Diversität und Klonalität multiresistenter Acinetobacter-Stämme von Patienten deutscher Tierkliniken und Tierarztpraxen
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Zusammenfassung
Ziel der vorliegenden Arbeit war die Klassifizierung und Charakterisierung Acinetobacter-Isolate, die von Patienten aus deutschen Tierkliniken stammten. Der Schwer¬punkt lag dabei auf der Analyse des Verwandtschaftsgrads der animalen Isolate untereinander sowie des Verwandtschaftsgrads zu humanen Stämmen. Für die Untersuchungen standen 56 Acinetobacter-Feldisolate, die zwischen 2000 und 2008 aus unterschiedlichen Proben von Hunden, Katzen, Pferden, Rindern, einem Meerschweinchen, einem Wellensittich und einer Umgebungsprobe kultiviert werden konnten, zur Verfügung. Den Abschluss dieser Studie bildete eine retrospektiv durchgeführte Datenrecherche zur Ermittlung des Vorkommens von A. baumannii in veterinärmedizinischem Probenmaterial sowie einer etwaigen klinischen Bedeutung des Erregers.Hinsichtlich des Phänotyps unterschieden sich die Isolate lediglich in ihrer Wachstumsfähigkeit bei 44 °C. Dadurch war eine Einteilung in A. baumannii (n = 52) bzw. non-A. baumannii-Spezies (n = 4) möglich. Die animalen Acinetobacter-Isolate wiesen Mehrfachresistenzen auf. Mit Ausnahme der Antibiotika Amikacin, Imipenem und Polymyxin B waren die getesteten Chemotherapeutika bei der Mehrzahl der untersuchten Feldisolate unwirksam. Die molekulare Charakterisierung der 56 Acinetobacter-Feldisolate erfolgte durch Analyse der 16S rDNS und DNS-Fingerprinting.Mittels der Amplified Ribosomal DNA Restriction Analysis der 16S rRNS-Gene mit fünf Restriktionsenzymen wurde die phänotypische Klassifizierung von 52 der 56 Feldisolate als Angehörige der klinisch bedeutsamsten Spezies A. baumannii bestätigt. Für drei der phänotypisch als non-A. baumannii deklarierten Isolate konnte ein dem A. genomosp. 3 (A. pittii sp. nov., [157]) ATCC 19004-Referenzstamm entsprechendes Restriktionsprofil nachgewiesen werden. Ein Isolat (Nr. 43) wies ein bislang nicht klassifizierbares Profil auf. Durch die Makrorestriktion genomischer DNS mit der Endonuclease ApaI und der sich anschließenden Pulsfeldgelelektrophorese wurde ein genetischer Fingerabdruck erstellt. Die Acinetobacter-Isolate aus deutschen Tierkliniken zeigten hierbei einen hohen, bis zu 100 %igen Verwandtschaftsgrad. Auch die zehn Isolate aus außeruniversitären Tierkliniken und privaten Tierarztpraxen wiesen z. T. identische Bandenmuster auf. Insgesamt konnten drei Cluster sowie neun einzelne PFGE-Typen differenziert werden. Die Ergebnisse lassen darauf schließen, dass mehrere epidemische A. baumannii-Klone in deutschen Tierkliniken und Tierarztpraxen kursieren. Die genetische Diversität innerhalb dieser Spezies scheint darüber hinaus begrenzt zu sein.Eine weitere hochauflösende Fingerprinting-Methode, die sog. AFLP-Analyse, ermöglicht zeitgleich eine Speziesidentifikation sowie eine Typisierung von Acinetobacter-Feldisolaten. Die Ergebnisse der AFLP-Analysen stimmten weitgehend mit denen der PFGE überein. Darüber hinaus konnte die Zugehörigkeit von 19 Isolaten zu humanen Stämmen, den EU-Klonen I, II oder III, nachgewiesen werden. Nach diesen Ergebnissen ist A. baumannii die vorherrschende Acinetobacter-Spezies in Probenmaterial von Patienten deutscher Tierkliniken. Das Vorkommen von Isolaten des PFGE-Clusters 2 bei verschiedenen Tieren in einer Kleintierklinik über einen Zeitraum von acht Jahren weist auf ein endemisches Geschehen hin. Der Nachweis der Europäischen Klone I, II und III in kranken, hospitalisierten Tieren lässt darauf schließen, dass es sich bei der Spezies A. baumannii, ähnlich wie in der Humanmedizin, um einen ernst zunehmenden nosokomialen Erreger in der Veterinärmedizin handelt. Auf Grund der Verwandtschaft animaler und humaner Stämme ist nicht auszuschließen, dass es zu einer wechselseitigen Übertragung der A. baumannii-Stämme zwischen Mensch und Tier kommt.Verknüpfung zu Publikationen oder weiteren Datensätzen
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Anmerkungen
Erstpublikation in
Giessen : VVB Laufersweiler
