Explorative Studie zur Formation von Neutrophil Extracellular Traps und deren Einfluss auf die Gerinnung im Rahmen der postoperativen systemischen Inflammation
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In dieser prospektiven, explorativen und monozentrischen Beobachtungsstudie wurden perioperative Veränderungen zellulärer NET-assoziierter Parameter neutrophiler Granulozyten bei 20 erwachsenen Patientinnen und Patienten nach großen abdominalchirurgischen Eingriffen untersucht. Diese Eingriffe sind mit einer ausgeprägten Aktivierung des angeborenen Immunsystems verbunden, wobei NETs zunehmend als relevante Akteure steriler Inflammation und potenzielle Modulatoren hämostatischer Prozesse diskutiert werden.
Postoperativ erfüllten alle Probanden die Kriterien eines SIRS, welches als Einschlusskriterium definiert war. Ziel war es, die perioperative Dynamik zellulärer NET-assoziierter Veränderungen zu charakterisieren, deren potenzielle Bezüge zur perioperativen Inflammation und Hämostase explorativ zu untersuchen sowie die klinische Anwendbarkeit eines durchflusszytometrischen Ansatzes zu evaluieren, der nach Bestätigung der methodischen Machbarkeit eingesetzt wurde.
Im perioperativen Verlauf zeigte sich ein signifikanter postoperativer Anstieg des Anteils NET-assoziierter neutrophiler Granulozyten mit früher, transienter Dynamik, die sich deutlich von den zeitlichen Verläufen etablierter serologischer Inflammationsmarker unterschied. Entsprechend ließ sich weder zu klassischen Entzündungsparametern noch zu den serologischen NET-assoziierten Markern IL-8, MPO und HMGB1 eine signifikante Korrelation nachweisen, was angesichts unterschiedlicher zeitlicher und biologischer Bezugsebenen plausibel erscheint. Im Hinblick auf die Hämostase zeigte sich keine Assoziation zu globalen Gerinnungsparametern oder zur Thrombozytenfunktion, während erstmals Zusammenhänge mit einzelnen thrombelastometrischen Parametern beobachtet wurden. Ein Zusammenhang zwischen zellulären NET-assoziierten Parametern und perioperativer Organdysfunktion, erfasst mittels SOFA-Score, ließ sich nicht nachweisen. Die Ergebnisse sprechen dafür, dass zelluläre NET-assoziierte Veränderungen primär frühe Aktivierungsprozesse der angeborenen Immunantwort widerspiegeln und nicht geeignet sind, das Ausmaß perioperativer Organdysfunktion oder eine klinische Diskrimination zwischen steriler Inflammation und Sepsis abzubilden. Insgesamt unterstreichen die Ergebnisse die Bedeutung zellulärer NET-assoziierter Veränderungen im perioperativen Kontext und liefern Ansatzpunkte für weiterführende Untersuchungen zur Rolle von NETs.
