Trance ist ein veränderter Bewusstseinszustand. Die besonderen Merkmale der Trance bestehen in einer stark fokussierten Aufmerksamkeit und einer reduzierten Selbstkontrolle. Solche Zustände können unter anderem durch Musik und computergenerierte Visualisierungen hervorgerufen werden. Allerdings unterscheiden sich Menschen bezüglich ihrer Ansprechbarkeit auf eine Trance-Induktion. Diese Ansprechbarkeit kann durch die Persönlichkeitseigenschaft der Absorptionsfähigkeit vorhergesagt werden.Um das Auftreten veränderter Bewusstseinszustände zu erklären, wird eine transiente Hypofrontalität diskutiert. Durch die vorübergehende Deaktivierung im präfrontalen Kortex verändert sich die Verarbeitung und Integration der Informationen aus den verschiedenen neuronalen Subsystemen. Diese Verschiebung manifestiert sich in einer Veränderung des Bewusstseins. Weiter kann angenommen werden, dass unterschiedliches Erleben während einer Trance-Induktion sich auch in unterschiedlicher neuronaler Aktivität niederschlägt. Befunde weisen darauf hin, dass ein Zusammenhang zwischen der Absorptionsfähigkeit und Aufmerksamkeitsprozessen besteht. Menschen mit hoher Absorptionsfähigkeit weisen eine effizientere exekutive Kontrolle, im Sinne von Posners Aufmerksamkeitsmodell, auf. Dies bedeutet, dass sie in der Lage sind, sich auf ein Objekt zu fokussieren und Störreize besser auszublenden. Nach Posners Modell muss sich dies in einer stärkeren Aktivierung des anterioren cingulären Kortex niederschlagen. Ebenso weisen Personen mit hoher Absorptionsfähigkeit ein intensiveres emotionales Erleben auf. Auch hier wird eine stärkere Aktivierung der an der Emotionsverarbeitung beteiligten Strukturen erwartet. Dies sind hauptsächlich die Amygdala und der insuläre Kortex.Um diese Hypothesen zu prüfen, wurde eine fMRT-Studie durchgeführt, an der 30 Personen teilnahmen. Die Hälfte der Probanden hatte in einer Vorstudie auf die Stimulation mit Musik und Visualisierungen angesprochen und Trancezustände erlebt. Die übrigen Probanden sprachen nicht auf die Stimulation an. Zur Erhebung der Absorptionsfähigkeit wurde die Tellegen Absorption Scale (TAS) verwendet. Der Bewusstseinszustand wurde über ein weiteres Fragebogeninstrument, den Phenomenology of Consciousness Inventory (PCI) erhoben. Diesem Fragebogen liegt das dimensionale Bewusstseinskonzept von Tart zugrunde. Für definierte Situationen wird der Bewusstseinszustand anhand von Erlebnisdimensionen beschrieben. Aus den Dimensionen kann mittels einer Prädiktionsgleichung der predicted Harvard Group Scale (pHGS) Wert berechnet werden. Dieser Wert gibt die Tiefe einer hypnotischen Trance an und kann als Trancetiefeindex aufgefasst werden. Außerdem wurde die Absorptionstiefe während der Trance-Induktion über eine Verlaufszeichnung erhoben. Die Probanden nahmen an einer 18 Minuten dauernden fMRT-Messung teil. Für jeweils drei Minuten zu Beginn und am Ende wurde ihnen ein Fixationskreuz präsentiert. Während der zwölf Minuten dazwischen erfolgte eine Trance-Induktion mit Musik und Visualisierungen. Zur Datenanalyse wurde das Softwarepaket SPM 2 verwendet.Die Trancetiefewerte der Induktion korrelierten mit der Absorptionsfähigkeit (r=0,418, p<0,013). Die Ausprägungen auf den Erlebnisdimensionen des PCI zeigen, dass der induzierte Zustand die Merkmale von Trance aufweist. Die pHGS-Werte belegen, dass die Hälfte der Probanden Trancezustände erlebt hat. Mit den Absorptionstiefeverläufen wurden die funktionellen Daten ausgewertet. Eine parametrische Modulation konnte eine Deaktivierung mit zunehmender Absorptionstiefe in weiten Teilen des präfrontalen Kortex nachweisen. Ebenso wurde eine positive Korrelation zwischen den Trancetiefewerten und der Hirnaktivierung im rechten anterioren cingulären und im rechten insulären Kortex gefunden. Damit wurden neuronale Aktivierungsunterschiede im exekutiven Kontrollsystem und im Emotionssystem in Abhängigkeit vom Erleben nachgewiesen.Insgesamt ist festzuhalten, dass Musik und Visualisierungen eine Induktionsmethode darstellen, die auch während einer funktionalen Messung im MRT verwendet werden kann. Die Hypofrontalitätshypothese wurde in dieser Studie erstmalig direkt überprüft und konnte bestätigt werden. Mit der Absorptionsfähigkeit ist ein Konstrukt gefunden, das Tranceerleben vorhersagt. Wie aus den Befunden zur Absorptionsfähigkeit hergeleitet, konnten erlebensabhängige Aktivierungsunterschiede im exekutiven Kontrollsystem der Aufmerksamkeit und im Emotionssystem nachgewiesen werden.
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