Krankheits- und behandlungsrelevante Besonderheiten türkischer Migranten mit Gesundheitsstörungen : Anregungen zur Optimierung der Versorgung

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Türkische Migranten stellen eine sehr wichtige Zielgruppe in der medizinischen, psychiatrischen und psychosomatischen Versorgung dar, weil sie von körperlichen wie psychischen Erkrankungen häufiger und stärker betroffen sind als Personen deutscher Herkunft. Ihre momentane gesundheitsbezogene Versorgungssituation in Deutschland weist eine Vielzahl an Defiziten auf, obwohl sie die größte Migrantengruppe darstellen. Ein wichtiger Grund dafür ist unzureichendes Wissen und die mangelhafte Beachtung krankheitsrelevanter Besonderheiten in der Behandlung. Das Ziel der vorliegenden Arbeit bestand darin, diese Besonderheiten zu analysieren, ihre Bedeutsamkeit für Behandlungsergebnisse zu bewerten und daraus Anregungen zur Optimierung der Versorgung abzuleiten. Dazu wurden Patienten türkischer Herkunft und eine Kontrollgruppe deutscher Patienten (parallelisiert nach Alter, Geschlecht, Diagnose und Behandlungsort) mittels muttersprachlicher standardisierter Interviews befragt. Für die Auswertung wurden 4 Gruppen gebildet (türkische Patienten mit koronaren Herzerkrankungen, deutsche Patienten mit koronaren Herzerkrankungen, türkische Patienten mit psychiatrischen Diagnosen aus dem F3/F4-Bereich der ICD-10 und deutsche Patienten mit psychiatrischen Diagnosen aus dem F3/F4-Bereich der ICD-10). Patienten türkischer Herkunft gaben im Vergleich zu deutschen Patienten pessimistischere subjektive Krankheitskonzepte, eine stärkere Somatisierungsneigung, eine maladaptivere krankheitsspezifische Stressverarbeitung, eine größere Anzahl kritischer Lebensereignisse und migrationsassoziierter Belastungen, eine andere Ausprägung auf Persönlichkeitsfaktoren, eine geringere Zufriedenheit mit der außerfamiliären sozialen Unterstützung, eine geringere fremdeingeschätzte Behandlungsmotivation trotz Vorliegens einer stärkeren Änderungsbereitschaft und stärkere Rentenwünsche an. Sie wiesen nicht nur schlechtere Behandlungsergebnisse am Ende der Behandlung auf, sondern fühlten sich bereits zu Behandlungsbeginn stärker beeinträchtigt als deutsche Patienten. Obwohl es Unterschiede bezüglich des Ausmaßes und der Signifikanz der Prädiktionskraft einzelner krankheitsrelevanter Faktoren zwischen deutschen und türkischen Patienten der jeweiligen Diagnosegruppen gab, hatten sie immer die gleiche Beeinflussungsrichtung auf die Parameter des Behandlungsergebnisses. So wirkten sich ein hoher Neurotizismuswert und eine hohe Anzahl an migrationsassoziierten Belastungen bzw. vergleichbaren Belastungen über alle 4 Gruppen negativ auf die Behandlungsergebnisse aus. Bei den beiden psychiatrischen Gruppen zeigten sich zudem herkunftsunabhängig pessimistische Krankheitsvorstellungen, eine niedrige Extraversion, eine hohe Anzahl kritischer Lebensereignisse, eine niedrige Behandlungsmotivation und hohe Rentenwünsche als Prädiktoren schlechter Behandlungsergebnisse, während bei den beiden KHK-Gruppen ebenso herkunftsunabhängig starke maladaptive Stressverarbeitung, niedrige Ausprägungen auf Gewissenhaftigkeit, eine Unzufriedenheit mit der Unterstützung durch Freunde und eine schwache Änderungsbereitschaft hinsichtlich präventiven Verhaltens zu schlechten Behandlungsergebnissen beigetragen haben. Es fiel auf, dass die bei Patienten türkischer Herkunft gefundenen Besonderheiten krankheitsrelevanter Faktoren durchweg schlechte Behandlungsergebnisse prädizierten. Entsprechend dem Stressverarbeitungs-Mediator-Modell wurden bei türkischen und deutschen Patienten unterschiedliche Effekte der Persönlichkeit und subjektiver Krankheitskonzepte über Stressverarbeitung auf verschiedene Behandlungsergebnis-Parameter vermittelt, wobei fast ausschließlich Parameter des ersten Messzeitpunkts t0 prädiziert wurden. Die vom Arzt eingeschätzte Behandlungsmotivation war jedoch nur bei deutschen Patienten Mediator der Effekte des Glaubens an den eigenen persönlichen Einfluss und des Rentenwunsches auf Behandlungsergebnisse. Im Rahmen des Stress-Modells eigneten sich herkunftsunabhängig eher (migrationsassoziierte) Belastungen und soziale Unterstützung als Mediatoren der Effekte von Persönlichkeit, Stressverarbeitung und (sozialer Unterstützung) als kritische Lebensereignisse. Akkulturation wirkte sich nicht nur direkt positiv auf die Arzteinschätzungen aus, sondern entfaltete im Rahmen des Akkulturations-Modells auch eine puffernde Wirkung auf das Leiden unter migrationsassoziierten Belastungen.

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Volltext ist aus urheberrechtlichen Gründen nicht mehr zugänglich. Neue Fassung der Dissertation: http://dx.doi.org/10.22029/jlupub-14639

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