Evaluierung von Risikofaktoren unter besonderer Berücksichtigung des ProC-Globaltests an einem Kollektiv von Schlaganfallpatienten in einem Haus der Regelversorgung
In der vorliegenden Arbeit wurde die Verteilung verschiedener Risikofaktoren in einem Kollektiv mit cerebraler Ischämie in einem Krankenhaus der Regelversorgung untersucht. Ein besonderes Augenmerk lag auf der Untersuchung des Protein C-Systems als mögliche Einflussgröße für die Entstehung cerebraler Ischämien.Neben der Erfassung vieler bereits bekannter Risikofaktoren wurde der ProC-Globaltest genutzt,um Veränderungen im Protein C-System zu erfassen. Ziel war es zunächst, Unterschiede in den Risikofaktoren im Vergleich zu bereits bekannten Studienpopulationen aufzuzeigen, sowie direkte Unterschiede zu einem Vergleichskollektiv zu untersuchen. In einem Zeitraum von 12 Monaten wurden alle Patienten mit Zeichen einer cerebralen Ischämie erfasst. Neben der Erhebung anamnestischer Daten, erfolgte die Bestimmung üblicher Kreislaufparameter, die duplexsonographische Untersuchung der Carotiden, sowie die echokardio-graphische Grössenbestimmung des linken Vorhofs bei Vorhofflimmern. Labor-chemisch wurde neben der Bestimmung von Blutglucose, Cholesterin und Triglyceride auch die Prothrombinzeit nach Quick und die aPTT untersucht.
Die Untersuchung mittels des ProC-Globaltests sollte offenlegen, ob bei Patienten mit cerebraler Ischämie Hinweise auf eine APC-Resistenz bzw. pathologische Veränderungen des Protein-C-Systems vorliegen. Hierzu wurden die gleichen Daten bei einem nach Alter und Geschlecht gematchten Kollektiv ohne thromb-embolische Erkrankung erhoben.
Die Ergebnisse lassen sich wie folgt zusammenfassen:
Das hier beobachtete Patientenkollektiv von 175 Patienten mit cerebraler Ischämie ist hinsichtlich der Risikofaktoren gut vergleichbar mit einer Reihe anderer Untersuchungen.Im Vergleich zur Kontrollgruppe ergeben sich signifikant (p < 0,0001) erhöhte Werte des systolischen und diastolischen Blutdrucks. Ebenfalls trifft dies auf die gemessenen Blutzucker- und Cholesterinwerte (p < 0,0001 bzw. p < 0,0002) zu. Der BMI war in der Ischämiegruppe mit p < 0,0681 nicht signifikant erhöht.Es fand sich bei den Patienten mit cerebraler Ischämie im Vergleich zur Kontrollgruppe eine unzureichende Behandlung der arteriellen Hypertonie, des Diabetes mellitus und einer absoluten Arrhythmie. Die Untersuchung der Carotiden konnte mit p = 0,00504 eine Häufung von Stenosen >60% in der Ischämiegruppe nachweisen. Die Vorhofgröße war bei beiden Gruppen gleich (p = 0,3995).
Mit einem Ergebnis von p < 0,0001 fand sich ein signifikanter Unterschied des eingesetzten ProC-Globaltests in der Patientengruppe mit cerebraler Ischämie im Gegensatz zu der Kontrollgruppe. Der ProC-Globaltest lag bei den Patienten mit cerebraler Ischämie im pathologischen Bereich (0,772 ± 0,177 vs 0,935 ± 0,252; p < 0,0001). Zum Zeitpunkt der cerebralen Ischämie liegt damit eine Veränderung der plasmatischen Gerinnung vor. Die Untersuchung der APC-Resistenz zeigte in beiden Gruppen mit p = 0,92916 keinen Unterschied. Die Ergebnisse des eingesetzten Screening-Tests zur Erfassung des Protein-C-Systems weisen auf einen prokoagulatorischen Zustand der Patienten der Ischämiegruppe hin. Die pathophysiologische Ursache hierfür ist bisher nicht geklärt. Ob und in welchem Ausmaß eine Akutphasereaktion für cerebrale Ischämien ursächlich ist, bedarf weiteren Untersuchungen.Der Nachweis einer Störung des Protein C-Systems ist durch den Einsatz eines einfach anzuwendenden Testes möglich. Damit gelingt eine zusätzliche Beschreibung des Risikoprofils. Die weitere Klärung der Einflussfaktoren und die Evaluierung eines pathologischen ProC-Globaltestes als prospektiver Risikofaktor sind erforderlich. Möglicherweise eignet sich der ProC-Globaltest zur weiteren Risikoabschätzung für thrombembolische Ereignisse, um die medikamentöse Primär- und Sekundärprävention optimieren zu können.