Effekte der intragastralen Applikation von Natrium- oder Magnesiumsulfat bei Pferden mit primären Dickdarmobstipationen

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Im Rahmen einer prospektiven randomisierten Studie wurden die Effekte der salinischen Laxantien Glaubersalz (Natriumsulfat-Dekahydrat; Na2SO4 x 10 H2O) und Bittersalz (Magnesiumsulfat-Heptahydrat; MgSO4 x 7 H2O) bei Pferden mit primären Caecum- und Colonobstipationen untersucht. Dazu wurden insgesamt 40 Patienten, welche im Zeitraum von Juli 2005 bis April 2009 in der Klinik für Pferde, Innere Medizin der Justus-Liebig-Universität Gießen vorgestellt wurden, anhand zuvor festgelegter Ein- und Ausschlusskriterien selektiert und in die Studie aufgenommen. Nach zufälliger Zuteilung zu einer der beiden Therapiegruppen (Gruppe 1 Glaubersalz, Gruppe 2 Bittersalz) erhielten die Tiere das entsprechende Laxans per Nasenschlundsonde. Beide Salze wurden in einer Dosierung von 1 g/kg Körpergewicht in hypertoner Lösung verabreicht. Die Salzlösungen waren dabei unterschiedlich konzentriert (Natriumsulfat: 10%ig, Magnesiumsulfat: 15,4%ig), um Lösungen gleicher Osmolalität zu erhalten. Zusätzlich erhielten alle Patienten Buscopan® compositum, sofern dies nicht innerhalb der zurückliegenden 6 Stunden bereits geschehen war. Über einen Beobachtungszeitraum von insgesamt 48 Stunden wurden die Pferde regelmäßig klinisch und labordiagnostisch untersucht. In vorgegebenen Abständen erfolgten rektale Untersuchungen mit gleichzeitiger Entnahme von Kotproben zur Bestimmung des Trockenmasseanteils. Zudem wurde die Tränkeaufnahme protokolliert. Bezüglich der klinischen Parameter ergab sich kein Unterschied zwischen den Therapiegruppen. Alle Pferde konnten geheilt aus der Klinik entlassen werden, wobei 35 von 40 Pferden (87,5%) bereits nach 24 Stunden keine Verstopfung mehr aufwiesen. 7 Pferde mit physiologischem Befund nach 24 Stunden zeigten nach 48 Stunden allerdings wieder gering- bis mittelgradig obstipierte Dickdarmanteile. Bei 3 Tieren mit hochgradigen Colonobstipationen waren weitere medikamentöse Therapiemaßnahmen erforderlich, wobei 2 dieser Pferde wiederholt milde bis moderate Koliksymptome zeigten. Eines der Tiere mit hochgradiger Verstopfung des Grimmdarms musste wegen wiederkehrender Schmerzsymptomatik und nahezu unverändertem Rektalbefund nach 40 Stunden vorzeitig zusätzlich medikamentös therapiert werden.In beiden Therapiegruppen fiel eine Tendenz zu einer weicheren Kotkonsistenz auf, in der Glaubersalzgruppe ab ca. 8 Stunden, in der Bittersalzgruppe etwa 16 Stunden nach Abführtherapie. Durch die Ermittlung des Trockenmassegehalts im Kot konnte dieser Effekt jedoch nicht belegt werden. Aus der Kotkonsistenz bzw. der Trockensubstant im Kot kann kein Rückschluss auf den Therapieerfolg gezogen werden.Hämatokrit und Gesamteiweiß sanken in der ersten Studienhälfte unabhängig vom verwendeten Laxans leicht ab um anschließend (parallel zum Anfüttern) wieder in den Ausgangsbereich zurückzukehren. Eine Dehydratation konnte trotz geringer Gesamt-Wasseraufnahmen bei keinem Patienten festgestellt werden. Die Verabreichung von Glaubersalz induzierte eine Alkalisierung des Blutes, die vermutlich die Hauptursache für das Absinken des Kaliumspiegels darstellt. Diese Effekte waren in der mit Bittersalz behandelten Gruppe deutlich weniger ausgeprägt. Der Na+-Spiegel erfuhr in der Glaubersalzgruppe nur einen geringgradigen Anstieg innerhalb von 4 Stunden nach Therapie. Dagegen kam es bei den mit Bittersalz abgeführten Pferden erwartungsgemäß zu einer ausgeprägten Hypermagnesiämie mit einem Maximum 4 Stunden nach Laxansgabe. Es zeigten sich jedoch keine klinischen Anzeichen einer Hypermagnesiämie.Abschließend ist festzuhalten, dass die Therapie von primären Dickdarmobstipationen des Pferdes mittels intragastraler Verabreichung von salinischen Laxantien in hypertoner Lösung bei hohen Therapieerfolgsraten zu nahezu keinen klinisch bedeutsamen Veränderungen der ermittelten Blutparameter geführt hat. Eine Substitution von Kalium zeitgleich zur Anwendung von Glaubersalz erscheint jedoch ratsam. Bei hochgradigen Verstopfungen ist eine einmalige laxierende Therapie nicht in allen Fällen ausreichend und muss gegebenenfalls durch zusätzliche medikamentöse Maßnahmen ergänzt werden.

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Giessen : VVB Laufersweiler

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