Bewegung, speziell sportliche Aktivität stellt einen wesentlichen Bestandteil in der kausalen Therapie des Typ-2-Diabetes dar. Leitlinien empfehlen auf Grundlage von Studien mit Trainingsumfängen von mindestens drei Einheiten pro Woche und der Beobachtung einer inversen Dosis-Wirkungs-Beziehung zwischen Energieaufwand und Gesamtmortalität sowie kardiovaskulärer Morbidität ein hohes körperliches Aktivitätsniveau, insbesondere ein betreutes Ausdauer- und Krafttraining mehrmals pro Woche. Bewegungsprogramme sind jedoch bei psychischer oder körperlicher Überforderung zum Scheitern verurteilt. Zudem sind Ergebnisse eines wöchentlich nur zweimaligen Trainings in der wissenschaftlichen Literatur zu vermissen.Die vorliegende kontrollierte und größtenteils randomisierte Interventionsstudie untersuchte gesundheits- und leistungsrelevante Effekte eines betreuten, wöchentlich lediglich zweimaligen Trainings mit 30 45 Minuten pro Trainingseinheit und moderater Intensität in den Formen Ausdauer, Kraftausdauer und der Kombination der beiden Formen über einen Zeitraum von 26 Wochen. Die Prüfung auf Effekte erfolgte anhand von Differenzwerten der erhobenen Daten vor und nach dem Interventionszeitraum, primär im Intergruppenvergleich der drei Interventionsgruppen und der Wartekontrollgruppe durch einfaktorielle ANOVA und Kruskal-Wallis-Test auf dem Signifikanzniveau 0,05. Die Messungen umfassten Glukosekontrolle, anthropometrische Daten, Körperzusammensetzung, spiroergometrische Daten, isometrische Kraftwerte und gesundheitsbezogene Lebensqualität.Die Patienten in den Interventionsgruppen waren im Vergleich mit der Wartekontrollgruppe insbesondere im Ausdauer- und Kraftvermögen verbessert. Alle Variablen der Spiroergometrie zeigten bei allen Trainingsgruppen Verbesserungen. Der VO2-Peak ist als Prädiktor der kardiovaskulären Mortalität und der gesundheitsbezogenen Lebensqualität hervorzuheben. Die isometrischen Kraftwerte waren beim Oberkörperdruck in allen drei Interventionsgruppen sowie bei zwei von drei weiteren Muskelkraftpositionen in verschiedenen Trainingsgruppen verbessert. Als Hinweis auf verbesserte Glukosekontrolle waren nur die Vergleiche der Kraftausdauergruppe mit der Wartekontrollgruppe beim Nüchterninsulin und beim HOMA-Index signifikant, während HbA1c, Nüchternglukose und Glukose im oGTT nicht signifikant waren. Aus internistischer Sicht ist der Nutzen einer Abnahme des BMI in allen drei Sportgruppen aufgrund heterogener Mittelwertveränderungen der absoluten Körperfettmasse und größeren Mittelwertabnahmen der absoluten Muskelmasse in diesen Gruppen infrage zu stellen. Bei der visuellen Analogskala zur Einschätzung des aktuellen Gesundheitszustands ergab sich eine Verbesserung in der Kombinationsgruppe. Die in der Wartekontrollgruppe erfolgte Erhöhung der antidiabetischen Medikation im Interventionszeitraum ist bei eher unverändert bis geringfügig reduzierter Medikation unter allen Trainierenden hinweisend auf einen Nutzen der gewählten Trainingsprogramme.Zwischen den drei Trainingsgruppen zeigte sich kein unterschiedlicher Effekt. Somit lässt sich aus den Ergebnissen keine zu bevorzugende Trainingsform ableiten.Sofern die Vergleiche der vier Gruppen nicht signifikant waren, erfolgte unter explorativem Ansatz der Vergleich der Trainierten als eine große Gruppe gegen die Wartekontrollgruppe, um die Daten bei statistisch relevant größerer Gruppe und nicht weiter adjustiertem Signifikanzniveau von 0,05 zu beurteilen. HbA1c, Nüchternglukose und oGTT waren in der Sportgruppe verbessert. Die Fettmasse war reduziert bei gleichzeitig größerer Abnahme der Muskelmasse. Die signifikanten Ergebnisse bei der körperlichen Summenskala des Fragebogens SF-12 weisen auf eine Verbesserung der gesundheitsbezogenen Lebensqualität hin.Der Vergleich der Ergebnisse der vorliegenden Studie mit denen anderer Studien stellt weitestgehend eine größere Wirkung von höherem Trainingsumfang auf diabetesrelevante Variablen nicht infrage. Signifikanzen bei verschiedenen Variablen weisen auf eine größere Wirkung gegenüber Studienergebnissen mit gesteigerter Alltagsaktivität oder nicht engmaschig betreutem Training hin.Die Patienten wiesen überwiegend bereits vor Interventionsbeginn einen HbA1c im Zielkorridor gemäß DDG sowie altersentsprechende Normwerte beim SF-12 auf. Patienten mit ausgeprägterer Typ-2-Diabetes-Erkrankung und größerem Verbesserungspotential waren aufgrund gegebener Ausschlusskriterien und der Motivation, welche notwendig und vorwiegend bei Patienten mit größerer Compliance vorhanden ist, weniger in den Gruppen vertreten. Im Gegensatz zu anderen Studien wurde bei der vorliegenden Studie kein Mindestwert des HbA1c zu Studienbeginn vorgegeben.Die signifikanten Ergebnisse einzelner Interventionsgruppen und des gesamten Trainingskollektivs geben Hinweise auf verschiedene positive Effekte eines wöchentlich zweimaligen Trainings von 30 45 Minuten pro Trainingseinheit. Gleichzeitig ist zu hinterfragen, ob größere Interventionsgruppen zwischen den drei verschiedenen Trainingsformen unterschiedliche Effekte aufgezeigt hätten. Darum kann die Durchführung eines niederfrequenten Trainings mit größeren Gruppen empfohlen werden. Mit längerer Beobachtungszeit könnten zudem Trainingsakzeptanz, langfristige Effekte und klinische Endpunkte besser beurteilt werden.
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