Anthropometrische und psychosoziale Prädiktoren für den langfristigen Erfolg einer ambulanten Lifestyleintervention bei übergewichtigen und adipösen Kindern und Jugendlichen
Einleitung: Der Effektivitätsnachweis einer ambulanten Therapie von übergewichtigen und adipösen Kindern und Jugendlichen ist in der Vergangenheit mehrfach erbracht worden und weist zufriedenstellende Ergebnisse auf. Dennoch ist die Behandlung kontinuierlich zu verbessern. Diesbezüglich sind Teilnehmermerkmale, sog. Prädiktoren, zu eruieren, die den langfristigen Erfolg und die postinterventionelle BMI-SDS Entwicklung beschreiben.Methode: An der einjährigen ambulanten multimodalen Therapie nahmen 111 übergewichtige und adipöse Teilnehmer im Alter zwischen 7 und 15 Jahren teil. Der BMI und BMI-SDS der Teilnehmer, der BMI aller Familienmitglieder, die familiäre psychosoziale Risikobelastung sowie die Bindungseinstellung der Mutter wurden gleichermaßen wie die Depressionsneigung und die Lebensqualität aller Teilnehmer sowohl zu Beginn und nach Ende der Intervention als auch zur 1-Jahres-Follow-up Untersuchung erhoben.Ergebnisse: In der univariaten Analyse sind die Merkmale jüngeres Teilnehmeralter (p<0,05), niedriger BMI der Eltern (Mutter: p<0,05, Vater: p<0,10) und die Abwesenheit von übergewichtigen Geschwistern (p<0,05) zu Beginn der Intervention, das Fehlen einer Depres-sion (p<0,001) und das Vorliegen einer offener Bindungseinstellung mit Bereitschaft für Nähe zu anderen der Mutter (p<0,1) wie auch eine geringe familiäre psychosoziale Risikobelastung (p<0,1) signifikant mit dem Langzeiterfolg der Intervention (BMI-SDS Reduktion >5%) assoziiert. In der multivariaten Analyse erweisen sich lediglich das Fehlen einer Depression der Mutter wie auch die Abwesenheit übergewichtiger Geschwister als signifikante Prädiktoren für den Langzeiterfolg (BMI-SDS Reduktion >5%).In dem Zeitraum zwischen Ende der Intervention und der 1-Jahres-Follow-up Untersuchung zeigte sich eine signifikante Assoziation zwischen der BMI-SDS Zunahme der Teilnehmer mit dem Vorhandensein einer depressiven (p<0,05) und adipösen (p<0,05) Mutter, ihrer Angst, eine nahestehende Person zu verlieren (p<0,01) sowie mit einem geringen väterlichen Bildungsniveau (p<0,05). Die Angst der Mutter, eine ihr nahestehende Person zu verlieren, erwies sich in der multivariaten Analyse als einzig signifikanter Prädiktor für eine postinterventionelle BMI-SDS Zunahme.Diskussion: Die Ergebnisse betonen die Notwendigkeit - insbesondere im Hinblick auf die Praxis - o.g. Prädiktoren für den Langzeiterfolg einer ambulanten Gewichtsreduktionsinter-vention zu beachten. Dabei nehmen nicht nur die anthropometrischen wie psychosozialen Merkmale des Kindes sondern der gesamten Familie eine entscheidende Rolle ein. Mit Hilfe dieser Prädiktoren ist es möglich, zukünftigen Teilnehmern das Gefühl des Misserfolgs zu ersparen und die langfristige Erfolgsrate aller Teilnehmer zu erhöhen.
Verknüpfung zu Publikationen oder weiteren Datensätzen