Untersuchungen zum Fortpflanzungszyklus von Warzenenten (Cairina moschata forma domestica)
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Zusammenfassung
Warzenenten (Cairina moschata forma domestica) gewinnen in der industriellenGeflügelproduktion immer mehr an Bedeutung. Im Gegensatz zu anderenNutzgeflügelgattungen ist über die Physiologie und über die Möglichkeiten derEinflussnahme auf den Fortpflanzungszyklus bei Warzenenten nur wenig bekannt. Ein Zieldieser Arbeit war es, biostimulatorische Effekte männlicher Artgenossen auf Enten vorEintritt in die Legeperiode nachzuweisen und eine klinische Untersuchungsmethode zurVorhersage des Legebeginns zu etablieren. Ein weiteres Ziel war es, die makroskopische undmikroskopische Morphologie des Oviductes und die Größenentwicklung der Dotterkugelnvon Warzenenten unter dem Aspekt von Veränderungen während des Fortpflanzungszykluszu charakterisieren und deren potentielle Beeinflussung durch die peripheren Konzentrationenvon Östradiol-17beta und Progesteron zu untersuchen. Zusätzlich sollte festgestellt werden, wound wie lang während der Lege- und Brutperiode Spermien im weiblichen Genitale nacheinmaligem Tretakt aufzufinden sind. Zur Detektion biostimulatorischer Effekte wurden 15Warzenenten bis zu ihrem Legebeginn mit permanentem optischen, akustischen undolfaktorischen Kontakt zu einem Erpel und 15 Tiere ohne jeglichen Kontakt zu einemmännlichen Artgenossen gehalten. Es zeigte sich, dass Enten mit Erpelkontakt 16 Tage ehermit dem Legen beginnen, als unstimulierte Tiere (p = 0,003). Bei 29 ausgewachsenenWarzenenten wurden die Kloaken vor dem Legebeginn jeden zweiten Tag klinischuntersucht. Die Rötung, Ödematisierung und Öffnung des Musculus sphincter cloacae, dieFeuchtigkeit der Kloakenöffnung und die Rötung und Vorwölbung der Kloakalschleimhautwurden beurteilt und einer von vier Befundklassen zugeordnet. Warzenenten, die derBefundklasse 2 entsprechen, stehen maximal 26 Tage vor ihrem Legebeginn. Wenn die TiereKloaken der Befundklasse 3 aufweisen, werden sie nach spätestens 14 Tagen ihr erstes Eiablegen. Entsprechen die Kloaken der Tiere der Befundklasse 4, werden sie binnen ein biszwei Tagen mit dem Legen beginnen oder haben bereits gelegt. Für die Untersuchung derhormonellen und anatomischen Veränderungen wurden 35 Warzenenten verschiedenenFortpflanzungszyklusphasen (infantil [70 Tage alt], juvenil [275 290 Tage alt], nach Legendes 1., 2., 4., 6., 10., 15. und 20. Eies, 5 Tage brütend und 35 Tage brütend) beziehungsweiseFortpflanzungszyklusperioden (noch nicht legend, legend, brütend) zugeordnet. Es zeigtesich, dass die Serumkonzentrationen von Östradiol-17beta und Progesteron von der Periode nichtlegender Tiere gegenüber der Legeperiode signifikant ansteigen. Nach dem Übertritt in dieBrutperiode kommt es zu einem signifikanten Abfall der Hormonkonzentrationen imBlutserum. Das Oviduct von Warzenenten lässt sich makroskopisch in Infundibulum,Magnum, Isthmus, Uterus und Vagina einteilen und weist während des Reproduktionszyklusmassive Längenveränderungen auf. Infantile Tiere besitzen mit durchschnittlich 107 ± 9 mmdie kürzesten Eileiter. Die Länge der Oviducte steigt im weiteren Verlauf desFortpflanzungszyklus