Die Alzheimer-Erkrankung ist heute eine der bekanntesten neurodegenerativen Erkrankungen weltweit. Ihre klassische Triade der Pathologie besteht aus Amyloid-Plaques, die aus ß-Amyloid-Peptiden bestehen, neurofibrillären Tangles mit hyperphosphoryliertem Tau und einem weitverbreiteten neuronalen Verlust im Kortex und im Hippocampus. ß-Amyloid-Peptide entstehen durch die enzymatische Spaltung von APP durch ß- und y-Sekretase. Diese proteolytische Prozessierung wird als amyloider Weg bezeichnet. Er hat die Entstehung des Bruchstückes Aß42 zur Folge, welches der Hauptbestandteil der ß-Amyloid-Ablagerungen ist. Im neuronalen Gewebe besteht eine hohe Flotillin-Expression. Besonders hoch ist sie bei weit fortgeschrittener Alzheimer-Erkrankung. Unter Flotillinen werden zwei evolutionär hochkonservierte periphere Membranproteine zusammengefasst, die in verschiedenen Organismen ubiquitär exprimiert werden. Sie sind mit Membranmikrodomänen mittels Lipidmodifikationen und Oligomerisierung assoziiert. Flotilline enthalten am N-Terminus eine weitgehend uncharakterisierte SPFH-Domäne und gehören zusammen mit Stomatin und Prohibitin zur SPFH-Familie. Am C-Terminus der Flotilline befinden sich mehrere Glutamat- und Alanin-Wiederholungen. Die vorliegende Arbeit hatte das Ziel, die Ausprägung der ß-Amyloid-Ablagerungen im Großhirngewebe von APP-überexprimierenden (B6;129-Tg(PDGFB-APPSwInd)) Mäusen in Abhängigkeit von Alter und Geschlecht zu untersuchen und diese mit einem Flotillin-2-deletierten Mausmodell B6;129-Tg(PDGFB-APPSwInd)Flot2tm zu vergleichen. Mit Hilfe von Kongorotlösung wurden die ß-Amyloid-Ablagerungen dargestellt und mikroskopisch ausgewertet. Im Alter von ca. zwölf Monaten zeigten sich bei allen untersuchten Tieren mit APP-Überexpression deutliche Ablagerungen. Unter Berücksichtigung der Parameter-Anzahl und Größe der Ablagerungen, des Alters sowie Genotyps und Geschlechts der Mäuse konnte jedoch kein Einfluss von Flotillin-2 festgestellt werden. Dies könnte durch eine Kompensation des fehlenden Flotillin-2 durch andere Proteine, wie zum Beispiel Flotillin-1, bedingt sein. Flotillin-1 und -2 treten miteinander in Wechselwirkung und stabilisieren sich in vielen Zell- und Gewebetypen gegenseitig. Die Flotillinexpression wurde mittels Western Blot in Großhirnlysaten der Versuchstiere untersucht. Es zeigte sich eine hohe Expression von Flotillin-1 bei gleichzeitiger Flotillin-2-Deletion. So verhält sich hier die Dependenz der Flotilline zueinander anders als in anderen untersuchten Geweben vorheriger Studien. Die Unabhängigkeit der beiden Flotilline im neuronalen Gewebe lässt die Funktion der Flotilline in Neuronen durchaus umfassender erscheinen als in anderen Organen. Des Weiteren wurde die Menge an endogenem APP im Großhirn von Mäusen mit und ohne Flotillin-2-Deletion verglichen. Auch hier konnte kein signifikanter Unterschied in der Menge des unprozessierten APPs gezeigt werden. Eine Überexpression von APP steigert das Mortalitätsrisiko von Mäusen. Die zusätzliche Deletion von Flotillin-2 scheint jedoch keinen zusätzlichen Einfluss auf das Mortalitätsrisiko der APP-transgenen Mäuse zu haben. Zusammenfassend zeigt sich durch das Fehlen von Flotillin-2 allein, in dem hier untersuchten Mausmodell, keine Veränderung. Es scheint keinen Einfluss auf die Entstehung und den Schweregrad der Alzheimer-Erkrankung zu haben.
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