Medizinstudierende leiden verbunden mit der hohen Arbeits- und Stressbelastung im Studium besonders unter psychischen Beschwerden. Deren Zunahme im Studienverlauf und Fortsetzung in das Berufsleben deuten auf mangelnde Stressbewältigungsstrategien hin und beeinflussen letztlich die Patientenbetreuung negativ. Entsprechend wichtig ist die frühzeitige Prävention stressbedingter Belastungen bei Medizinstudierenden.An der JLU Gießen wird dazu seit dem WS 2008/2009 das Praxisprojekt zur Stressbewältigung im Medizinstudium angeboten. Um zu klären, welche weiteren nationalen und internationalen Stressbewältigungsangebote für Medizinstudierende existieren, wurde eine Literaturrecherche in den Datenbanken Pubmed und DIMDI durchgeführt. Die medizinischen Fakultäten in Deutschland, Österreich und der Schweiz wurden gezielt angeschrieben und es fand eine Onlinerecherche auf der Homepage jeder der kontaktierten 44 Universitäten statt. Die Angebote wurden hinsichtlich Bestehensdauer, zeitlichen Umfangs, Teilnehmer und Leiter, Inhalten und Art der Evaluation untersucht. Aus initial 1029 Suchtreffern der Literaturrecherche wurden 41 Arbeiten und davon 28 aus der internationalen, nicht deutschsprachigen und 13 aus der deutschsprachigen Literatur analysiert. Die Rücklaufquote der Anschreiben an die Universitäten der drei Länder lag bei 93,2 %. Es wurden 66 Programme aus acht Kategorien gefunden. Zwei Drittel der deutschen und fast alle Fakultäten in Österreich und der Schweiz bieten überwiegend in den Bereichen Stressbewältigung, Lernstrategien und Prüfungsängste sowie Mentorenprogramme mindestens ein Konzept an. Bisher wird, exklusive der Mentorenprogramme, die Hälfte der Angebote in variablem Umfang evaluiert.Der Unterstützungsbedarf Medizinstudierender wurde international wie national erkannt, ist aber bei weitem nicht gedeckt. Insbesondere im deutschsprachigen Raum mangelt es an ganzheitlichen, speziellen Stressbewältigungsangeboten. Der Ausbau niederschwelliger, extracurricularer Angebote, eine stärkere Kooperation zwischen den Universitäten bezüglich effektiver Konzepte und umfassende Evaluationen existenter Angebote hinsichtlich ihrer Effekte auf die Teilnehmer sind zu empfehlen. Langfristig könnte dadurch die Stressbelastung reduziert und die Gesundheit Medizinstudierender verbessert werden, damit sie sich den Anforderungen des Arztberufs gewachsen fühlen.
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