio. Keimen/ml nach 6 Stunden Inkubation war. Morphologische Veränderungen, die dafür verantwortlich gemacht werden könnten, wie z.B. Agglutination und Adhäsion der Bakterien, konnten nicht beobachtet werden. Das Vorhandensein eines Enterotoxins, das die Immobilisierung der Spermatozoen zur Folge hätte, ist zu diskutieren. Somit sollte auch eine signifikante Bakteriospermie, gegebenenfalls auch wenn sie asymptomatisch verläuft, antibiotisch therapiert werden.
Die im Rahmen dieser Dissertation durchgeführten Versuche konnten aufzeigen, daß ein negativer Einfluß von verschiedenen Erregern auf die Spermatozoenmotilität erreger-, konzentrations- und zeitabhängig ist und nicht einheitlich beurteilt werden kann.
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