Graumulle (Cryptomys) sind unterirdisch lebende, zahngrabende Nagetiere. Sie graben lange, gerade Gänge. Ihre Kopfanatomie weicht von den uns bekannten Verhältnissen bei Nagern (Meerschweinchen, Ratte, Maus, Kaninchen) deutlich ab.Anhand von Ansells Graumull (Cryptomys anselli sp. nova), einer neu beschriebenen Art aus Sambia (Lusaka) wurde die topographische Anatomie des Kopfes erarbeitet. Zu Beginn der Untersuchungen wurde ein Kopf mit modernen bildgebenden Verfahren (Computertomographie [CT], Magnetresonanztomographie [MRT]) in drei Ebenen (transversal, horizontal und sagittal) dokumentiert. Als eine Referenz für die Auswertung und Interpretation der Schichtbilder wurden histologische Schnittserien angefertigt (ebenfalls in den drei Ebenen des Raumes). Ein Schädel wurde präpariert und als Modell für Fotografien und Röntgenaufnahmen genutzt.
Insbesondere die Schädelknochen werden beim Graumull durch die Computertomographie gut dargestellt. Die MRT ist mehr oder weniger eine Ergänzung zur CT-Dokumentation. Eine echte Grundlage stellen die histologischen Schnittserien dar; sie sind extrem reichhaltige Informationsträger und ermöglichen die Identifikation des Gewebes.
Beim Graumull prägen die Inzisiven und deren Alveolen die Kopfmorphologie. Die Oberkieferinzisiven verlaufen im Bogen nach dorsal und kaudal bis hin zur Schädelbasis. Die Unterkieferinzisiven erstrecken sich im komplementären Bogen bis zu den Kiefergelenken.
Die Schnittserien geben detaillierte Einblicke in die Anatomie des Kopfes. Die einzelnen Untersuchungsmethoden ergänzen sich gegenseitig zu einem komplexen Gesamteindruck vom Kopf des Graumulls.
Als eine Art 'Nebenprodukt' ist bei den vorliegenden Untersuchungen ein topographischer Atlas des Kopfes von Cryptomys anselli entstanden, welcher als eine Fundgrube für die Anpassungen dieser Tiere an ihren Lebensraum unter Tage dienen kann.
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