Hefen der Gattung Malassezia (M. furfur, M. sympodialis, M. globosa, M. obtusa, M.restricta, M. slooffiae, M. pachydermatis) sind ubiquitär auftretende Hefen. Mit Ausnahmevon M. pachydermatis besteht eine Abhängigkeit von der Versorgung mit längerkettigenFettsäuren, so dass Malassezia-Hefen zu den wenigen obligat lipophilen Mikroorganismengehören. Aufgrund ihrer Lipophilie lassen sie sich besonders in den talgdrüsenreichenKörperarealen nachweisen. Da sich im Bereich der Glans penis freie Talgdrüsen befinden,sogenannte Tyson`sche Drüsen, stellte sich die Frage, ob auch hier Malassezia-Hefenregelhaft anzutreffen sind.
Zu Erkrankungen der Vulva durch Malassezia spp. gibt es Einzelberichte, ebenso hinsichtlichdes Auftretens der Pityriasis versicolor, der häufigsten durch Malassezia verursachtenErkrankung, im Bereich der Glans penis oder des Penisschaftes.
Über eine Mitbeteiligung der Malassezia-Hefen an der residenten Flora der Glans penis bzw.des Präputialraumes wurden bisher in der Literatur keine Angaben gemacht, ebenso fehlteeine Aussage bezüglich des Vorkommens im Bereich des hinteren Vaginalgewölbes. In dieserArbeit wurden Vorkommen, Häufigkeit und Artenspektrum von lipophilen Malassezia-Hefenbei gesunden, in der Mehrzahl nicht zirkumzidierten Männern untersucht. Dabei sollten auchdie Standardisolationsmedien zur Anzucht von Malassezia-Hefen, mDixon und Leeming-Notman-Agar, hinsichtlich Anzuchthäufigkeit und isoliertem Erregerspektrum verglichenwerden. Ebenso sollte auf die mögliche Beteiligung der Hefen auf genitale Erkrankungeneingegangen werden.
Nach 10 tägiger Inkubation bei 32°C wurden die Malassezia- und Candida-Hefen nachmikromorphologischen und biochemischen Kriterien differenziert.
Nahezu jeder zweite Proband der untersuchten 130 Männer wies eine Besiedlung desPräputialraumes mit Malassezia spp. auf, wobei am häufigsten die Spezies M. sympodialisund M. globosa nachgewiesen werden konnten, die auch zu den häufigsten Malassezia-Hefenauf der übrigen menschlichen Haut gehören. M. pachydermatis konnte nur in 2 Fällennachgewiesen werden. M. furfur, der möglicherweise bedeutsam in der Pathogenese derPityriasis versicolor ist, wurde nur bei einem Probanden isoliert.
Aufgrund der Untersuchung ist anzunehmen, dass Malassezia-Hefen möglicherweiseBestandteil der residenten Mikroflora der Haut im Bereich der Glans penis sind. DerNachweis der Malassezia-Hefen im Bereich der Glans penis könnte die Bedeutung an derMitbeteiligung zahlreicher Erkrankungen des äußeren Genitale vermuten lassen, so etwa beider Balanoposthitis, dem seborrhoischen Genitalekzem, der Psoriasis im Bereich der Glans,dem Lichen planus im Bereich des Genitale, der Follikulitis, der Tysonitis und dematopischen Ekzem mit Beteiligung des äußeren Genitale.
Bezüglich der Anzüchtung auf den beiden zur Anzüchtung von Malassezia Hefenempfohlenen Standardmedien konnten keine auffälligen Unterschiede in der Differenzierungnachgewiesen werden. Die erhaltenen Werte für die Kolonisation mit Candida spp. sind mitdenen der Literatur vergleichbar, ebenso das Spektrum der differenzierten Candida-Hefen.Um die Rolle von M. spp. in der Physiologie und Pathophysiologie der Genitalregion zubestimmen, ist die Anwendung von lipidhaltigem Medium bei Männern mit rezidivierendenund potentiell infektiösen Erkrankungen des äußeren Genitale zu empfehlen. Wird wie indieser Untersuchung auf Cycloheximid verzichtet, so kann auch die Candida-Flora miterfasstwerden. Eine Diagnosestellung durch Pilznachweis ist unerlässlich, wenn nicht unnötigeTherapieversager in Kauf genommen werden sollen, da alleine schon die Standortflora desPräputialraumes eine hohe Komplexität und Inkonstanz aufweist. Die exakte Diagnose ist alsodie Voraussetzung für eine gezielte Behandlung.
Bei 100 Frauen konnten mittels Vaginalabstrich aus dem hinteren Scheidengewölbe keineMalassezia Hefen nachgewiesen werden, wobei wohl auch der vaginale pH (~ 4,5) eine Rollespielt, da er unterhalb des Wachstumsoptimums von Malassezia-Hefen liegt, zum anderenmögen andere lokale Faktoren eine Rolle spielen.
28 % der Frauen wiesen, wie schon aus früheren Studien zu erwarten war, eine Candida-Besiedlung auf, wobei der größte Anteil (> 2/3) wie ebenfalls zu erwarten auf C. albicans fiel.Bei Frauen mit klinischer Symptomatik im Bereich der Vulva, beispielsweise bei vulvärenDystrophien oder einer unklaren Schuppung im Bereich der Vulva ist aber zumindest an dieMöglichkeit einer Malassezia Besiedlung im Sinne einer Pityriasis versicolor oder einerMalassezia-Follikulitis zu denken.
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