stetig an, bis sie nach der Ablage des 10. Eies ihr Maximum von 632 ±58 mm erreicht hat. Danach nimmt sie bis zum Ende Brutperiode stetig ab und beträgt am 35.Bruttag 235 ± 87 mm. Diese Längenänderungen korrelieren signifikant mit denSerumkonzentrationen von Progesteron (r = 0,635; p < 0,001) und Östradiol-17beta (r = 0,733; p< 0,001). Auch die mittleren Oviductdurchmesser und die Durchmesser der dominierendenDotterkugeln am Ovar nehmen mit zunehmenden Östradiol-17beta- und Progesteronwerten bisin die Legeperiode zu und sinken dann in der Brutperiode entsprechend der Hormonwerte ab.Zur Erhebung der mikroskopischen Befunde wurden die Oviducte von 34 Enten alle 5 cmquergeschnitten und Hämatoxilin-Eosin gefärbt. Im Querschnitt ist das aus Mucosafaltengebildete Innenrelief des Oviductes sichtbar. Jeder Abschnitt des Oviductes weist eine, für ihntypische Morphologie der Fältelung der Tunica mucosa auf. Die Anzahl der Primärfalten je1000 µm im Querschnitt ist im Infundibulum mit 8,81 ± 3,02 signifikant höher als in allenanderen Oviductabschnitten (p < 0,001). Vor allem im Magnum und im Uterus sinken diePrimärfaltenzahlen je 1000 µm während der Legeperiode signifikant unter die der anderenPerioden des Fortpflanzungszyklus. Die Veränderungen in diesen Abschnitten stehen imsignifikanten Zusammenhang mit den peripheren Konzentrationen von Östradiol-17beta undProgesteron und sind wahrscheinlich auf die Anzahl und Aktivität der Propriadrüsenzurückzuführen. Alle Abschnitte des Oviductes, außer der Vagina weisen ein einschichtig bismehrreihig hochprismatisches Epithel aus Becher- und kinozilientragenden Zellen auf. SeineDicke beträgt durchschnittlich zwischen 19,29 ± 4,93 µm im Infundibulum und 20,90 ± 7,91µm im Magnum. Beim Übergang in den Uterus kommt es zu einer signifikanten Zunahme dermittleren Epitheldicke auf 30,46 ± 4,16 µm (p < 0,001). In der Vagina findet sich einmehrschichtig hochprismatisches Epithel, das mit durchschnittlich 53,16 ± 10,12 µmsignifikant dicker als in allen anderen Oviductabschnitten ist (p < 0,001). In der Laminapropria finden sich, außer im Infundibulum und in der Vagina tubuläre Drüsen, die keineAusführungsgänge besitzen und in den jeweiligen Zyklusperioden morphologischeVeränderungen aufweisen. In der Lamina propria der ovarialen Vagina, finden sich, alsInvaginationen des Epithels, Sperm-Storage-Tubules (SST), die der Spermaspeicherungdienen. Sie konnten bei neun Tieren histologisch dargestellt werden. Bis nach der Ablage dessechsten Eies konnten Spermatozoen in den SST gefunden werden, was eineMindestspeicherzeit von Spermatozoen in den SST von Warzenenten von fünf Tagen belegt.Im Oviductlumen waren bei keinem der Tiere Spermatozoen aufzufinden. Da alle Tiere zurgleichen Tageszeit geschlachtet wurden, weist dieser Befund auf eine diskontinuierlicheFreisetzung der Spermien aus den SST hin. Die dargestellten Ergebnisse sind Grundlage füreine Steigerung der Effizienz der Produktion von Warzenenten und für weitergehende Studienzur Etablierung biotechnischer Verfahren zur Beeinflussung des Fortpflanzungszyklus beidieser Tierart.Verknüpfung zu Publikationen oder weiteren Datensätzen
Beschreibung
Anmerkungen
Erstpublikation in
Giessen : VVB Laufersweiler
