Die Menstruation, als ein natürlicher und normaler Vorgang im reproduktionsfähigen weiblichen Körper, ruft bei einer Vielzahl von Frauen zyklische psychische und physische Beschwerden hervor. Diese beginnen typischerweise kurz vor Einsetzen der Monatsblutung und dauern wenige Tage an. Abhängig von der Ausprägung können diese Symptome auch ein pathologisches Ausmaß annehmen und die betroffenen Frauen erheblich belasten. Die Ursache dieser Beschwerden ist nach wie vor nicht geklärt. Diskutiert wurden bisher vor allem hormonelle Veränderungen. Neuere Studien zeigen jedoch eine Verknüpfung von psychischer Befindlichkeit mit der Aktivität des Immunsystems, insbesondere proinflammatorischen Zytokinen. Da die Menstruation eine Entzündungsreaktion des Endometriums darstellt (charakterisiert durch Ödembildung und den Einstrom bzw. Proliferation verschiedener immunkompetenter Zellen) werden auch Veränderungen der uterinen Immunaktivität als vermittelnde Mechanismen diskutiert. Bislang ist die Datenlage aber bezüglich dieser lokalen Veränderungen, insbesondere auch im Hinblick auf einen Zusammenhang mit zyklischen Änderungen der psychischen Befindlichkeit, sehr gering und es existieren keine messwiederholten Untersuchungen. Daher hat die vorliegende Dissertation das Ziel, potentielle Zusammenhänge zwischen der Sekretion bestimmter Immunmediatoren innerhalb verschiedener Zyklusphasen auch in Zusammenhang mit Veränderungen der psychischen Befindlichkeit in der zweiten Zyklushälfte zu analysieren. Untersucht wurden 49 junge, gesunde Frauen an fünf Messzeitpunkten im Verlauf eines Menstruationszyklus (postmenstruell, während der Ovulation und dreimal in der Lutealphase). Hierbei wurden die psychische Befindlichkeit über die POMS-Skalen Niedergeschlagenheit, Tatendrang, Müdigkeit und Missmut sowie die lokalen (Zervixsekret) und systemischen (Blutserum) Konzentrationen der Zytokine IL-beta, IL-2, IL-4, IL-6, IL-8, IL-10, IL-12 und IL-17 erfasst. Die Ergebnisse zeigen Schwankungen der lokalen Zytokinkonzentrationen und der psychischen Befindlichkeit im Verlauf des Zyklus, mit niedrigsten Konzentrationen bzw. Beschwerden zur Zyklusmitte (Ovulation) und hohen Konzentrationen bzw. Beschwerden vor und direkt nach der Mensis (signifikant für IL-6, IL-8, IL-12 sowie für Tatendrang). Für hämatogene Zytokine konnten dagegen keine Veränderungen gefunden werden. Ein Zusammenhang zwischen Veränderungen von lokalen Zytokinkonzentrationen und psychischer Befindlichkeit in der zweiten Zyklushälfte in vivo kann bei einem Gesamtkollektiv von gesunden jungen Frauen nicht gefunden werden. Jedoch gibt es signifikante Unterschiede zwischen Subgruppen (mit und ohne spätlutealer Verschlechterung der psychischen Befindlichkeit), mit zumeist höheren Konzentrationen und stärkeren Schwankungen lokaler inflammatorischer Marker bei Probandinnen mit lutealer Verschlechterung der Befindlichkeit. Somit konnte diese Pilot-Studie erstmals lokale zyklische Veränderungen von Zytokinen in einem messwiederholten Studiendesign nachweisen und einen möglichen Zusammenhang mit der Ätiologie prämenstrueller Symptome bestärken. Damit gibt diese Studie einen Einblick in einen innovativen Ansatz zur Erforschung psycho-immunologischer Zusammenhänge zwischen lokaler uteriner Immunaktivität und psychischer Befindlichkeit während des Menstruationszyklus.
Verknüpfung zu Publikationen oder weiteren Datensätzen