Untersuchungen zur Stabilisierung der frühen postnatalen Adaptationsvorgänge bei Kälbern in Mutterkuhhaltung - ein Beitrag zur Charakterisierung postnataler Anpassungsreaktionen
Ziel dieser Arbeit war es, die sensible Phase der ersten und frühen zweiten Adaptationsphase, von der Geburt bis zur 72. Lebensstunde, bei Kälbern fleischbetonter Rassen in einem geschlossenen Mutterkuhbestand zu untersuchen, um daraus folgend einen Beitrag zur Erstellung von nicht parametrischen Referenzbereichen für klinische und labordiagnostische Parameter für diese Zeitspanne zu leisten. Korrelationen zwischen klinischen und labordiagnostischen Parametern sollten aufgedeckt werden, um so klinisch relevante Beziehungen herstellen zu können
Eine Einschätzung der Vitalität anhand leicht zu erhebender ethologischer Befunde, wie erstes Kopfheben post natum, erstes sicheres Stehen und erste Kolostrumaufnahme wurde durchgeführt. Als Probanden standen insgesamt 115 mature Kälber verschiedener Rassen aus einem geschlossenen Mutterkuhbestand zur Verfügung. Die Untersuchung erstreckte sich von der Geburt bis zu 72 Stunden p. n.. Folgende 20 Parameter kamen dabei zur Auswertung: pH, Base Excess, Kohlendioxidpartialdruck, Hä¡tokrit, Gesamtprotein, Glukose, Triglyzeride, Cholesterin, Harnstoff, Kreatinin, Natrium, Kalium, Chlorid, Magnesium, AST, ALT, AP, GGT, GLDH und CK.
Die statistische Auswertung der Ergebnisse wurde unter Berücksichtigung der Faktoren Alter, Rasse, Geschlecht und Geburtsart der Kälber sowie Geburtsziffer des Muttertieres vorgenommen. Die einzelnen Messgrössen bis auf das Plasmachlorid wurden über den Untersuchungszeitraum hochsignifikant (p < 0,001) durch das Alter beeinflusst. Einflí² í³¥ der Rasse zeigten sich im Verlauf des Blut-pH-Wertes (p <= 0,01), des Base Excess (p <= 0,05) sowie der Enzyme ALT (p <= 0,05) und GLDH (p <= 0,05).
Das erste sichere Stehen post natum wurde schwach signifikant durch das Geschlecht (p <= 0,05) beeinflusst. Die Parameter pH-Wert (p <= 0,05) und Kohlendioxidpartialdruck (p <= 0,01) im venösen Blut sowie die Blutglukose (p <= 0,01) zeigten bis zum dritten Lebenstag ebenfalls Einflüsse durch das Geschlecht der Kälber.
Die Geburtsart übte einen signifikanten Einfluss auf die ethologischen Parameter des ersten Stehens (p <= 0,01) und des ersten Saugens post natum (p <= 0,01) aus, die Einstufung nach APGAR wurde sogar hoch signifikant (p <= 0,001) durch die Geburtsart beeinflusst. Labordiagnostisch konnte ein signifikanter Einfluss auf die CK-Aktivität (p <= 0,01) ermittelt werden. pH-Wert, Kaliumkonzentration und AST-Aktivität erfuhren schwach signifikante (p <= 0,05) Beeinflussungen durch die Art der Geburt.
Die Parität der Muttertiere, beeinflusste die Geburtsart signifikant (p <= 0,01). Ebenso wiesen die Serumspiegel des Gesamtproteins (p <= 0,05), von Harnstoff (p <= 0,01), Kalium (p <= 0,05), ALT (p <= 0,05) und GLDH (p <= 0,05) Einflüsse der die Geburtsziffer auf.
Im Verlauf der AP-Aktivitäten zeigten sich hoch signifikante Wechselwirkungen (p <= 0,001) mit den verschiedenen Rassen. Das Geschlecht der Kälber wies ebenso hoch signifikante Wechselwirkungen (p <= 0,001) zur GLDH-Aktivität auf. Wechselwirkungen der Geburtsart und der Zeit waren bei den Messgrössen pH-Wert (p <= 0,001), Kohlendioxidpartialdruck (p <= 0,01), Base Excess (p <= 0,001), Hämatokrit (p <= 0,001), Harnstoff (p <= 0,05) und AST-Aktivität (p <= 0,05) statistisch nachweisbar. Auf die Parameter Harnstoff (p <= 0,001), Natrium (p <= 0,05), Kalium (p <= 0,05), Chlorid (p <= 0,05) und ALT-Aktivität (p <= 0,05) waren Wechselwirkungen der Geburtsziffer der Muttertiere von der Geburt bis zur 72. Lebensstunde darstellbar.
Die Körpertemperatur der Kälber korrelierte unmittelbar nach der Geburt signifikant (p <= 0,01) mit dem Blut-pH-Wert (r = -0,283) und dem Kohlendioxidpartialdruck (r = +0,284). Zum Base Excess bestand postnatal eine schwach signifikante (p <= 0,05) Korrelation (r = -0,193). Die Blutglukosewerte korrelierten unmittelbar post natum schwach signifikant (p <= 0,05) mit dem Blut-pH (r = -0,207), dem Kohlendioxidpartialdruck (r = +0,089) und dem Base Excess (r = 0,210). Das erste Kopfheben post natum stand in hoch signifikantem (p <= 0,001) Zusammenhang mit der Vitalitätseinschätzung nach APGAR. Das erste Stehen zeigte einen signifikante (p <= 0,01) und der Zeitpunkt der ersten Kolostrumaufnahme noch einen schwach signifikanten (p <= 0,05) Zusammenhang. Zur exakten Einschätzung der labordiagnostisch ermittelten Blutwerte bei neugeborenen Kälbern ist eine vom genauen Alter abhängige Erstellung von Referenzbereichen unter Berücksichtigung nicht parametrischer Referenzbereiche notwendig.
Verknüpfung zu Publikationen oder weiteren Datensätzen