Bedingungen mütterlicher Reaktivität / Sensitivität im ersten Lebensjahr

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In der vorliegenden längsschnittlich konzipierten Studie wurde der Einfluß verschiedener Faktoren auf die Adäquatheit mütterlichenInteraktionsverhaltens im Verlauf des ersten Lebensjahres überprüft. Auf der Grundlage der interaktionalen Modelle von BELSKY (1984) und PAPOU EK & PAPOU EK (1990) wurde angenommen, daßsowohl Charakteristiken der am Interaktionsgeschehen beteiligten Personen, also Bezugsperson und Kind, als auch der Kontext, inwelchem sich die Interaktion abspielt, für das mütterliche Verhalten von Bedeutung sind. Folgerichtig wurden als potentielle Determinanten der mütterlichen Reaktivität/Sensitivität, die als Kernstück angemessenenInteraktionsverhaltens gilt, die folgenden Vari-ablen berücksichtigt: das frühkindliche Temperament (in den Komponenten positive undnegative Emotionalität) auf seiten des Kindes, Depressivität und Angstneigung als Merkmale der Bezugsperson und Zufriedenheit in derPartnerschaft und soziale Unterstützung als Umgebungsfaktoren. Geprüft wurde, ob und in welcher Form diese Bedingungsfaktoren zeitlich kongruent und prädiktiv mit einem reaktiv-sensitiven, alsoangemessenen mütterlichen Interaktionsverhalten verbunden waren. Ausgehend von den genannten Interaktionsmodellen wurde hierbei einkomplexes Zusammenwirken hypothetisiert und angenommen, daß die frühe Mutter-Kind-Dyade zwar Störungen in Teilbereichen effektivkompensieren kann, daß aber eine Kumulation ungünstiger Bedingungen sich - im Zeitverlauf zunehmend - negativ auf das mütterlicheInteraktionsverhalten auswirkt. Das zentrale Untersuchungsziel bestand dem-nach darin, aus bestimmten BedingungskonstellationenVorhersagen über Veränderungen im mütterlichen Interaktionsverhalten zu treffen. Zwischen den berücksichtigten Faktoren wurdenInteraktionen im Sinne sich gegenseitig verstärkender oder abmildernder Effekte erwartet. Datenerhebungen erfolgten im Alter der Kinder von vier Monaten an einer Stichprobe von 37 Mutter-Kind-Paaren, von denen beim zweitenErhebungszeitpunkt im Alter der Kinder von acht Monaten 33 Paare wieder teilnahmen. Alle Mütter waren erstgebärend, lebten in festenPartnerschaften und verfügten über gute Deutschkenntnisse. Bei den Kindern handelte es sich bei der Ersterhebung um 19 männliche und18 weibliche gesunde und termingerecht geborene Säuglinge. Zu beiden Erhebungszeitpunkten erfolgten Verhaltensbeobachtungen der Mutter-Kind-Interaktion im Rahmen von Hausbesuchen sowie imLabor. Über die objektiven Verhaltens-beobachtungen hinaus wurde das frühkindliche Temperament zusätzlich per Fragebogen imMutterurteil erhoben, womit ein Vergleich der beiden Erfassungsmethoden möglich wurde. Auch mütterliche Depressivität undAngstneigung wurden, ebenso wie die der Mutter zugängliche soziale Unterstützung (in der Partnerschaft und in anderen Bereichen),anhand von Fragebögen ermittelt. Zunächst wurde geprüft, ob sich aus dem Vorliegen negativer oder positiver kindlicher Emotionalität auf der einen Seite und mütterlicherDepressivität/Ängstlichkeit oder sozialer Unterstützung auf der anderen Seite Aussagen über die zeit-lich kongruent vorliegendemütterliche Reaktivität/Sensitivität ableiten ließen. Wider Erwar-ten ergaben sich zu keinem der beiden ErhebungszeitpunkteInteraktionseffekte zwischen den berücksichtigten Faktoren. Allerdings zeigte sich im Alter der Kinder von vier Monaten ein Haupteffekt fürdie von der Mutter wahrgenommene positive kindliche Emotionalität. Mütter, die ihre Kinder positiver beschrieben, zeigten diesengegenüber ein adäquateres, d.h. reaktiveres Interaktionsverhalten. Bei der längsschnittlichen Betrachtung erwies sich die kindlichenegative Emotionalität als außerordentlich bedeutsam. Bei dem Zusammentreffen eines häufig negativen Kindes mit dem zusätzlichbelastenden Faktor mütterlicher Depressivität/Ängstlichkeit ergab sich erwartungsgemäß im Zeitverlauf eine drastisch verringerteReaktivität/Sensitivität der Mutter, ein Effekt, der sich sowohl für die beobachtete als auch tendenziell für die von der Mutterwahrgenommene negative Emotionalität des Kindes zeigte. Für die Kombination eines von der Mutter häufiger negativ wahrgenommenen Kindes und mangelnder sozialer Unterstützung waren dieErgebnisse ähnlich gelagert: Auch hier führte das Vorliegen lediglich eines Risikofaktors nicht zu einem weniger angemessenenMutterverhalten, während das kumulierte Auftreten sich deutlich negativ auswirkte. Die Ergebnisse bestätigen somit, daß die Auswirkungenkindlicher Charakteristiken auf die Adäquatheit des mütterlichen Interaktionsverhaltens immer in dem Kontext betrachtet werden müssen, inwelchem sie sich entfalten. Für die positive kindliche Emotionalität konnten entgegen der Erwartung bei den längsschnittlichen Analysen keinerlei Haupt- oderInteraktionseffekte nachgewiesen werden.

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