Knochenreaktion und Pharmakokinetik von synthetischem, nanokristallinem Hydroxylapatit in Kombination mit Clindamycin nach Implantation in den Femurmarkraum von Kaninchen
Die vorliegende Arbeit untersuchte die Eignung von phasenreinem, nanokristallinem Hydroxylapatit (Ostim®) als Knochenersatzmaterial und Antibiotikumträgersystem in Kombination mit Clindamycin. Nach femuraler Implantation bei 26 Kaninchen und einer polychromen Sequenzmarkierung mit Calceingrün und Alizarinkomplexon erfolgte eine histologische und fluoreszenzoptische Befundung mit Nachbeobachtungszeiten von zwei und vier Wochen. Pharmakokinetische Fragestellungen hatten die Messung der Freisetzungskinetik in vitro und in vivo sowie der postoperativ auftretenden Serumspiegel zum Inhalt.Die Ostim®-Paste füllte den Defekt formschlüssig aus und unterlag einer vom Lagerknochen ausgehenden, zellulär-vaskulären Erschließung durch Makrophagen, Granulozyten, mehrkernige Riesenzellen vom ungeordneten Typ und Blutgefäße. Das Interface stellte sich weitestgehend bindegewebsfrei dar. Neu gebildete Geflechtknochentrabekel wuchsen unter osteokonduktiver Wirkung von Ostim®-Schollen vom Lagerknochen aus in das Defektzentrum vor. In komplett knöchern durchbauten Defektbereichen zeigte die Prüfsubstanz einen vollständigen Abbau, in den übrigen Bereichen lag sie grobschollig zerfallen bis kompakt vor und war von Zellstraßen durchzogen. Bei zehn von 13 Tieren erzielte Ostim® plus lokal bakteriostatische und teilweise bakterizide Wirkstoffkonzentrationen gegen die meisten kausalen Erreger von Knocheninfektionen für die Dauer von zwei Wochen. Die durchschnittlichen Serumhöchstwerte lagen dabei um den Faktor zehn bis 20 unter denen einer systemischen Therapie. Ostim® erwies sich als osteokonduktives Knochenersatzmaterial mit einfacher Applikation, formschlüssiger Defektfüllung, guter Biokompatibilität und einem vollständigen, an die Knochenneubildungsrate angepassten, Abbau. Unter Clindamycinzusatz war eine signifikante Verzögerung der zellulären und vaskulären Implantaterschließung, des Implantatabbaus und der knöchernen Heilungsprozesse zu beobachten. Inwieweit dies auf eine, durch gastrointestinale Nebenwirkungen bedingte, Reduktion des Allgemeinzustandes dieser Tiere, eine direkte Clindamycinwirkung oder durch Wechselwirkungen zwischen Clindamycin und Ostim® zurückzuführen ist, kann die vorliegende Untersuchung nicht beantworten und müssen ggf. weitere Studien klären.
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