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Schülervorstellungen zur Evolutionstheorie : Konzeption und Evaluation von Unterricht zur Anpassung durch Selektion

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2013

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Zusammenfassung

Die Evolutionstheorie ist eine der bedeutendsten Theorien der Naturwissenschaften, sie kann die enorme Vielfalt des Lebens faszinierend überzeugend und dabei einfach erklären. Kenntnis und vor allem auch Verständnis der Evolutionstheorie sollten zur Allgemeinbildung gehören und deshalb auch in der Sekundarstufe I im schulischen Unterricht vermittelt werden. Allerdings wird diese meist erst am Ende der Sekundarstufe I vermittelt und Forschungsergebnisse zeigen neben einem nur unbefriedigenden Verständnis zahlreiche alternative Vorstellungen von Schülern, aber auch von Studenten und Erwachsenen auf. In dieser Studie werden das Verständnis der Evolutionstheorie, die Akzeptanz der Evolution und die Vorstellungsentwicklung bei jüngeren Lernenden im Hinblick auf eine Conceptual Reconstruction im Zusammenhang mit einer Unterrichtsintervention zur Anpassung untersucht. Eine frühe und wiederholte Vermittlung der Evolutionstheorie kann dazu beitragen, ein verbessertes Verständnis durch kausale Erklärungen im Hinblick auf eine evolutionsbiologische Grundbildung zu erreichen, ist allerdings für diese Altersstufe in den Lehrplänen nicht vorgesehen. Die Daten dieser quasiexperimentellen Feldstudie im Prä-Postest-Design wurden sowohl quantitativ mit Hilfe eines Fragebogens bei insgesamt 710 Schülern, als auch qualitativ anhand von Leitfadeninterviews bei 27 Schülern der 5. und 6. Klassenstufen an Gymnasien und Gesamtschulen erhoben. Die Ergebnisse zeigen, dass die Schüler eine positive Einstellung zur Evolution und ein moderates Verständnis der Evolution haben, die allerdings in keinem Zusammenhang stehen. Die Akzeptanz der Evolution ist bei muslimischen Schülern am geringsten ausgeprägt. Die Schüler zeigen in Fragebogen und Interview ein inkonsistentes, kontextabhängiges Antwortverhalten im Zusammenhang mit dem Anpassungsprozess. Divergierende Vorstellungen, Unsicherheiten und Instabilität der Erklärungen, deuten auf spontan generierte Erklärungen hin. Finalistische Vorstellungen treten vor allem bei Rekonstruktion gegebener Angepasstheiten als Anpassungsnotwendigkeit, Anpassungswille und Anpassungszwang auf und sind häufiger als lamarckistische Vorstellungen vertreten, welche zur Erklärung des Weges der Anpassung verwendet werden. Die Schüler haben keine Vorstellung von Variation, lehnen aber die Vererbung erworbener Merkmale ab. Durch Unterricht zur Selektionstheorie entwickelte sich das Verständnis der Schüler in eine fachlich angemessene Richtung. Dieser Effekt ist im Vergleich zur Kontrollgruppe groß. In Interviews wurden Variation und selektive Konzepte, vor allem das Konzept des selektiven Überlebens, bei der Erklärung der Angepasstheit nach dem Unterricht berücksichtigt. Die Ergebnisse belegen eine Verringerung nicht nur lamarckistischer, sondern auch finalistischer Vorstellungen, wobei das Ausmaß kontextabhängig ist und Selektion noch kein für alle Schüler allgemeines Erklärungsprinzip darstellt. Vorstellungen von dichotomer Variation und einem variationslosen Anpassungsresultat zeigen indirekte Ziel-Vorstellungen und mögliche Verständnisgrenzen auf. Nach dem Unterricht tritt ein Zusammenhang zwischen dem Verstehen der Evolution und der Einstellung zur Evolution auf. Aus den Ergebnissen lassen sich Folgerungen für den Unterricht von Evolution ableiten. Eine Unterrichtsstrategie ohne kognitiven Konflikt und Thematisierung lamarckistischer Erklärungen hat sich erfolgreich gezeigt. Simulationsspiele können einen Beitrag zur Verständnisentwicklung leisten. In Aufgaben erleichtern die Rekonstruktion realer Beispiele, die Angabe von konkreten Bedingungen und Material einen Zugang zur Formulierung von Erklärungen. Finalistische Vorstellung sind zu berücksichtigen und adressieren. Es lässt sich ableiten, dass die frühe Thematisierung der Selektionstheorie eine Möglichkeit zur angemessenen Entwicklung von Schülervorstellungen bietet. Ein Verständnis dafür wie sich Arten verändern, kann sich positiv auf die Akzeptanz der Evolution auswirken.

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