Veränderung der Beliebtheit und der Wahrnehmung von Fett im Verlauf eines Gewichtsreduktionsprogramms für Adipöse : Einfluss von Fettverzehr, Körpergewicht und PROP-Tasterstatus

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Zur Gewichtsreduktion und -stabilisierung empfiehlt die Deutsche Adipositas-Gesellschaft die Reduktion des Fettanteils in der Ernährung. Ob Gewichtsabnahme und eingeschränkter Fettverzehr auch die Beliebtheit von Fett dahingehend verändern, dass fettreiches Essen weniger gemocht wird und somit eine günstige Langzeitprognose für die Stabilisierung des neuen Körpergewichts entsteht, untersuchte die vorliegenden Arbeit sechs Monate lang an 46 adipösen Teilnehmern eines einjährigen ambulanten Gewichtsreduktionsprogramms. Ferner wurde geprüft, inwieweit dadurch auch die Wahrnehmung von Fett beeinflusst wird. 31 weibliche und 15 männliche Teilnehmer bewerteten vor Beginn des Gewichtsreduktionsprogramms, nach drei Monaten Formuladiät und nach weiteren drei Monaten jeweils fünf ungesüßte Milchlösungen unterschiedlichen Fettgehaltes daraufhin, wie sehr sie die Lösungen mögen bzw. deren Fettgehalte von fettarm bis fettreich einstufen. Bisherige Studien mit Normalgewichtigen sahen einen Zusammenhang zwischen Wahrnehmung und Beliebtheit von Fett und der genetisch bedingten Bitterwahrnehmung von 6-n-Propylthiouracil (PROP). Mittels Intensitätsratings wurde daher zusätzlich ermittelt, ob die Teilnehmer Non-, Medium- oder Supertaster von PROP sind. Während Erstere PROP nicht oder kaum als bitter schmecken, empfinden Letztere beim Testen einen extremen Bittergeschmack. Im Untersuchungszeitraum ging der BMI von ausgangs knapp 39 auf etwa 32 kg/m2 zurück, der prozentuale Fettverzehr sank in dieser Zeit von fast 40 auf knapp 23. Während der dreimonatigen Formuladiät lag er bei etwa 20. Die fettreichen Milchlösungen wurden mehr gemocht als die fettarmen, nach der Formuladiät nahm deren Beliebtheit tendenziell noch zu. Während kein Zusammenhang zwischen BMI, Körpergewicht und der Fettbeliebtheit gefunden wurde, ergab sich eine positive Korrelation mit der Gewichtsabnahme über sechs Monate, der in der linearen Regression nur noch schwach signifikant war. Die Fettzufuhr beeinflusste weder zu Beginn noch nach sechs Monaten die Beliebtheit der Milchlösungen. Auch aufgeteilt nach Fettklassen zeigte sich zu Beginn der Studie kein Unterschied. Jedoch mochten nach sechs Monaten diejenigen, die bis zu 30 Energieprozent Fett verzehrten, die fettreichen Milchproben signifikant mehr als jene mit einem Fettverzehr > 30 bis einschließlich 35 Energieprozent. Die Fettgehalte der Milchlösungen konnten von den Teilnehmern unterschieden werden. Nach drei Monaten Formuladiät verbesserte sich die Wahrnehmung von Fett signifikant, nach sechs Monaten war allerdings kein signifikanter Unterschied zum ersten und zweiten Messzeitpunkt auszumachen. Dabei nahmen weder der BMI, das Körpergewicht noch die Höhe der Gewichtsabnahme Einfluss auf die Wahrnehmung von Fett. Dagegen ergab sich zu Beginn ein signifikant positiver Einfluss des Fettverzehrs auf die Fettwahrnehmung, der sich durch Einteilung in Fettklassen bestätigte: Wer am meisten Fett konsumierte, nahm die Fettgehalte der Milchlösungen besser wahr. Dies traf tendenziell auch nach sechs Monaten zu: Ein Fettverzehr > 30 bis einschließlich 35 Energieprozent ging schwach signifikant mit einer besseren Wahrnehmung einher als ein Fettverzehr bis zu 30 Energieprozent. Unter den untersuchten Adipösen fanden sich signifikant mehr Nontaster als Supertaster. Davon abgesehen nahm der PROP-Tasterstatus aber entgegen der Annahmen weder Einfluss auf die Beliebtheit noch die Wahrnehmung von Fett. Ebenfalls ließen sich keine Unterschiede im Fettverzehr und beim BMI der drei Tastergruppen feststellen. Die Ergebnisse zeigen, dass nach sechs Monaten Studiendauer ein moderater Fettkonsum bei Adipösen eine höhere Beliebtheit von "fettarm" bedingt. Ein stark eingeschränkter Fettkonsum hingegen bewirkt das Gegenteil, dass nämlich "fettreich" hedonisch höher bewertet wird. Bisherige Studien deuten darauf hin, dass diese Beliebtheit von endogenen Opioiden im Belohnungssystem vermittelt wird. Auf dieses nehmen ferner Dopamin und Verhaltenstherapiemaßnahmen wie die kognitive Kontrolle Einfluss, so dass sich das Belohnungssystem direkt auf Essverhalten und Übergewicht auswirkt. Entgegen gängiger Annahmen lässt sich die Fettwahrnehmung in der vorliegenden Arbeit beeinflussen, was auch vermehrt Studien mit bildgebenden Verfahren bei Adipösen bestätigen. Der PROP-Tasterstatus der hier untersuchten Adipösen spielt dagegen hinsichtlich der Beliebtheit und Wahrnehmung von Fett keine Rolle.

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Erstpublikation in

Göttingen : http://www.sierke-verlag.de/>Sierke; 2008

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