Ethologische Untersuchungen zur mutterlosen Lämmeraufzucht unter besonderer Berücksichtigung der Rasse
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Zusammenfassung
Im Rahmen der vorliegenden Arbeit wurde das Saug- und Tränkeverhalten von insgesamt 145 Schaflämmern in mutterloser Aufzucht an einem modifizierten Kälbertränkeautomaten unter Berücksichtigung individueller und rassespezifischer Unterschiede sowie wirtschaftlicher Aspekte im Zeitraum März 1999 bis Juli 2000 untersucht. Die einbezogenen Rassen waren Merinolandschaf (ML, n = 31), Rhönschaf (RH, n = 23), Graue Gehörnte Heidschnucke (GS, n = 1) und verschiedene Kreuzungen (n = 90) aus ML, RH, Texel (T), Romanov (Ro) und Milchschaf (M). Darüber hinaus sollte mittels indirekter Gruppenbeobachtung und visueller Direktbe-obachtung am Einzeltier festgestellt werden, inwieweit die Effekte Rasse (Merino-landschaf(ML)/Rhönschaf(RH)) und Tränkestand (heller(nTRS)/dunkler(aTRS) Tränkestand) einen Einfluss auf die Adaptionsfähigkeit, das Saug- und Tränkeverhalten sowie bestimmte Verhaltensweisen der Lämmer (Ruhe-, Aktivitäts- und stoffwechselbedingtes Verhalten, Futteraufnahme-, Spielverhalten usw.) ausübten. Durch den Einsatz der elektronischen Tiererkennung mittels an Halsbändern befestigter Ohrmarken konnten Verzehrs- und Verhaltensdaten der Einzeltiere automatisch registriert und gesammelt werden. Hierbei wurden das Tränkeverhalten (Häufigkeit der Tränkestandbesuche, Abrufmenge und Verweildauer im Tränkestand), sowie die verbrauchte Tränke- und Milchaustauschermenge für jeweils 24 Stunden aufgezeichnet und Vergleiche zum Vortag aufgezeigt. Zusätzlich wurde die Zuwachsleistung der mutterlos aufgezogenen Lämmer erfasst und mit den Vollgeschwistern in natürlicher Aufzucht am Muttertier verglichen. Die Adaptationsfähigkeit der Lämmer an das Tränkeverfahren war individuell und rassespezifisch signifikant verschieden. So benötigten ML-Lämmer signifikant länger bis zur selbstständigen Annahme des Saugers als RH-Lämmer (p < 0.001). Im Tränkestandvergleich zeigte sich, dass die Texel x Romanov-Kreuzungslämmer am 'neuen' helleren Tränkestand (Plexiglas-Tränkestand) signifikant länger bis zur selbstständigen Annahme des Saugers benötigten als am 'ursprünglichen' Tränkestand (modifizierter Kälbertränkestand). Es gab sowohl im Rasse-, als auch im Tränkestandvergleich Lämmer, die das Saugen am Tränkeautomaten innerhalb der Anlernphase von neun Tagen nicht erlernten. Die Häufigkeitsverteilung der genutzten Saugstellen ließ eine Präferenz bestimmter Saugstellen erkennen, die jedoch nicht auf die Beschaffenheit dieser zurückzuführen war, denn alle vier Saugstellen waren bautechnisch identisch konstruiert. Die Abrufmenge lag beim Merinolandschaf höher als beim Rhönschaf und den Texel x Romanov-Kreuzungstieren und war über die gesamte Tränkedauer positiv mit der Verweildauer in den Tränkeständen korreliert. Die Effekte Tränkewoche, Rasse bzw. Tränkestand und Geschlecht hatten in Bezug auf die Merkmale Abrufmenge und Verweildauer einen höchstsignifikanten Einfluss. Die kontinuierliche Gruppenbeobachtung mittels Infrarot-Videotechnik zeigte, ebenso wie die visuelle Direktbeobachtung, sowohl im Rasse- als auch im Tränkestandvergleich signifikante Unterschiede in der Dauer und dem tageszeitlichen Verlauf des Ruhe-, Aktivitäts- und Nahrungsaufnahmeverhaltens.Außerdem wurden signifikante individuelle Unterschiede innerhalb der Gruppen (ML, RH, aTRS, nTRS) im Festfutteraufnahme-, Stoffwechselbedingten, Spiel- und anomalen Verhalten festgestellt. Alle Verhaltensweisen ließen über 24 Stunden eine Symmetrie zwischen den Gruppen und eine gewisse Tagesrhythmik erkennen.Es zeigte sich, dass Rhönschaflämmer signifikant (p < 0.05) länger und häufiger am Tage spielten als Lämmer der Rasse Merinolandschaf, wobei das 'Spiel mit dem Artgenossen' gegenüber dem 'Spielen allein' bevorzugt wurde. Verhaltensanomalien, wie das Besaugen von Präputium oder Scrotum, konnten nur bei einzelnen Tieren beobachtet werden und traten über die gesamte Tränkeperiode hinweg auf, wobei es sich immer um dieselben Tiere handelte. Merinolandschaflämmer zeigten gegenüber Rhönschaflämmern eine deutliche Präferenz (p < 0.01) im Ausüben von Verhaltensanomalien. Vergleiche der Zuwachsleistung von mutterlos aufgezogenen Schaflämmern am Tränkeautomaten mit denen ihrer Vollgeschwister in natürlicher Aufzucht am Muttertier zeigten, dass die Tiere in mutterloser Aufzucht ein signifikant geringeres Absetzgewicht aufwiesen als ihre Geschwister in natürlicher Aufzucht (p < 0.001). Der Milchaustauscherverbrauch lag beim Merinolandschaf signifikant höher als beim Rhönschaf oder den Kreuzungstieren (Texel x Romanov). Im Tränkestandvergleich waren diese Unterschiede allerdings nicht signifikant. Die Tränkestände waren nur bedingt für Schaflämmer modifizierbar, entscheidende Probleme, wie das gegenseitige Verdrängen von der Saugstelle durch 'Aufspringen' oder 'Unterlaufen' des Artgenossen, waren nicht vollständig zu beheben. Als Ursache hierfür sind insbesondere rasse- und altersbedingte Größen- und Konstitutionsunterschiede zu nennen. Die vorliegenden Untersuchungen zeigen, dass die Lämmeraufzucht an einem ursprünglich für Kälber konzipierten Tränkeautomaten nach Modifikationen möglich ist, wobei individuelle und rassespezifische Unterschiede hinsichtlich des Anlern-, Saug- und Tränkeverhaltens sowie zahlreicher indirekt und direkt beobachteter Verhaltensweisen festzustellen sind. Die technische Weiterentwicklung dieser rechnergestützten Tränkeverfahren zur Optimierung der mutterlosen Lämmeraufzucht stellt somit einen entscheidenden Beitrag dar, den wirtschaftlichen Erfolg der Schafhaltung zu verbessern.Verknüpfung zu Publikationen oder weiteren Datensätzen
Beschreibung
Anmerkungen
Erstpublikation in
Wettenberg : VVB Laufersweiler 2004
