Über 95 % aller primären Larynxkarzinome sind Plattenepithelkarzinome. Diese entstehen meist aus laryngealen Dysplasien, d.h. präkanzerösen Epithelläsionen. Eine verlässliche Dignitätsbestimmung laryngealer Epithelläsionen an Schnittpräparaten kann aufgrund geringer Biopsiegröße problematisch sein. In kleinen Biopsien kann entweder Stroma fehlen oder zu klein sein um infiltratives Wachstum auszuschließen oder aber der Tumor ist möglicherweise noch auf das Epithel beschränkt. Besonders hochdifferenzierte Carcinomata in situ können allein aufgrund subjektiver zytomorphologischer Befunde als leichtergradige Dysplasien fehlklassifiziert werden. Um eine bessere Unterscheidung zwischen benignen und prämalignen bzw. malignen Läsionen zu erreichen, wurden zellkernmorphologische Parameter mit den Ergebnissen einer optischen Dichtemessung kombiniert. Dazu wurde aus den Parametern Ploidie-Status, Kernfläche und Kernflächenschwankung mit Hilfe der Diskriminanzanalyse der Multiparameteratypieindex (MAI) entwickelt. Ziel dieser Arbeit ist es, die Klassifikationsgenauigkeit des entwickelten Parameters zu überprüfen, um damit zu einer verlässlicheren Klassifizierung von Larynxschleimhautläsionen, insbesondere der hoch differenzierten Plattenepithelkarzinome sowie ihrer Vorläuferläsionen, beizutragen. Insgesamt wurden 76 Larynxschleimhautpräparate ausgewertet. Dieses Kollektiv beinhaltete 38 laryngeale Dysplasien und Carcinomata in situ sowie 38 Fälle laryngealer Plattenepithelkarzinome. Die Klassifikation der Dysplasien wurde nach Kleinsasser [1963] in leichte, mittelschwere und schwere Dysplasien/Carcinomata in situ vorgenommen. Die Plattenepithelkarzinome wurden als hoch differenzierte, mittelgradig differenzierte und niedrig differenzierte Karzinome klassifiziert. Die Bestimmung der am Schnitt gemessenen integrierten optischen Zellkerndichte sowie der Parameter Kernfläche und Kernflächenschwankung wurde mit einem interaktiven Bildzytometriesystem (Kontron, Deutschland) durchgeführt. Für die bildanalytischen Messungen wurden Feulgen gefärbte Paraffinschnitte verwendet. Der anhand der integrierten optischen Dichte ermittelte Ploidie-Status wurde als qualitatives Merkmal einer Läsion, euploid oder aneuploid, ausgedrückt. Durch den MAI wurden von den 38 ausgewerteten Dysplasien 21 (55,3 %) ihrer Dignität entsprechend als benigne und 17 (44,7 %) als maligne klassifiziert. Von den 17 als maligne klassifizierten Dysplasien gehörten 13 zur Gruppe der schweren Dysplasien bzw. Carcinomata in situ. Durch den MAI konnten 36 (94,7 %) der 38 untersuchten Larynxkarzinome zutreffend als maligne klassifiziert werden. Nur zwei Fälle (5,3 %) wurden in die Kategorie benigner Fälle eingestuft. Beide Fälle waren zuvor histologisch als hoch differenzierte Karzinome klassifiziert worden. Mit Hilfe des MAI konnte eine höhere Klassifikationsgenauigkeit (94,7 %) zur Erkennung maligner Läsionen erreicht werden als mittels des Ploidie-Status (86,8 %), der Kernfläche (47,4 %) oder der Kernflächenschwankung (50,0 %) möglich war. Hoch differenzierte Larynxkarzinome sind aufgrund sehr geringer epithelialer Veränderungen schwer zu entdecken. In Bezug auf diese Läsionen verbesserte sich die Klassifikationsgenauigkeit des MAI auf 84,6 % im Vergleich zu 61,5 % für den Ploidie-Status und jeweils 46,2 % für Kernfläche und Kernflächenschwankung. Die Ergebnisse dieser Arbeit zeigen, dass der MAI eine präzisere Unterscheidung von benignen und prämalignen/malignen Larynxepithelveränderungen an Schnittpräparaten ermöglicht als die untersuchten zytometrischen Einzelparameter.
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