Das individuell angepasste Operationsausmaß in der Chirurgie der Parotisadenome ist seit Jahren das Konzept der Hals-Nasen-Ohrenklinik der Justus-Liebig-Universität in Gießen. Forderungen aus der internationalen Literatur, dass der minimalste Eingriff bei benignen Parotisadenomen immer eine laterale Parotidektomie zu sein habe, veranlasste eine retrospektive Studie des Giessener Patientenguts, die Behandlungsstrategie wissenschaftlich beurteilen zu können. Hauptziel dieser Studie war, die Rezidivrate, die postoperativen Komplikationen und die damit verbundene postoperative Lebensqualität bei diesem befundadaptierten Operationsverfahren zu ermitteln.In den Jahren 1990 bis 2003 wurden 494 Parotisadenomoperationen durchgeführt, die Eingang in die Studie fanden. Neben der Krankenakte konnte zusätzlich bei 302 Patienten ein Fragebogen zum Verlauf und der postoperativen Lebensqualität zur Auswertung kommen.Folgende Operationsverfahren wurden durchgeführt: Tumorexstirpationen (24,7%), partielle laterale Parotidektomien (47,6%), laterale Parotidektomien (22,1%) und totale Parotidektomien (5,7%). Bei einer mittleren Nachbeobachtungszeit von sechs Jahren traten keine Rezidive pleomorpher Adenome auf. Auch bei den seltenen Parotisadenomen wurde kein Rezidiv gefunden. Allerdings entwickelten neun Patienten mit einem Zystadenolymphom (6,7%) einen erneuten Tumor im Restparenchym. Zuvor war jeweils eine Exstirpation erfolgt.3% der Patienten leiden unter einer inkompletten permanenten Fazialisparese. Die totale Parotidektomie war in dieser Studie die Therapieform, nach der mit 5,6% der Fälle am häufigsten eine permanente Fazialisparese entwickelt wurde. Die Inzidenz des Frey schen Syndroms war signifikant höher je mehr Parotisgewebe reseziert worden war. Ein Frey sches Syndrom gaben 19,2% der Befragten an, jedoch nur 13,8% fühlen sich hierdurch stark beeinträchtigt. 96,4% der Patienten waren mit dem kosmetischen Ergebnis zufrieden, nur 21,8% beklagten eine Sensibilitätsstörung der Ohrmuschel.In dieser Arbeit konnte gezeigt werden, dass die postoperativen Beeinträchtigungen, die zu einer Reduktion der Lebensqualität führen, mit steigender Operationsausdehnung zunehmen. Wenn es Größe und Lokalisation der Adenome zulassen, so bringen minimal-invasive Eingriffe bei sorgsamem Vorgehen unter Verwendung des Operationsmikroskops keine erhöhte Rezidivgefahr mit sich. Pleomorphe Adenome können folglich bei kapselschonender Präparation exstirpiert werden. Beim Vorliegen von Zystadenolymphomen muß schlussfolgernd aus dieser Studie gefordert werden, das caudale, Lymphknoten enthaltende Parotisgewebe mitzuresezieren, um das erneute Auftreten zu vermeiden. Die befundadaptierte Chirurgie ist aus heutiger Sicht aufgrund der guten postoperativen funktionellen und kosmetischen Ergebnisse zu favorisieren.
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