Juckreiz ist ähnlich wie Schmerz eine quälende Sinnesempfindung für Patienten und tritt häufigim Rahmen dermatologischer Erkrankungen als begleitendes Symptom auf. Juckreiz stellt dabeieine eigene Sinnesqualität dar. In der vorliegenden Studie sollte zum einen überprüft werden, obder bei atopischer Dermatitis auftretende Juckreiz sich unter einer Stressbedingung verschlimmert,und zum anderen, ob in Gegenannahme ein Entspannungsverfahren den Juckreiz reduziert.Hierfür wurden 9 Männer und 9 Frauen im Alter zwischen18 und 50 Jahren mit atopischer Dermatitisin akuter Exazerbation und mit einem SCORAD-Wert von mindestens 20 untersucht.Alle Probanden waren Nichtraucher und reagierten positiv auf Histamin.Die Hautläsion wurde an den oberen Extremitäten gewählt, insbesondere in den Ellbeugen undan den Handgelenken. Nach einer Voruntersuchung auf Eignung wurden die Probanden dreiverschiedenen Bedingungen ausgesetzt: einer Kontrollbedingung, einer Stressbedingung und einerEntspannungsbedingung. Unter der Kontrollbedingung wurde ein Histamin-Prick in eineläsionale Hautstelle des Patienten gesetzt, welche wir dann 15 Minuten lang unter Biofeedback-Monitoring beobachteten. Mittels VAS-Skalen wurden die Parameter Juckreiz und Schmerz minütlich,die Parameter Erythem und Quaddel in 3-Minuten-Abständen kontrolliert. Unter derStressbedingung wurde das gleiche Verfahren mit einem experimentellen Stress durchgeführt.Dieser Stress dauerte 6 Minuten und bestand aus zwei Ankündigungen und einem akustischvisuellenStressor, der über einen Computerbildschirm und Kopfhörer vermittelt wurde. Bei derEntspannungsbedingung schließlich wurde zunächst die Kurzversion der Progressiven Muskelrelaxationnach Jacobson in Verbindung mit einer Kognitionsübung gegen Juckreiz durchgeführt,bevor wie oben beschrieben ein Histamin-Prick gesetzt wurde.Unter den drei Bedingungen zeigten sich bei den Patienten unterschiedliche Reaktionsmuster. ImGegensatz zur Selbsteinschätzung der Patienten hinsichtlich Stress und Entspannung war bei denProbanden deutlich weniger Stressreaktion zu beobachten. Bei der statistischen Auswertungkonnte in einem Clusteranalyseverfahren eine Gruppe von 8 Probanden isoliert werden, die unterEntspannung mit einer verminderten Juckreizreaktion reagierte, und eine Gruppe von4 Probanden, die sogar wider Erwarten unter Entspannung vermehrten Juckreiz verspürte. Dasbedeutet, dass bei einigen Probanden (denen der 8er-Gruppe) ein Entspannungsverfahren sichpositiv auf den Juckreiz bei atopischer Dermatitis auswirkt. Entspannungsverfahren sind damitdurchaus eine wirksame Therapie gegen Juckreiz, allerdings muss die zu behandelnde Persondafür geeignet sein.
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